Limburger Bischof unter Druck: Kardinäle gehen auf Distanz zu Tebartz-van Elst

Von Peter Wensierski

Umstrittener Bischof von Limburg: Kardinäle wenden sich ab Fotos
DPA

Es wird eng für Franz-Peter Tebartz-van Elst: Ranghohe Kirchenleute gehen öffentlich auf Distanz zu dem Bischof. Es tue ihm weh, was im Bistum Limburg passiere, sagt etwa der Münchner Kardinal Marx. Hinter vorgehaltener Hand ist die Kritik oft noch deutlich schärfer.

Berlin - Die Tage des Franz-Peter Tebartz-van Elst im Amt des Limburger Bischofs gehen offenbar ihrem Ende entgegen. "Wenn er durch seinen Rücktritt endlich den Weg für einen Neuanfang frei macht, wird unser Bistum von einem Alptraum, der viel zu lange gedauert hat, endlich erlöst sein", sagte ein führendes Mitglied des Limburger Ordinariats zu SPIEGEL ONLINE. Er will seine Kritik am Bischof auch dem päpstlichen Gesandten Kardinal Giovanni Lajolo persönlich umfassend mitteilen.

Lajolo, der noch bis zum Wochenende zu einem "brüderlichen Besuch" in der Stadt weilt, spricht seit Dienstag fast im Stundentakt mit Vertretern des Bistums auf allen Ebenen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Dabei wird er wohl feststellen müssen: Es ist einsam um Tebartz-van Elst geworden. Der langjährige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Lehmann, nannte den Besuch Lajolos ein "Alarmzeichen", einer Zukunft mit dem bisherigen Bischof gibt Lehmann kaum eine Chance.

Nun meldete sich ein weiterer ranghoher Kardinal zu Wort. Als führender Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland und Mitglied im Beratergremium von Papst Franziskus distanziert sich jetzt auch Reinhard Kardinal Marx von den Vorgängen um Bischof Tebartz-van Elst. Ihm tue "weh, was im Bistum Limburg passiert".

Marx widersprach Behauptungen aus dem Umfeld Tebartz-van Elsts, erst die Medien hätten den Bischof in Bedrängnis gebracht. "Medienkampagnen laufen ins Leere, wenn da nichts ist", sagte Marx der "Zeit", "deshalb sind Aufklärung und Offenheit so wichtig." Auf Tebartz angesprochen, mahnt der Münchner Kardinal: "Im Übrigen gelten auch für Bischöfe wie für alle Gläubigen die Gebote von Transparenz und Wahrhaftigkeit." Darum findet Marx es gut, dass der Bischof in seinem Brief an die Gläubigen zum Gespräch einlädt. "Auch der Besuch von Kardinal Lajolo lässt mich hoffen, dass man in guter Weise aufeinander zugeht."

Zunehmende Isolation

Marx, der mit seiner Stimme als Schwergewicht unter den deutschen Bischöfen gilt, reagierte so auf die Tatsache, dass mehr als 4000 Katholiken einen Protestbrief gegen die Amts- und Lebensführung von Tebartz-van Elst unterschrieben hatten. Angesprochen auf Demut gegenüber den Gläubigen als Tugend eines Kirchenführers, erinnert der Münchener Kardinal an den Klimawechsel im Vatikan: "Vielleicht schafft da der neue Papst in der Tat eine neue Sensibilität. Wichtig ist, deutlich zu machen: Wir sind nicht Herren der Gläubigen."

Tebartz-van Elst gerät damit zunehmend in eine aussichtslose Isolation selbst unter Amtsbrüdern. Hinter vorgehaltener Hand ist bei vielen die Kritik noch wesentlich schärfer. Der Bischof ist derzeit kaum in der Stadt Limburg zu sehen, so als habe er sich zum letzten Gefecht in seinem Bischofshaus mit den unterirdischen Gängen und Räumen wie in einem Bunker zurückgezogen.

Ihn hat obendrein die Nachricht schwer getroffen, dass ihm selbst sein Ziehvater Joachim Kardinal Meisner, der ihn einst ins Amt hievte und der ihm jahrelang mitunter tägliche telefonische Unterstützung bot, nun auch nicht mehr helfen kann. Meisner hatte vor kurzem versucht, eine Solidaritätserklärung für Tebartz-van Elst beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz durchzusetzen. Damit scheiterte der 79-Jährige jedoch. Der Kölner war unter Benedikt XVI. noch der mächtigste und gefürchtetste Mann der Bischofskonferenz, doch er wird in wenigen Monaten seinen Bischofsstuhl aus Altersgründen räumen. Meisner fliegt nächste Woche nach Rom, um seinen Rücktritt zum Jahresende, spätestens im kommenden Februar, einzureichen.

Die katholischen Bischöfe werden am 23. September in Fulda zu ihrer Herbst-Vollversammlung zusammenkommen. Der Skandal um Tebartz-van Elst steht nicht auf der offiziellen Tagesordnung, würde das dreitägige Treffen jedoch überschatten. Viele wünschen sich, dass es dann schon keinen Limburger Skandal-Bischof mehr gibt.

Doch Tebartz-van Elst klebt an seinem schicken Haus, seinem Posten, seinen Goldbrokatgewändern und seinen Vorstellungen von Kirche, die nicht mehr zeitgemäß sind unter Papst Franziskus. Aber er ist auch deshalb noch im Amt, weil um ihn herum im Limburger Ordinariat noch mehr sind, die bisher von ihm profitiert haben.

Ramponiertes Ansehen

Allen voran sein Generalvikar Franz Kaspar, 75, mit dem er First Class in die Slums geflogen ist. Dazu gehört aber auch sein Personalchef, der Domkapitular und Prälat Helmut Wanka, der die autoritäre Personalpolitik des Bischofs mitgetragen hat. Dazu gehören seine Sprecher, Referenten und Berater, von denen er in der zurückliegenden Zeit allerdings schon viele verschlissen hat.

Tebartz-van Elst ist auch ein Produkt verkrusteter Personal- und Machtstrukturen in der Kirche. Strukturen, die überholt sind und mehr Schaden anrichten als Nutzen. Selbstbedienungs- und Altherrenverhältnisse, mit denen es keine Zukunft gibt.

"Wenn Tebartz endlich geht, ist eine Selbstreinigung der Kirche im Bistum nur möglich, wenn seine ganzen Getreuen mit ihm gehen", sagt der Vertreter des Ordinariats, der nicht zur Tebartz-Clique gehört. Mit jedem Tag, den er länger im Amt bleibe, ramponiere Tebartz-van Elst das Ansehen seiner Kirche immer mehr. Dabei wisse er ganz genau, dass nach einer Bestrafung durch den Arm der weltlichen Justiz sein Rücktritt nach kirchlichem Recht unausweichlich ist.

Nach seinem First-Class-Flug nach Indien gefragt, hatte Tebartz-van Elst geantwortet: "Business-Klasse sind wir geflogen." Dies wiederum bestritt er später, seitdem läuft ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft wegen falscher eidesstattlicher Versicherung.

Bei den Hamburger Ermittlungen sieht es schlecht für den Bischof aus, trotz kostspieligen Anwalts. Also worauf warten?

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insgesamt 123 Beiträge
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1. Hallo wach !!!
dr.joe.66 11.09.2013
Da steht in dem Artikel was von "Vorstellungen von Kirche, die nicht mehr zeitgemäß sind unter Papst Franziskus". Hallo ??? Unter einem anderen Papst wären sie also zeitgemäß ?? Sehr merkwürdige Auffassung!! Ich dachte immer, Jesus Christus ist der Maßstab für mich als Christen, und nicht der Papst oder sonstwer. Liegt vielleicht daran, dass ich nicht katholisch bin. Womit sich mir dann die Frage stellt, ob Katholik und Christ nicht eher ein Widerspruch sind...
2. optional
guteronkel 11.09.2013
Die Notwendigkeit zur Umkehr war auch schon unter Papst Benedikt XVI bekannt. Doch Benedikt hat das nicht interessiert-war da doch noch der Meissner, der mithalf das Übel zu vertuschen. Jetzt, unter Franziskus, sieht die Sache aber schon anders aus. Jetzt rollt ein Kopf. Erst einer, dann noch einer und dann noch ein paar. So wäre es zu wünschen. Hilft das der Kirche? Aus meiner Sicht: Nein. Ein verlorenes Schaf (Gläubiger, der ausgetreten ist) kommt nicht mehr zurück.
3. optional
lronmcbong 11.09.2013
sagt man kleineren organisationen nicht nach sie seien flexibler - sowohl mit ihren "kunden" als auch in der hierarchiestruktur? ergo: einfach alle aus der kirche austreten - dann werden wir ja sehen, ob ein umdenken einsetzt oder nicht! :)
4.
cs01 11.09.2013
Die meisten Anwürfe gegen den Bischof dürften in der Tat auf die Medienkampange zurückgehen. Allerdings lässt sich eine solche auch nicht nur mit heißer Luft führen, es muss eine Grundunzufriedenheit (ober berechtigt oder nicht) vorhanden sein. Das könnte auszuräumen sein, wenn er auch eigene Fehler eingesteht. Was für einen Bischof jedoch gar nicht geht ist ein Meineid. Die Strafttat "falsche Versicherung an Eides statt" ist kirchlich gesehen ein ganz klarer Meineid. Eine solchen darf ein Oberhirte ganz einfach nicht begehen. Daher muss er aus meiner Sicht zurücktreten, anders geht es nicht. Das ist mal wieder ein klassischer Fall, bei dem die richtigen Verfehlungen erst bei der Vertuschung begangen werden.
5. Von wegen Trennung von Staat und Kirche
Eva K. 11.09.2013
Es ist schon erstaunlich, wie die Herren Lehmann und Marx auf einmal sackweise Kreide gefressen haben und Dinge sagen, die noch vor einem halben Jahr keiner erwartet hätte. Mich stören an den Herren incl. TvE allerdings nicht ihre internen Querelen, die sind Angelegenheit ihres Glaubensvereins, dem ich nicht angehöre. Mich stört vielmehr, daß ich, obwohl ich nichts mit Religionen und Glauben am Hut habe, diesem Klüngel per Staatsvertrag mit meinen Steuergeldern (nicht irgendwelche Kirchensteuern!) die nicht gerade mageren Gehälter zahle. Dafür darf ich mich als Nichtgläubige und frauenliebende Frau von denen dann auch noch regelmäßig von ihrer Kanzel herab massiv beschimpfen und besudeln lassen. Es wird Zeit, daß die Trennung von Staat und Glaubensvereinen aller Art aktiv vollzogen wird, statt nur zu behaupten, die BRD sei ein laizistischer Staat.
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