Sanktionen Bischofskonferenz regelt Konsequenzen für Kirchenaustritt

Jedes Jahr treten in Deutschland mehr als 100.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus. Dagegen will die Deutsche Bischofskonferenz vorgehen - und hat nun in einem Dekret festgehalten, welche Konsequenzen drohen.

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch: Austritt mit Konsequenzen
dapd

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch: Austritt mit Konsequenzen


Bonn - Wer in Deutschland aus der katholischen Kirche austritt, wird künftig von dem für ihn zuständigen Pfarrer per Brief zum Gespräch eingeladen. Die Beweggründe - und Konsequenzen - dieser Entscheidung sollen darin thematisiert werden. Das geht aus einem Dekret hervor, das die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn veröffentlicht hat.

Der förmliche Kirchenaustritt stelle eine "willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche dar" und sei eine "schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft", heißt es in dem Dekret, das am 24. September in Kraft treten soll und das der Vatikan bereits bestätigt hat.

Wer sich zu dem Schritt entschließt, ist aus Sicht der Kirche nicht mehr katholisch, wird jetzt allerdings nicht mehr wie bisher automatisch exkommuniziert. Mit dieser Entscheidung sind die deutschen Bischöfe der Sichtweise des Vatikan entgegengekommen. Der dortige Rat für Gesetzestexte hatte bereits 2006 erklärt, dass ein bloß formaler Kirchenaustritt noch keinen Abfall vom Glauben darstellt, der mit Exkommunikation bestraft werden muss.

Hintergrund für das Dekret ist der Fall des Freiburger Kirchenrechtlers Hartmut Zapp. Dieser hatte 2007 seinen Austritt aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt und keine Kirchensteuern mehr gezahlt. Er erklärte jedoch, er sei weiterhin gläubiges Mitglied der Kirche. Dagegen hatte das Erzbistum Freiburg geklagt. Am 26. September wird der Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.

In dem durch das Dekret geregelten pastoralen Anschreiben werden die kirchenrechtlichen Konsequenzen des Kirchenaustritts dargelegt: So dürfen unter anderem Sakramente nicht empfangen und keine kirchlichen Ämter und Funktionen bekleidet werden.

Seit 1990 gibt es jedes Jahr mehr als 100.000 Austritte aus der katholischen Kirche, im Jahr 2011 waren es insgesamt 126.488.

aar/dapd/dpa

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insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
janne2109 20.09.2012
1. ..............
warum zwingt man die Priester sich nun auch noch zum Dappel zu machen?? Zum Gespräch geht doch sowieso niemand hin.
hilmarhirnschrodt 20.09.2012
2. Das letzte Aufgebot...
Ein nun auch klarer amtlicher Beleg für die systematische Umverteilung von unten nach oben der letzten Jahrzehnte. Die Reicheren 10% bereichern sich regierungsunterstützt immer mehr in dem sie die unteren 50 % der Bevölkerung und den Staat wirtschaftlich ausplündern und systematisch kanibalisieren. Zur Verdeutlichung was der statistische Durchschnitt aussagt bzw. verschleiert: Wenn ein Leiharbeiter monatlich 700,- Euro und ein Vorstandsvorsitzender monatlich 700.000,- Euro verfügbares Einkommen hat, dann hat statistisch jeder im Schnitt 350.350,- Euro Monatseinkommen. Fazit: Nicht veräppeln lassen, denn der hier groß herausgestellte Durchschnitt verwischt die in den letzten 20 Jahren rasant gestiegene Einkommens- und Vermögensspreizung in Deutschland.
ChrisQa 20.09.2012
3. Verein
"...wird künftig von dem für ihn zuständigen Pfarrer per Brief zum Gespräch eingeladen. Die Beweggründe - und Konsequenzen - dieser Entscheidung sollen darin thematisiert werden." Das ist leider schon lange Praxis, ich hatte damals, als ich da ausgetreten bin, wegen so einem unverschämten Schreiben einen Wutanfall bekommen. Wenn jemand aus dem Laden austritt, dann geht das die Vatkan AG & Co. einen feuchten Kehrricht an, warum er das tut. Diese Vorgehensweise dient nur dazu, Leuten Schuldgefühle zu vermitteln, in der Hoffnung, dass man dann doch wieder an deren Steuergelder ran kommt. Es sollte rechtlich unterbunden werden, dass man nach Austritt aus einem dieser Relgions-Unternehmen von denen noch weiter belästigt wird.
Maiainboston 20.09.2012
4.
Lächerlich!!! Wenn die Herren meinen, daß dies jemanden vom Austritt abhält, dürften Sie sich aber gewaltig getäuscht haben. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht...
emden09 20.09.2012
5. Oh Gott
"Vater vergib Ihnen, Sie wissen nicht was sie tun." Mehr ist zu dieser "Kirche" wohl nicht mehr zusagen.
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