Bischofskonferenz Zollitsch attackiert Leutheusser-Schnarrenberger

Eine "schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche", wirft der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vor. Die Justizministerin hatte kritisiert, die Kirche arbeite bei Verdachtsfällen mit den Strafverfolgungsbehörden nicht konstruktiv zusammen.

Erzbischof Robert Zollitsch: "Schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche"
dpa

Erzbischof Robert Zollitsch: "Schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche"


Freiburg - Robert Zollitsch wehrt sich: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) wegen ihrer Äußerungen zu den bekanntgewordenen Missbrauchsfällen scharf angegriffen. Noch nie habe es in der Politik eine "ähnlich schwerwiegende Attacke auf die katholische Kirche gegeben", sagte der Erzbischof am Dienstag in Freiburg anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe mit Blick auf Äußerungen der Ministerin in den ARD-"Tagesthemen" am Montagabend.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte in dem Interview gesagt, die katholische Kirche erwecke bislang nicht den Eindruck, dass sie bei Verdachtsfällen mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten wollte. Zollitsch nannte die Äußerungen "undifferenziert und emotional". Er erwarte, dass Leutheusser- Schnarrenberger sie innerhalb von 24 Stunden zurücknehme.

Die Ministerin habe zudem suggeriert, dass die inzwischen rund 120 Missbrauchsfälle auch aus der jüngeren Vergangenheit stammten. Fakt sei, dass diese Fälle 25 bis 30 Jahre zurückliegen. "Ich wehre mich nachdrücklich gegen falsche Tatsachenbehauptungen und maßlose Polemik", sagte Zollitsch. Er habe bereits am Montag keinen Zweifel daran gelassen, dass alle Fälle lückenlos aufgeklärt werden müssen. "Die staatlichen Behörden werden schnellstmöglich eingeschaltet", sagte der Bischof. Die Staatsanwaltschaft erhalte alle Einblicke.

Er habe der FDP-Politikerin einen Brief geschrieben und wolle außerdem noch am Dienstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonieren, sagte Zollitsch weiter. Die Äußerungen der Ministerin seien nicht akzeptabel. "Irgendwo gibt es Grenzen", sagte er.

Die Bundesjustizministerin hatte bereits im Gespräch mit dem SPIEGEL die deutschen Bischöfe zum Handeln aufgefordert.

"Ich erwarte von der katholischen Kirche konkrete Festlegungen, welche Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden", sagte Leutheusser-Schnarrenberger dem SPIEGEL. Die FDP-Politikerin schlägt Ombudsleute und einen Runden Tisch aus Staats-, Kirchen- und Opfervertretern vor. Ein solches Gremium sei "ein guter Weg, um die zahlreichen Missbrauchsfälle aufzuklären und der katholischen Kirche Gelegenheit zu bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen ins Gespräch zu kommen".

Gleichzeitig übte Leutheusser-Schnarrenberger scharfe Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa, der die sogenannte sexuelle Revolution mitverantwortlich für den Missbrauch gemacht hatte. Es sei "wenig hilfreich, wenn sich einige Verantwortliche wie Bischof Mixa hinter polemischen Ausflüchten verstecken, statt zur Sachaufklärung beizutragen", sagte die Ministerin.

jjc/dpa

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Pandora's Box, 18.02.2010
1.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Sie tut m.E. eher alles Erforderliche, Nebelkerzen zu werfen, mit spitzem Finger auf andere zu zeigen, Schuld bzw. Verantwortung abzuwälzen und "Haltet den Dieb!" zu rufen. Verschleierungstaktik.
runzel 18.02.2010
2.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Nein, tut sie nicht und wird diese Institution auch nicht. Auch nicht morgen, übermorgen oder sonst irgendwann. Einzelne werden sicherlich eine Aufklärung wollen und initieren, wie jetzt geschehen, aber unser geheiligter Stellvertreter Gottes wird es nicht tun und er wird seinen Bischöfen und Kardinälen anordnen eine Aufklärung so gut es geht zu behindern oder zu untersagen. Das höchste der Gefühle wird ein albernes und erbärmliches Gefasel nachdem Motto "Ja, da war die ein oder andere Entscheidung nicht sooooooooooo gut und nicht ganz so nachvollziehbar." Amen. Und dann wird weiter von Werten und Moral gefaselt werden wie seit eh und je. Ohne den eigenen Ansprüchen jemals gerecht zu werden, es zu können geschweige denn dieses zu wollen.
ntholeboha 18.02.2010
3. Aber JA! - zum Selbstzweck
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Leider ist ja das andere, das Mixa-Thema, geschlossen. Damit wird sich wohl auch Cinderella01 als querschiessendes Schneewittchen bald hier einfinden und gegen alle Logik den Kampf pro rkK weiterfuehren. Ob dies jedoch der dieser Heilslehre und deren ( fast weltweitem!)Missbrauch dienlich sein wird?? Wuerde die rkK wirklich Aufklaerung betreiben, saehe dies anders aus. So bleibt es wohl doch bei 'erschuetterten' Mienen und der Notwendigkeit das eigene Haus nicht zu sehr beschmutzen zu lassen. Bleibt die Frage wann eigentlich die Staatsanwaltschaft massiv eingreift, um diesen Suendenpfuhl grundlegend zu reinigen!
Jinen 18.02.2010
4. 2do
Es gibt einfache Wege, diesem Uebel ein Ende zu bereiten: 1. Sofortiger Stop der Verflechtung von Staat und Kirche. Speziell, keinerlei Missbrauch des staatlichen Amtsapparats fuer das Eintreiben der Mitgliedsgelder fuer diese Vereine mehr. Kirchen sollen sich komplett selbst finanzieren. 2. Sofortiges Schliessen von Institutionen, bei denen Missbrauchsfaelle gegenueber Kindern und Jugendlichen glaubhaft bekannt werden bis zur entgueltigen Klaerung der Sachverhalte. Bei Einrichtungen, wo Missbrauch an der Tagesordnung stand/steht, permanente Schliessung wegen Allgemeingefaehrlichkeit. 3. Konsequente Bestrafung der Taeter ohne Wenn und Aber. 4. Konsequente Bestrafung ihrer Vorgesetzten, falls diese ihnen bekannte Faelle intern ignoriert oder vertuscht haben sollten wegen Mittaeterschaft, mindestens unterlassener Hilfeleistung. 5. Pfaendung von Loehnen und Kircheneigentum fuer Opferschadensersatz, die externe Experten via Gericht festlegen. 6. Nichtigkeitserklaerung fuer alle Schweigeerklaerungen, die Opfer abgegeben haben. Bekommenes Geld wird gegen oben genannten Schadensersatz gegengerechnet. 7. Aufhebung der Verjaehrung dieser Verbrechen. Siehe Punkt 3. Nur mal so zum Anfang....
detrius 18.02.2010
5. Verkehrte Frage
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Solange Bischöfe in der katholischen Kirche mit der Verschleierung von sexuellem Missbrauch Karriere machen und ggf. Papst werden, stellt eine Frage wie diese die Realität auf den Kopf.
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