Bischofskonferenz Zollitsch entschuldigt sich bei Missbrauchsopfern

Wochenlang hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, geschwiegen. Nun entschuldigte er sich bei den Missbrauchsopfern in einer persönlichen Erklärung.

Die Empörung über das Verhalten der katholischen Kirche im Missbrauchsskandal wächst
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Die Empörung über das Verhalten der katholischen Kirche im Missbrauchsskandal wächst


Hamburg - Es ist die erste offizielle Äußerung von Robert Zollitsch seit Bekanntwerden der immer neuen Missbrauchsvorwürfe in zahlreichen katholischen Einrichtungen: Er sei zutiefst erschüttert, es dürfe keinen Missbrauch geben, schon gar nicht im Raum der Kirche, hieß es in einer persönlichen Erklärung des Freiburger Erzbischofs am Montag.

Nach seiner Ansicht haben sich die Leitlinien der Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche aus dem Jahr 2002 bewährt. Sie sollen aber überprüft werden.

Zollitsch kündigte an, dass es zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung der Bischöfe geben werde. Außerdem werde er das Thema bei seinem für März geplanten Besuch in Rom mit dem Papst erörtern. "Im Raum der Kirche wiegt der Missbrauch besonders schwer, weil es ein besonderes Vertrauen von Kindern und Jugendlichen in den Priester gibt", sagte Zollitsch.

Er begrüßte insbesondere die Aufklärung bei den Jesuiten zu den Missbrauchsfällen. "Wir müssen den Mut aufbringen, Unrecht sofort beim Namen zu nennen, da wo es passiert", sagte er.

Das Bistum Hildesheim hat indes einen Geistlichen ermittelt, dem sexueller Missbrauch in den sechziger Jahren vorgeworfen wird. Drei Menschen gaben unabhängig voneinander Hinweise auf den bis Ende der siebziger Jahre in Celle als Dechant eingesetzten Mann, wie das Bistum Hildesheim am Montag mitteilte. Das Opfer des Geistlichen hatte sich bereits vor zwei Jahren gemeldet. Von ihm damals benannte Zeugen hatten die Vorwürfe abgestritten. Nach den neuen Hinweisen hält das Bistum die Hinweise nun für begründet. Hinweise auf weitere Opfer des 1991 gestorbenen Geistlichen gibt es bislang nicht.

Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Domkapitular Heinz-Günter Bongartz, brachte in einem Brief an das Opfer "Scham und Empörung" zum Ausdruck. "Es tut mir sehr leid, dass wir diese Klarheit durch die stattgefundenen Befragungen vor zwei Jahren nicht haben hervorbringen können." Zugleich sagte er dem Opfer seelsorgliche und therapeutische Hilfe zu.

Die Hinweise erhielt das Bistum, nachdem Bischof Norbert Trelle vor gut zwei Wochen in allen Gottesdiensten einen Brief verlesen ließ mit dem Aufruf an Missbrauchsopfer, sich zu melden. Auslöser war der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg mit inzwischen Dutzenden möglicher Opfer. Zwei der daran beteiligten Jesuitenpater waren auch in Niedersachsen beschäftigt. Nach ersten Hinweisen gab es Missbrauchsfälle in Göttingen, Hildesheim und Hannover.

Bundesjustizministerin erwartet "eine lückenlose Aufklärung"

Die öffentliche Empörung über das Verhalten der katholischen Kirche im Missbrauchsskandal wächst. Nach SPIEGEL-Informationen wurden an mindestens sechs weiteren katholischen Einrichtungen Schutzbefohlene missbraucht. Die Bundesjustizministerin forderte die deutschen Bischöfe zum Handeln auf.

"Ich erwarte von der katholischen Kirche konkrete Festlegungen, welche Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden", sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dem SPIEGEL. Die FDP-Politikerin schlägt Ombudsleute und einen Runden Tisch aus Staats-, Kirchen- und Opfervertretern vor. Ein solches Gremium sei "ein guter Weg, um die zahlreichen Missbrauchsfälle aufzuklären und der katholischen Kirche Gelegenheit zu bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen ins Gespräch zu kommen."

Gleichzeitig übte Leutheusser-Schnarrenberger scharfe Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa, der die "sogenannte sexuelle Revolution" mitverantwortlich für den Missbrauch gemacht hatte. Es sei "wenig hilfreich, wenn sich einige Verantwortliche wie Bischof Mixa hinter polemischen Ausflüchten verstecken, statt zur Sachaufklärung beizutragen", sagte die Ministerin.

jjc/dpa

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Pandora's Box, 18.02.2010
1.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Sie tut m.E. eher alles Erforderliche, Nebelkerzen zu werfen, mit spitzem Finger auf andere zu zeigen, Schuld bzw. Verantwortung abzuwälzen und "Haltet den Dieb!" zu rufen. Verschleierungstaktik.
runzel 18.02.2010
2.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Nein, tut sie nicht und wird diese Institution auch nicht. Auch nicht morgen, übermorgen oder sonst irgendwann. Einzelne werden sicherlich eine Aufklärung wollen und initieren, wie jetzt geschehen, aber unser geheiligter Stellvertreter Gottes wird es nicht tun und er wird seinen Bischöfen und Kardinälen anordnen eine Aufklärung so gut es geht zu behindern oder zu untersagen. Das höchste der Gefühle wird ein albernes und erbärmliches Gefasel nachdem Motto "Ja, da war die ein oder andere Entscheidung nicht sooooooooooo gut und nicht ganz so nachvollziehbar." Amen. Und dann wird weiter von Werten und Moral gefaselt werden wie seit eh und je. Ohne den eigenen Ansprüchen jemals gerecht zu werden, es zu können geschweige denn dieses zu wollen.
ntholeboha 18.02.2010
3. Aber JA! - zum Selbstzweck
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Leider ist ja das andere, das Mixa-Thema, geschlossen. Damit wird sich wohl auch Cinderella01 als querschiessendes Schneewittchen bald hier einfinden und gegen alle Logik den Kampf pro rkK weiterfuehren. Ob dies jedoch der dieser Heilslehre und deren ( fast weltweitem!)Missbrauch dienlich sein wird?? Wuerde die rkK wirklich Aufklaerung betreiben, saehe dies anders aus. So bleibt es wohl doch bei 'erschuetterten' Mienen und der Notwendigkeit das eigene Haus nicht zu sehr beschmutzen zu lassen. Bleibt die Frage wann eigentlich die Staatsanwaltschaft massiv eingreift, um diesen Suendenpfuhl grundlegend zu reinigen!
Jinen 18.02.2010
4. 2do
Es gibt einfache Wege, diesem Uebel ein Ende zu bereiten: 1. Sofortiger Stop der Verflechtung von Staat und Kirche. Speziell, keinerlei Missbrauch des staatlichen Amtsapparats fuer das Eintreiben der Mitgliedsgelder fuer diese Vereine mehr. Kirchen sollen sich komplett selbst finanzieren. 2. Sofortiges Schliessen von Institutionen, bei denen Missbrauchsfaelle gegenueber Kindern und Jugendlichen glaubhaft bekannt werden bis zur entgueltigen Klaerung der Sachverhalte. Bei Einrichtungen, wo Missbrauch an der Tagesordnung stand/steht, permanente Schliessung wegen Allgemeingefaehrlichkeit. 3. Konsequente Bestrafung der Taeter ohne Wenn und Aber. 4. Konsequente Bestrafung ihrer Vorgesetzten, falls diese ihnen bekannte Faelle intern ignoriert oder vertuscht haben sollten wegen Mittaeterschaft, mindestens unterlassener Hilfeleistung. 5. Pfaendung von Loehnen und Kircheneigentum fuer Opferschadensersatz, die externe Experten via Gericht festlegen. 6. Nichtigkeitserklaerung fuer alle Schweigeerklaerungen, die Opfer abgegeben haben. Bekommenes Geld wird gegen oben genannten Schadensersatz gegengerechnet. 7. Aufhebung der Verjaehrung dieser Verbrechen. Siehe Punkt 3. Nur mal so zum Anfang....
detrius 18.02.2010
5. Verkehrte Frage
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Solange Bischöfe in der katholischen Kirche mit der Verschleierung von sexuellem Missbrauch Karriere machen und ggf. Papst werden, stellt eine Frage wie diese die Realität auf den Kopf.
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