Beziehungsweise: "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander!"

Von Peter Petschek

Frauen wollen immer das eine: planen. Essen, Abende, die nächsten Wochenenden, den nächsten Einkauf. Nur wenn der Partner ins Spiel kommt, ist plötzlich alles anders, der Kalender nichts wert und das erklärte Ziel: Gemeinsamkeit. Warum eigentlich?

Paar vor dem Fernseher: Bundesliga? Heute? Damit konnte wirklich niemand rechnen Zur Großansicht
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Paar vor dem Fernseher: Bundesliga? Heute? Damit konnte wirklich niemand rechnen

Letzte Woche gab es einen Tag, da stand bei mir abends kein Sport an, alle interessanten Kinofilme hatte ich schon gesehen, ich wollte einen kompletten Abend mit meiner Freundin verbringen. Das ist manchmal ganz nützlich, um die emotionale Stabilität in einer Beziehung aufrechtzuerhalten.

"Na Schatz, was wollen wir heute Abend mal machen? Du darfst entscheiden!", sagte ich und fand mich sehr empathisch.

"Das ist mir egal, Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander", sagte Rebecca.

Kein Wort von dem seltsamen Chicorée-Auflauf, dessen Rezept ihr ihre Freundin seit Wochen einflüstert. Keine Rede vom nächsten Film der Jennifer-Aniston-DVD-Box. Kein Vorschlag, stundenlang durch zahllose Urlaubsprospekte zu blättern - natürlich ohne der Urlaubsplanung auch nur einen Schritt nähergekommen zu sein. Anscheinend hatte sie keinen Plan. Sie, eine Frau! Keinen Plan!

"Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander." Ich wette, wenn Forsa oder mein Lieblingsmeinungsforschungsinstitut Infratest dimap eine Umfrage unter 10.000 Männern machen würden, zufällig ausgewählt aus allen Alters- und Bildungsschichten, kein einziger käme auf die Idee, die Frage "Was wollen wir heute Abend machen?" mit "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander!" zu beantworten.

Eher wäre es mir in den Sinn gekommen, das Klo zu putzen

Einige würden wahrscheinlich eher auf "die Schwiegermutter besuchen", "Germany's next Topmodel gucken" oder "gemeinsam ohne Gummihandschuhe das Bad putzen" kommen und das auch noch ernst meinen. Diese Antwort ist für Männer so abwegig wie ein DVD-Abend mit Jennifer-Aniston-Filmen.

Dabei werden wir Kerle sonst immer verdächtigt, uns auf nichts festlegen zu wollen, die Spontaneität erfunden zu haben, uns immer bis zur letzten Sekunde alles offenzuhalten, keine Option auszuschließen, in Allgemeinplätze zu flüchten. Was musste ich mir schon alles für Schimpfwörter anhören, nur weil ich noch nicht wusste, ob ich an diesem oder jenem Tag im Februar 2014 ab halb acht schon was vorhabe. Ich gebe zu: "Weiß ich noch nicht!" ist eine meiner Lieblingsantworten auf viele Fragen. Und für sie ernte ich regelmäßig Zornesblitze aus Rebeccas Augen. Gelegentlich bin ich dazu übergegangen, meine Antwort zu variieren und "Muss ich mal schauen!" zu sagen, doch der dadurch verschaffte Aufschub ist in letzter Zeit zusehends geschrumpft.

Dagegen die Frauen! Als Adam alleine auf der Erde weilte, ließ er sich treiben, war frei und hatte mit Sicherheit keinen Plan von oder für irgendwas - und dann kam Eva. Seitdem leben Frauen gerade in Beziehungen wahre Planungsexzesse aus. Ich kann mich an kein Wochenende erinnern, an dem meine Freundin Freitagmittag noch nicht das Abendessen für Sonntagabend geplant hatte. Ich weiß nicht einmal, was ich frühstücken werde, wenn ich nach dem Aufstehen in die Küche schlurfe. Dort hängt dann meistens an der Kühlschranktür ein Post-it - mit ihrem Einkaufsplan fürs Wochenende.

Und plötzlich, wie aus dem Nichts: Bundesliga

Ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass ausschließlich Frauen Kalender verschenken? Am liebsten solche, in die sie auch die Termine des Partners mit eintragen können. Meine Freundin hängt ihn von innen an die Schlafzimmertür und trägt meine ein oder zwei Angelwochenenden ein, sobald ich ihr davon erzähle. Und zwar mit einem so dicken Edding, dass ich jedes Mal nach dem Aufstehen mit einem so dicken Kloß im Hals ins Badezimmer schlurfe, dass ich mir nach dem Zähneputzen kaum den Mund ausspülen kann.

Ich übernahm also die Verantwortung, sagte "Schatz, ich überleg mir was Schönes!" und machte mir Gedanken. Leider neige ich zu Spontaneität, und so verging fast der komplette Tag, ohne dass mir eine zündende Idee kam. Außerdem hatte ich glatt übersehen, dass Bundesliga anstand, mit einer Partie meines Lieblingsvereins am frühen Abend und Spitzenspielen etwas später.

"Ist das okay, wenn ich das Spiel schaue?"

"Ja klar, wir haben ja noch den ganzen Abend."

Irgendwie blieb ich am Bildschirm hängen, aber immerhin saß Rebecca neben mir auf dem Sofa, wir unterhielten uns nebenbei über dieses und jenes und aßen auch gleichzeitig, wenn auch vielleicht nicht unbedingt zusammen - so habe ich es zumindest in Erinnerung.

Später, als ich alles schon Gesehene nochmal als Zusammenfassung in der Sportschau guckte, hockte sie schon im Bett und las in ihrem neuen Buch. Die Blicke, die mich trafen, als ich hereinschlich, ähnelten denen eines Fußballtrainers, der seine Mannschaft in der Kabine empfängt, nachdem sie 0:5 verloren hat. Jennifer Aniston wirkt dagegen selbst in ihren bösen Momenten geradezu niedlich.

"Aber du sagtest doch: Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander!" Seitdem habe ich diesen Satz nie wieder gehört.

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1.
anonymus_ 20.08.2012
Zitat von sysopFrauen wollen immer das eine: planen. Essen, Abende, die nächsten Wochenenden, den nächsten Einkauf. Nur wenn der Partner ins Spiel kommt, ist plötzlich alles anders, der Kalender nichts wert und das erklärte Ziel: Gemeinsamkeit. Warum eigentlich? Beziehungskolumne: "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,850709,00.html)
Schonmal drüber nachgedacht, dass hinter "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander" eine ganz andere Message steckt? Im Sinne von.. das hatten wir in letzter viel zu wenig, ich hätte gerne mehr Zeit mit dir.. Wenn man(n) das dann nicht checkt, und meint, er bekäme hier einen Freifahrtsschein.. zeugt das von männlicher Naivität! Und die ist mindestens genau "beziehungsfördernd" (Vorsicht: Ironie!) wie die indirekte Kommunikation der Partnerin.. Also mal schön selbst an die Nase greifen und nochmal denken! Vielleicht geht Ihnen dann ja ein Licht auf! ;) Beste Grüße ein Mann
2. Kommt mir sehr bekannt vor...
D.Fronath 20.08.2012
Mein Trick (mein einziger, der vermutlich nicht mehr oft eingesetzt werden kann) ist dann erstmal jemanden anzurufen. Idealerweise den- oder diejenige, die als letzte irgendwelche Probleme hatten. 15 Minuten+ quatschen, möglichst im Beiseien meiner Frau, dann darüber berichten, Meinung einholen und als wichtigstes: "Hach, gut, dass es bei uns nicht so ist, weil wir xyz. Jetzt brauch ich erstmal ein Eis, einen Wein, ein wasauchimmer"
3. Hm.
feuercaro1 20.08.2012
Nett beschriebene Situationen - leider ärgerlicherweise in jedem Absatz mit Klischees versetzt. Es langweilt mich zunehmend, dass den Geschlechtern grundsätzlich bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. ALLE Frauen planen exzessiv; ALLE Frauen haben einen Schuhtick; ALLE Männer interessieren sich für Fußball; usw. - mich nervt so etwas zusehends. Ganze Ratgeberfluten brechen über uns herein, die auf solchen Vorurteilen fußen. Nun also auch noch im Spiegel. Och nö.
4. herrlich !
Fackus 20.08.2012
Zitat von sysopFrauen wollen immer das eine: planen. Essen, Abende, die nächsten Wochenenden, den nächsten Einkauf. Nur wenn der Partner ins Spiel kommt, ist plötzlich alles anders, der Kalender nichts wert und das erklärte Ziel: Gemeinsamkeit. Warum eigentlich? Beziehungskolumne: "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,850709,00.html)
sehr schön geschrieben - genau so ist es. Man kann die Sachlage noch um eine Nuance erweitern: Sie: "Hauptsache, wir reden was - ich wollte einfach mal mit dir was reden". Ich kenne keinen Mann, der dadurch nicht auf der Stelle genervt und unlaunig wäre. Mal von den Pflichtübungen der weiblichen Vorplanungen ganz abgesehen. Der Autor kann seine Frage natürlich auch nicht beantworten - es gibt keine Antwort ausser nach Loriot: Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen.
5.
stormking 20.08.2012
Zitat von anonymus_Schonmal drüber nachgedacht, dass hinter "Hauptsache, wir verbringen Zeit miteinander" eine ganz andere Message steckt? [...] Wenn man(n) das dann nicht checkt, und meint, er bekäme hier einen Freifahrtsschein.. zeugt das von männlicher Naivität!
Nein, daß ist keine Naivität sondern schlichter Unwille, sich auf irgendwelche Dechiffrier- und Interpretationsspielchen einzulassen. Wenn frau etwas will, dann soll frau sich einfach klar äußern.
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Beziehungsweise
  • A. Lampe
    Unser Kolumnist Peter Petschek lebt mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung tief im Osten Hamburgs. Er wundert sich ständig über das, was Frauen tun, lassen, sagen, essen, fühlen, denken und schreibt deshalb darüber. Sein Motto: Ein Klischee ist nur der Durchschnitt einer Summe aller Erfahrungen.