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Ergebnisse der Familiensynode: So viel Streit, so wenig Fortschritt

Ein Kommentar von , Rom

Bischofssynode im Vatikan: Papst Franziskus mit Bischöfen Zur Großansicht
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Bischofssynode im Vatikan: Papst Franziskus mit Bischöfen

Den großen Wurf haben die 270 alten Männer dann doch nicht gewagt: Die Bischofssynode in Rom erlaubt nur in besonderen Einzelfällen, dass doppelt getraute Katholiken wieder vollwertige Mitglieder ihrer Gemeinde werden. Eine Farce!

Ein Happy End, hurra! So viel Freude im Vatikan ist selten. 270 Würden- und Amtsträger der römisch-katholischen Kirche haben drei Wochen lang diskutiert, gestritten und sich teilweise auch gefetzt. Nur aus sicherer Deckung natürlich. Ansonsten sind sie angemessen freundlich miteinander umgegangen. Und jetzt haben sie mit einer Zweidrittelmehrheit ein Dokument mit 94 Paragrafen verabschiedet, das nahezu allen gefällt. Den Dogmatikern wie den Reformern.

Vor allem, weil nichts Schlimmes drin steht - aus beiderseitiger Sicht. Die Konservativen haben größere Veränderungen blockiert, die reine Lehre erfolgreich verteidigt. Die Erneuerer haben ein wenig an Boden gewonnen und können sagen, es gehe zwar langsam, aber immerhin weiter in die richtige Richtung. So harmonisch kann Kirche sein.

"Berufung und Mission der Familie in der Kirche und der Welt von heute", so lautete das Thema dieser katholischen Weltversammlung. Zugespitzt hatte es sich bald auf die in den westlichen Industrieländern offenbar besonders relevante und medial interessante Frage: Dürfen Menschen, deren Ehe geschieden wurde und die ein zweites Mal heiraten, ohne in der Zweitallianz auf sexuelle Aktivitäten zu verzichten, dürfen die an der Kommunion teilnehmen?

Auf keinen Fall, sagen die einen, denn "was Gott verbunden" habe, dürfe "der Mensch nicht scheiden". Doch die anderen halten dagegen, dass die Gesellschaften und die Menschen und damit auch die Liebe und die Ehe sich seit zweitausend Jahren ziemlich geändert hätten. Und wenn man dem nicht Rechnung trüge, wären die Kirchen bald gänzlich leer.

Wie ist das mit der neuen Ehe?

Doch in ihrer immerwährenden Weisheit hat "Mutter Kirche", beziehungsweise ihr oberstes Personal nun endlich die Lösung aus dem Dilemma gefunden: Die Regeln bleiben, wie sie sind - doch im Einzelfall könne man womöglich, eventuell davon ausnahmsweise abweichen. Dazu gelte es, ganz genau zu prüfen, wie war die Situation der Geschiedenen, wie ist das mit der neuen Ehe? Reine Lust oder glaubensgesättigte Last?

Nah dran an dieser Er-Lösung war die Kirche schon 1981 - der Papst hieß damals Johannes Paul II. und war ein konservativer Pole. Der verschickte ein "Apostolisches Schreiben" (Titel: "Familiaris Consortio") - in der profanen Welt würde man sagen, eine schriftliche Anordnung - die eine "weit verbreitete Fehlentwicklung" beklagte. Dass nämlich Geschiedene, wenn sie erneut heiraten, der katholischen Kirche leicht verloren gingen. Das müsse ja nicht sein, auch wenn die Zweitgetrauten von den Sakramenten ausgeschlossen blieben.

Das Problem, schrieb der Papst, müsse "unverzüglich" aufgegriffen werden. Und er schrieb auch, wie: "Die Hirten mögen die verschiedenen Situationen gut unterscheiden", denn es sei ja wohl "ein Unterschied, ob jemand völlig zu Unrecht verlassen wurde oder eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat".

Und heute, gerade einmal 34 Jahre später, einigt sich die Kirche auf just diesen Weg. Ja, es soll sogar noch etwas weitergehen, als Johannes Paul II. es sich damals wünschte. Die Ausnahmefälle der Erlaubt-Geschiedenen - also der Guten - sollen vielleicht irgendwann, nach Buße oder Zeitablauf, sogar wieder zu den Sakramenten zugelassen werden. Die Bösen natürlich nicht.

Viele Bischöfe fanden das Thema Homosexualität zu heikel

Eine andere Gruppe von Katholiken muss noch ein Weilchen länger warten, bis die Kirche sie akzeptiert: Homosexuelle und vor allem homosexuelle Paare hatten gehofft, von dieser Synode ein bisschen mehr Akzeptanz zu bekommen. Aber das Thema wurde eigentlich nur am Rande besprochen. Viele Bischöfen aus Afrika, Lateinamerika und Asien fanden es viel zu "heikel". Dafür verständigten sich die Bischöfe darauf, Familien, die Problemangehörige mit homosexuellen Neigungen in ihrer Mitte hätten, Hilfe anzubieten. Was immer damit gemeint sein möge.

Dass man nicht die "endgültige Lösung für alle Schwierigkeiten" gefunden habe, hat Franziskus schon in seinem Schlusswort gesagt. Aber man habe Zeichen einer "lebendigen Kirche" gesetzt.

Tatsächlich zählt ja sowieso nur, was er aus den Diskussionen und den Texten der Synode aufgreift. Was die Synode nach drei Wochen langen Diskussionen und 1350 Änderungsanträgen zum Schlusstext heute in Rom beschlossen hat, ist eigentlich eher zweitrangig. Der Papst entscheidet, ganz allein, was sich ändert und was nicht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 184 Beiträge
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1. Sehr gut...
MarkusRiedhaus 24.10.2015
keine Liberalisierung liefert auch keinen Grund zu einem abweichenden Urteil über eine Institution, die ihre Existenz auf eine Mythensammlung bezieht.
2. Wieso jetzt?
EMU 24.10.2015
"was Gott verbunden" habe, dürfe "der Mensch nicht scheiden" Äh, tut das jemand? Also, ich meine, wenn der Pfarrer sagt "ihr seid verheiratet" ist das Statement wohl anscheinend vom Gott. Und wenn derselbe Pfarrer sagt "ihr seid geschieden" ist das nicht genauso vom Gott? Weil, von einem allmächtigen Gott erwarte ich irgendwie schon, dass er auch scheiden kann, was er vorher verbunden hat.
3. Völlig überflüssig
spon_3064063 24.10.2015
Wenn man sich das mal ganz genau überlegt, kann man nur zu einem Schluss kommen: 270 völlig überflüssige Gestalten diskutieren über ein völlig überflüssiges Thema! Kein Hahn kräht danach!
4. Eine Farce ...
ozoli 24.10.2015
... ist, dass diese religioese Organisation meint, sie koenne Menschen in eine Gemeinschaft ein- und ausschliessen. So etwas wird als Selektierung bezeichnet.
5.
sophia82 24.10.2015
Die Kirche wird also ein ganz klitzekleines Tickchen freundlicher gegenüber Geschiedenen, also ein aggiornamento in altengerechter Dosierung, könnte man sagen.
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