Text über Homophone Gebloggt, gefeuert, berühmt geworden

Ein Mann schreibt einen Blogeintrag über das Thema "Homophone" - was keineswegs mit schwulem Sex zu tun hat. Kurz darauf wird er gefeuert. Nun ist er berühmt, sein Ex-Chef düpiert.

Facebook-Seite von Tim Torkildson: "Homophone" als Kündigungsgrund?

Facebook-Seite von Tim Torkildson: "Homophone" als Kündigungsgrund?


Homophone sind Wörter, die gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben werden und auch unterschiedliche Bedeutungen haben. Im Englischen sind sie häufig: zum Beispiel threw (warf) und through (durch), bee (Biene) und be (sein), oder see (sehen) und sea (Meer).

Das Wort beginnt mit der Vorsilbe homo, die im Griechischen für "gleich" steht, und natürlich auch in "homosexuell" oder "homophob" vorkommt. Für Schüler und Studenten, die Englisch lernen, ist ein Verständnis für das Wesen der Homophone zweifellos wichtig.

Von diesem Gedanken ausgehend schrieb Timothy Torkildson vor gut einer Woche einen Blogeintrag für seinen Arbeitgeber, eine Sprachschule namens Nomen Global Language Center in Provo, Utah. Nachdem der Blogeintrag erschienen war, so stellt es jedenfalls Torkildson dar, wurde er von seinem Chef einbestellt - und gefeuert. Der Artikel sei "der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt", habe ihm sein Vorgesetzter Clarke Woodger beschieden, so Torkildson, "jetzt wird man unsere Schule mit Homosexualität in Verbindung bringen."

"Schüler könnten denken, dass es mit schwulem Sex zu tun hat"

Woodger habe freimütig bekannt, er habe das Wort nachschlagen müssen, behauptet Torkildson in einem weiteren Blogeintrag, in dem er seine Sicht der Dinge öffentlich machte. Dann begann ein Prozess, den der Entlassene wohl kaum vorhergesehen hatte.

Gegenüber der örtlichen Tageszeitung, der "Salt Lake Tribune", erklärte Schulleiter Woodger, er habe Torkildson nicht wegen Assoziationen mit dem Thema Homosexualität gekündigt, sondern, weil er in seinen Blogeinträgen immer wieder "vom Thema abgekommen sei", was die Sprachschüler hätte verwirren können. Torkildson war erst drei Monate zuvor eingestellt worden, um sich um die Social-Media-Aktivitäten der Schule zu kümmern.

Schulleiter Woodger sagte der Zeitung aber auch: "Leute, die Englisch auf diesem Niveau beherrschen, könnten den 'homo'-Anteil des Wortes sehen und denken, dass das etwas mit schwulem Sex zu tun hat." Einem Sender der "Fox"-Gruppe sagte Woodger kurz darauf nur noch, Torkildson sei "aus gutem Grund" gefeuert worden. Seine Schule verfolge "keine Anti-Schwulen-Agenda". Die Lesart der Entlassung bestimmt jedenfalls der Entlassene - offenbar war er als Social-Media-Experte eigentlich eine gute Besetzung.

Zeitungsberichte in Indien und Ghana

Für Torkildson selbst ging die Geschichte mit seiner Freistellung erst so richtig los. Nachdem die "Salt Lake Tribune" das Thema aufgegriffen hatte, machte es in rasendem Tempo die Runde. US-Blogs griffen die Geschichte auf, schließlich auch die "Huffington Post". Vermutlich, weil sie eine so einfache und gleichzeitig komische Verbindung zwischen Homophobie und Dummheit herstellt, wurde die Geschichte immer wieder weitererzählt. In der "Washington Post" schrieb ein Juraprofessor einen humoristischen, vor Homophonen strotzenden Blogeintrag zum Thema. Die britische Seite "Pink News" - Eigenwerbung: "Das größte schwule Nachrichtenangebot Europas" - brachte Torkildsons Darstellung über den Atlantik. Unterdessen gab der Entlassene in seiner Heimat das erste TV-Interview.

Auf seiner Facebook-Seite sammelt Torkildson mittlerweile die Medienberichte über die Homophon-Affäre, und zwar augenscheinlich nicht ohne Stolz. Sogar einer aus Indien und einer aus Ghana sind schon dabei.

In seinem privaten Blog kommentiert er die seltsame Wendung, die sein Leben genommen hat: "Vor zwei Tagen war ich ein arbeitsloser Penner. Heute bin ich eine arbeitslose Berühmtheit." Er habe aber schon ein Jobangebot bekommen: Die Stelle eines Kundenbetreuers bei einem Fach-Webshop für Kraftsportler.

Am Samstag veröffentlichte Torkildson dann einen weiteren Blogpost, in dem er eine Reihe von anderen Fällen beschreibt, in denen er ebenfalls seinen Job verlor. Einer ist kurioser als der andere. Er sei einmal gefeuert worden, weil er eine Fliege statt einer Krawatte getragen habe, behauptet er da zum Beispiel.

Tim Torkildson, so viel steht fest, ist eine schillernde Figur - und jetzt auch ein bisschen berühmt. Und: Dank all der Berichterstattung wissen heute zweifellos viel mehr Menschen in aller Welt, was Homophone sind, als vor dem schicksalhaften Blogeintrag.

cis

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insgesamt 22 Beiträge
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andreu66 02.08.2014
1. Homophone Schwierigleiten lustig beleuchtet
I take it you already know Of tough and bough and cough and dough? Others may stumble, but not you, On hiccough, thorough, lough and through? Well done! And now you wish, perhaps, To learn of less familiar traps? Beware of heard, a dreadful word That looks like beard and sounds like bird, And dead: it's said like bed, not bead - For goodness sake don't call it deed! Watch out for meat and great and threat (They rhyme with suite and straight and debt). A moth is not a moth in mother, Nor both in bother, broth in brother, And here is not a match for there Nor dear and fear for bear and pear, And then there's dose and rose and lose - Just look them up - and goose and choose, And cork and work and card and ward, And font and front and word and sword, And do and go and thwart and cart - Come, come, I've hardly made a start! A dreadful language? Man alive! I'd mastered it when I was five! Quelle ist mir nicht bekannt, es stammt aber wohl von einem britischen Zeitungsleser aus den 1960er Jahren.
Masterchalk 02.08.2014
2. Heureka !
Da hat wohl jemand zu viel homogenisierte Milch gesoffen ! Is ja auch echt eklig...
Luscinia007 02.08.2014
3.
Zitat von sysopEin Mann schreibt einen Blogeintrag über das Thema "Homophone" - was keineswegs mit schwulem Sex zu tun hat. Kurz darauf wird er gefeuert. Nun ist er berühmt, sein Ex-Chef düpiert. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/blog-ueber-homophone-wie-timtorkildson-seinen-job-verlor-a-984180.html
Wenn ich daran denke, dass es im Arianischen Streit (http://de.wikipedia.org/wiki/Arianischer_Streit), der 381 im Konzil von Konstantinopel entschieden wurde, darum ging, ob Jesus nun homoiousios oder homoousios war. Immerhin war vor zweitausend Jahren das Denk- und Sprachvermögen der christlichen Öffentlichkeit noch so weit fortgeschritten, dass man sich jahrzehntelang um ein Iota, um ein kleines i streiten konnte. Das scheint im erzkonservativen, von pseudochristlichen Sekten geprägten Utah nicht mehr der Fall zu sein.
Connor Larkin 02.08.2014
4.
Erschreckend, wenn der Leiter einer Sprachschule das Wort "Homophone" nicht kennt (aber dies behauptet ja auch nur der Gefeuerte) Interessant scheint mir dass Torkildson ja anscheinend dauernd gefeuert wird. Jedenfalls schreibt er ja selber über weitere Fälle von Entlassungen. Das spricht doch sehr dafür, dass der Grund für die Entlassung wohl in seiner Person liegt.
carlo02 02.08.2014
5. Ich
denk mir eher, die haben einen Grund für eine Entlassung gesucht und auch gefunden. Liegt wohl eher an der Persönlichkeit des Herrn, dass er entlassen wurde.
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