Buschleute in Botswana Der Fluch der Zivilisation

Buschleute zählen zu den ältesten Völkern im südlichen Afrika. In Botswana kämpfen sie gegen den Druck der Regierung für ihre jahrtausendealten Traditionen - und gegen die Schattenseiten eines modernen Lebens.

DPA

Molapo - Die Sonne brennt auf ein Dorf im Zentralen Kalahari Wildreservat in Botswana. Frauen sitzen mit Babys auf dem Arm im Schatten der traditionellen Grashütten. Ein Mann zerstampft Mais unter einem der wenigen Bäume, die aus dem weißen Sand ragen.

"Das ist das Land unserer Vorfahren", sagt Kesebonye Roy. Er lebt mit rund 50 weiteren Buschleuten im Dorf Molapo. "Wenn jemand krank wird, gehen wir zur Grabstätte seiner Vorfahren und bitten sie um Hilfe", sagt der 29-Jährige. Buschleute zählen zu den ältesten Völkern im südlichen Afrika. Sie werden auch San oder Basarwa genannt. In Botswana, Namibia, Südafrika und Angola leben noch etwa 100.000 von ihnen.

Doch meist können sie nicht so leben, wie es der jahrtausendealten Tradition ihrer Vorfahren entspräche. Die Buschleute in Botswana werden mit vielen Problemen konfrontiert. Molapo mussten sie wieder neu aufbauen, weil sie - meist gegen ihren Willen - von den Behörden in drei Lager am Rande des Wildreservats umgesiedelt worden waren.

"Die Regierung sagte uns, dass wir nicht in der Umgebung von wilden Tieren und Diamantenminen leben könnten", sagt Roy Sesana. Aktivisten vermuten, die Regierung wolle so verhindern, dass die Buschleute Diamantenfunde auf dem Land ihrer Vorfahren für sich beanspruchen. Die Behörden bestreiten die Vorwürfe. Die Umsiedlung diene dazu, die Buschleute in die moderne Gesellschaft einzugliedern.

"Die meisten haben ihr Geld für Alkohol verschwendet"

Mehr als 3000 von ihnen mussten ihre Heimatdörfer verlassen. Sie kamen in Siedlungen wie New Xade. "Meine Frau wurde nach New Xade gebracht, während ich weg war", sagt Sesana. "Als ich sie in unser Dorf zurückholen wollte, wurde ich von der Polizei verprügelt und die Behörden nahmen uns unsere Ziegen weg." New Xade hat etwa 1500 Einwohner, eine Schule, ein Ärztezentrum und mehrere Geschäfte.

Trotz der Annehmlichkeiten der Zivilisation sehnen sich viele Buschleute nach ihrer traditionellen Lebensweise. Im Jahr 2006 sprach ihnen der Oberste Gerichtshof des Landes das Recht zu, auf dem Boden ihrer Vorfahren zu bleiben. Die Regierung legte das Urteil in ihrem Interesse aus und erlaubte nur jenen die Rückkehr, die eine entsprechende Petition unterzeichnet hatten: Weniger als 200 Buschleute durften in ihre Dörfer in den entlegenen Gebieten des 53.000 Quadratkilometer großen Reservats zurückkehren.

Sesana ist einer von ihnen. Er wohnt wieder in Molapo, verbringt aber auch viel Zeit in New Xade. Auch dort lebten die Buschleute in traditionellen Grashütten statt in modernen Häusern, sagt er. Viele kämen mit dem neuen Leben nicht zurecht und fingen an zu trinken. "Die meisten haben ihr Geld für Alkohol verschwendet." In New Xade gibt es kaum Arbeit, die meisten Bewohner leben von Sozialhilfe.

"Buschleute sind mit ihrem Land spirituell verbunden. Es zu verlieren, würde ihre Identität zerstören", sagt Fiona Watson von einer Bewegung für indigene Völker ("Survival International"). Sie wollten dort leben, wo ihre Ahnen begraben liegen. "Wenn wir nicht in die Heimat unserer Vorfahren zurückkehren dürfen, wird es bald in Botswana keine Buschleute mehr geben", sagt der Aktivist Jumanda Gaklebone.

Sinikka Tarvainen, dpa

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