Bombensprengung in München Haus ausgebrannt, Modegeschäft komplett zerstört

Bei der Sprengung der 250-Kilo-Bombe in München ist ein Haus fast komplett ausgebrannt - ein Modeladen wurde zerstört, auch andere Geschäfte und Gebäude in Schwabing wurden beschädigt. Jetzt fragen sich Mieter und Eigentümer: Wer zahlt für die Schäden?

Komplett ausgebrannter Laden in Schwabing: Zahlt die Versicherung - und wenn ja, welche?
DPA

Komplett ausgebrannter Laden in Schwabing: Zahlt die Versicherung - und wenn ja, welche?


München - Verletzt wurde niemand, zerstört wurde so einiges: Die Sprengung einer 250-Kilo-Fliegerbombe mitten in München hat beträchtliche Schäden angerichtet. Durch die Druckwelle wurden am Dienstagabend an Häusern unmittelbar am Explosionsort im Stadtteil Schwabing Fenster und Fassadenteile herausgerissen, mindestens 17 Gebäude wurden beschädigt. Der direkt betroffene Häuserblock an der Explosionsstelle sei "sehr stark beschädigt" worden, sagte der Münchner Branddirektor Jörg Fiebach.

In einem Haus brannte nach Behördenangaben ein Modegeschäft aus. "Ich fühle mich wie nach einem Unfall. In mir zittert alles", sagt der 39 Jahre alte Inhaber Ronny Kleiner, während er die verkohlten Reste seiner Ladeneinrichtung betrachtet. Die Polizei hatte ihn am Mittwochmorgen in die gesperrte Zone gelassen, damit er sich ein Bild machen kann: Von seinem Laden ist nichts mehr übrig. Alles komplett ausgebrannt. "Meine Existenz steht auf dem Spiel. Ich muss heute gleich mit der Versicherung telefonieren. Keine Ahnung, ob es hier überhaupt weitergeht."

Auch die Scheiben eines Friseurgeschäfts wurden zertrümmert. Ob und wann das Geschäft wieder aufmachen kann, ist unklar. Ihre zehn Angestellten haben die Inhaber in Zwangsurlaub geschickt. "Die Gehälter laufen weiter, der Umsatz bleibt aus", sagt einer der beiden resigniert.

Die genaue Schadenshöhe war laut Feuerwehr zunächst nicht zu beziffern. Jetzt können Mieter und Hausbesitzer ihre Schäden bei ihrer Versicherung geltend machen. Die Versicherungskammer Bayern, die rund 70 Prozent der Wohngebäude im Freistaat versichert hat, begann am Mittwoch mit der Aufnahme der Schäden.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist entscheidend, ob der Versicherungsvertrag eine Kriegsausschlussklausel enthalte. Nach den unverbindlichen Musterbedingungen kommen Gebäude- oder Hausratversicherungen nämlich nicht für die Bombenschäden in München auf. "Für die Sachschäden in München greift die Kriegsausschlussklausel unserer Musterbedingungen", sagte am Mittwoch in Berlin eine GDV-Sprecherin. Nach der Klausel seien auf Kriegsereignisse zurückgehende Schäden nicht versichert.

Welche Versicherung zahlt - und wofür?

Es gebe allerdings auch Versicherungsverträge, die keine Kriegsausschlussklausel enthielten. Auch gebe es ähnlich gelagerte Fälle, bei denen Versicherer doch die Schäden übernommen hätten, die Musterbedingungen seien nicht verbindlich, sagte die GDV-Sprecherin. So teilte die Allianz-Versicherung mit, dass sie bei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich zahlt, selbst wo Kriegswaffenschäden im Vertrag eigentlich ausgenommen seien.

Die Stadt München sicherte eine schnelle Prüfung zu, wer für die Schäden aufkommt. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nannte dies eine "schwierige Rechtsfrage, die wahrscheinlich noch gutachterlich zu klären sein wird". Zugleich betonte er: "Selbstverständlich bekommen die Betroffenen Schadensersatz." Rund hundert Anwohner durften am Mittwoch noch nicht in ihre Wohnungen zurück. Ude sicherte auch hier unbürokratische Hilfen zu. Nach einer Begehung des Viertels sagte er, es sehe aus "wie nach einer Straßenschlacht".

Die US-Weltkriegsbombe war am Montagvormittag bei Bauarbeiten gefunden worden. Die Bombe verfügte laut Polizei über einen chemisch-mechanischen Langzeitzünder. Die Sicherheitsbehörden entschlossen sich zu einer kontrollierten Sprengung, nachdem ein Sprengstoffspezialist die Fliegerbombe nicht entschärfen konnte. Ein Abtransport wäre zu gefährlich gewesen, hieß es bei den Behörden.

Bei der Sprengung am Dienstag kurz vor 22 Uhr entwickelte sich ein weithin sichtbarer Feuerball über Schwabing. Die rund 200 eingesetzten Feuerwehrleute mussten mehrere Brände löschen. Entstanden waren die Flammen vor allem durch brennendes Stroh, mit dem die Bombe zu Dämmzwecken bedeckt gewesen war. Die Löschkräfte hätten die Brände aber "nach kurzer Zeit im Griff gehabt", sagte Branddirektor Fiebach. Dass die Druckwelle bei der Detonation der Bombe so enorm war, habe selbst die Sprengmeister überrascht, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr am Mittwoch. Wäre der Sprengkörper schon bei den Bauarbeiten hochgegangen, dann hätte es wohl einen gewaltigen Katastrophenfall gegeben.

Die Behörden hatten im dicht besiedelten Schwabing eine Evakuierungszone eingerichtet, in der 2500 Menschen leben. Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte, "messerscharfe Bombensplitter" seien noch in einer Entfernung von 300 Metern gefunden worden. Die Räumung der Umgebung in einem Sicherheitsradius von einem Kilometer habe sich als richtig erwiesen. Der größte Teil der Betroffenen konnte am Mittwoch wieder in die Häuser zurückkehren. Der Häuserblock direkt an der Explosionsstelle blieb aber zunächst gesperrt.

lgr/dpa/dapd/AFP

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cheiron 29.08.2012
1. Strohfeuer
In Hannover hatten wir in den letzten Monaten mehrere Sprengungen von Fliegerbomben aus dem 2. WK, teilweise bis zu 500kg schwer, die nicht entschärft oder abtransportiert werden konnten. Da wurden zur Minderung des Expliosionsdrucks Wassersäcke und/oder Erde eingesetzt. Da wundert es mich doch etwas, dass man in München dazu Strohballen eingesetzt hat. Stroh ist doch hoch feuergefährlich - in Bayern etwa nicht? Im Krieg hatte man außerdem bei Luftangriffen geraten, die Fenster zu öffnen, um Schäden durch Druckwellen vorzubeugen. Weiß das heute niemand mehr? Hoffentliciu bleiben die Geschädigten nun nicht mit den "Kriegsfolgen" allein gelassen.
matthias_b. 29.08.2012
2. Kopfschüttelnd
Man muss sich schon fragen, wie solche Zerstörungen möglich sein können, wenn so viel Zeit zur Vorbereitung bleibt. Klar, die Druckwelle kann nicht völlig weggedämmt werden, aber dass danach das halbe Viertel Feuer fängt und ein Geschäft gar völlig ausbrennt?
dkoedo 29.08.2012
3. Bombensprengung in München
Vorweg: ich bin kein Sprengstoffachmann. Mir stellt sich jedoch die Frage, wie das so ausgehen konnte? Wenn man sieht und liest, wie die Sache ausgegangen ist, können einem Laien durchaus Zweifel kommen, dass hier hinreichend sachgerecht gehandelt wurde. Was daran liegen könnte, dass solche kontrollierten Sprengungen wohl eher die Ausnahme denn die Regel sind. Insofern mache ich dem Feuerwerker keine Vorhaltungen. Aber eine Frage darf sich m.E: gar nicht stellen, die im Artikel aber gestellt wird: zahlt die Versicherung, wenn ja, welche? Die Betroffenen müssen m.E. hinreichend entschädigt werden. Und zwar sowohl die Immobilieneigentümer als auch die betroffenen Gewerbetreibenden und Bewohner. Ohne wenn und aber. Liebe Bundesrepublik Deutschland, liebe bayerische Landesregierung, libe Stadt München: denen ist egal, wer zahlt, Hauptsache sie zahlen nicht drauf. Für ein Ereignis, zu dem sie nun mal gar nix können. Alles andere wäre blanker Hohn.
eu_lisguster 29.08.2012
4. optional
Wer Zahlt? Naja die Betroffenen können ja mal in England oder in den USA anfragen... Würde mich echt interresieren ob die eine Entschädigung zahlen würden? Die Deutschen Reperationszahlungen sind ja in voller höhe geleistete worden? Warum also nicht den besitzer der Bombe anzeigen?
gerald246 29.08.2012
5. Strohballen
alsi die Verwendung von Strohballen hat mich aucht etwas irritiert. Im BR5 hat der Sprengmeister gerade gesagt dass diese trockenen Ballen (feuchte wuerden die Sprengung zu stark daemmen und koennten davonfliegen ??) den Explosionsdruck mindern und die Splitter auffangen wuerden / kann ich mir ehrlich gesagt ueberhaupt nicht vorstellen. Sprengdruck kann nur mit Masse aufgefangen werden, und wassergefuellte Matratzen sind dafuer gut geeignet wie der erste Kommentator schon sagte. Wasser nimmt den Druck auf und zestaeubt, loescht Funken und bindet den Staub. Und Fenster sollten offen sein usw. Das wird wohl noch ein juristische Nachspiel haben...
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