Insolvenzverfahren Gläubiger fordern angeblich 61 Millionen Euro von Boris Becker

Boris Becker ist laut Medienberichten höher verschuldet als bisher bekannt. Auch sein historischer Wimbledon-Pokal soll demnach versteigert werden. Der Anwalt des früheren Tennisprofis dementiert.

Boris Becker
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Boris Beckers Schulden sind anscheinend noch höher als bislang bekannt. Wie "Stern" und "Bunte" unter Berufung auf Dokumente des britischen Insolvenzverwalters berichten, haben Gläubiger des ehemaligen Tennisspielers Forderungen in Höhe von 54,4 Millionen Pfund angemeldet - umgerechnet etwa 61 Millionen Euro.

Die Medien berufen sich auf den ersten Bericht des Londoner Finanzdienstleisters Smith & Williamson. Dieser halte es zudem für wahrscheinlich, dass "zusätzliche Gläubigeransprüche festgestellt werden", zitiert die "Bunte" aus dem Bericht.

Beckers Anwalt widersprach der Darstellung. "Die angebliche Höhe der Schulden unseres Mandanten beruht allein auf den gerichtlich nicht überprüften Angaben der Gläubiger", teile Christian-Oliver Moser mit. Diese bestreite sein Mandant vehement. Die Angaben werden "einer gerichtlichen Überprüfung größtenteils nicht standhalten", so Moser. Becker werde auch presserechtlich gegen alle Berichterstattungen vorgehen, die den Eindruck erweckten, die Angaben seien feststehend oder gerichtlich überprüft beziehungsweise festgestellt.

Die mit Abstand höchste Forderung kommt laut "Stern" von dem einstigen Metro-Manager und Investor Hans-Dieter Cleven, der umgerechnet 38,4 Millionen Euro anmeldete. Cleven unterhielt seit 1999 mit Becker mehrere Firmen und lieh dem deutschen Tennisstar immer wieder Geld. Cleven streitet gleichzeitig auch vor Schweizer Gerichten um die Rückzahlung der Summen.

Weit mehr als bislang bekannt fordert demnach die britische Privatbank Arbuthnot Latham & Co, die den Fall im Juni dieses Jahres vor das Insolvenzgericht in London gebracht hatte: Die Bank will rund 10,5 Millionen Euro von Becker. Aber auch Wirtschaftsprüfer, eine Anwaltskanzlei, eine Londoner Kommunalbehörde und zwei Unternehmer aus Deutschland, denen Becker offenbar noch Geld schuldete, hätten Ansprüche angemeldet, so der "Stern". Ob alle Forderungen in der genannten Höhe durch die Insolvenzverwaltung anerkannt werden, sei noch offen.

Auf Beckers Habenseite seien bis dato Vermögenswerte in Höhe von rund 540.000 Euro ausgemacht worden, heißt es im "Stern", darunter der Restwert eines kreditfinanzierten oder geleasten Porsche Macan, eine Versicherungspolice, Möbel im Wert von rund 200.000 Euro sowie diverse Uhren, die zusammen 41.000 Euro bringen sollen. Ein Privatkonto wies rund 5500 Pfund auf, ein gemeinsam gehaltenes Konto weitere 35.000 Pfund.

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Auch in Bezug auf die Vermögenswerte lässt der Bericht der Insolvenzverwalter noch Fragen offen: So ist laut "Stern" etwa Beckers Finca auf Mallorca noch nicht bewertet worden. Auf Anfrage äußerte sich Beckers Anwalt nicht zu den genannten einzelnen Vermögenswerten.

Laut "Bunte" werden auch Beckers Tennis-Trophäen unter den Gegenständen aufgelistet, die versteigert werden sollen. Darunter auch der Pokal für seinen historischen Triumph 1985 in Wimbledon. Becker hatte damals als jüngster Spieler der Geschichte das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt gewonnen. Beckers Anwalt teilte mit, es drohe keine Versteigerung von Pokalen oder anderen Memorabilien.

asa



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