Feuer in Kalifornien "Alle Häuser sind nur noch Asche. Es ist furchtbar"

Dutzende Menschen sind gestorben, Tausende Häuser zerstört: In Kalifornien toben die gefährlichsten Brände in der Geschichte des US-Bundesstaats. Augenzeugen berichten.


Sie haben bei den Waldbränden in Kalifornien alles verloren - außer ihrer Zuversicht. "Jetzt müssen wir uns erst einmal freuen, dass wir noch leben. Wir dürfen nicht daran denken, was wir alles verloren haben", sagt Diane Mullin. Trotzdem kommen ihr laut der Nachrichtenagentur AFP die Tränen, wenn sie an ihr Haus in Paradise denkt - jenen Ort, der bei den verheerendsten Waldbränden in der Geschichte des US-Bundesstaats zerstört wurde.

Viele Bewohner von Paradise sind bei Freunden oder Verwandten in der Gegend untergekommen, andere in Hotels. Im Umkreis von Dutzenden Kilometern ist kein freies Zimmer mehr zu finden. Wer weniger Glück - oder weniger Geld - hat, schläft in einer der Notunterkünfte, die in Kirchen und Schulen der Nachbarorte eingerichtet wurden.

"Ganze Stadtviertel sind vernichtet"

Betroffene an der Notunterkunft in Chico
REUTERS

Betroffene an der Notunterkunft in Chico

Unter ihnen ist Elizabeth Gorman, die mit fast 200 weiteren Menschen in der Neighborhood Church im 15 Kilometer entfernten Ort Chico kampiert. "Ganze Stadtviertel sind vernichtet, Straße für Straße, Häuserblock um Häuserblock", berichtet sie. "Das Haus meiner Tochter, ihrer Schwiegermutter - alle Häuser in ihrer Straße sind zerstört und nur noch Asche. Es ist furchtbar."

Was aus ihrem eigenen Haus geworden ist, weiß Gorman wie viele andere Bewohner von Paradise nicht. Die Behörden haben die Evakuierung angeordnet und eine Rückkehr bis auf Weiteres untersagt.

An Campingtischen vor der Neighborhood Church sitzen rund ein Dutzend Betroffene beim Frühstück und schauen mit leerem Blick auf einen Fernseher. Auch Diane Mullin ist dabei. "Wir werden wieder von vorn anfangen, Schritt für Schritt. Wir werden unser Haus wieder aufbauen. Wir werden die Stadt wieder aufbauen, denn es ist eine schöne Stadt", sagt sie. "Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben."

Nicht weit von der Kirche schläft der 64-jährige Glenn Simmons in seinem Auto. Einen Platz in der Notunterkunft hat der Rentner nicht mehr bekommen, alles war schon voll. Was aus ihm werden soll, weiß er nicht. "Ich sitze hier und warte darauf, was kommt", sagt er resigniert.

"Alles ist verbrannt. Ich habe die Kleidung, die ich trage; einen Rucksack, und das war's dann auch schon", sagt Simmons. "Es tut wirklich weh - ich bin Künstler, und mehr als 50 Jahre künstlerischer Arbeit sind einfach in Rauch aufgegangen. All die Erinnerungen, unersetzliche Dinge."

"Ich werde wohl Hilfe von den Behörden beantragen. Die Notunterkunft ist voll, also sitze ich in meinem Auto - besser als nichts", sagt Simmons. Vielleicht werde er nach Südkalifornien ziehen, oder dem Bundesstaat ganz den Rücken kehren.

SPIEGEL ONLINE

Das "Camp"-Feuer rund um den Ort Paradise nördlich von Sacramento forderte bislang 42 Tote, wie der zuständige Sheriff des Butte County mitteilte. Nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen sind bei einem Feuer in Kalifornien mehr Menschen ums Leben gekommen.

Entwarnung ist nicht in Sicht. Die leicht entflammbare Vegetation, fehlender Niederschlag und eine geringe Luftfeuchtigkeit seien die "perfekten Zutaten für ein explosives dynamisches Brandwachstum", sagte Chris Anthony von der kalifornischen Brandschutzbehörde der "Los Angeles Times". Die Kalifornier sollten sich auf eine "lange und potenziell tödliche" Feuersaison einstellen. Es werde schlimmer, als es sich die Bevölkerung jemals habe vorstellen können.

sen/AFP/dpa



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