Rassismus im Krankenhaus "Ich habe den Eltern eine klare Ansage gemacht"

In einem Krankenhaus in Brandenburg sollen Eltern für ihr Kind ein Zimmer ohne Ausländer gefordert haben. Im Interview erzählt Chefarzt Hans Kössel, wie er in dem Fall reagierte.

Bett im Krankenhaus (Archiv)
DPA

Bett im Krankenhaus (Archiv)

Ein Interview von Felix Keßler


Zur Person
  • Dr. Hans Kössel
    Dr. Hans Kössel, 56 Jahre alt, ist seit 2000 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Brandenburg an der Havel. Zuvor hat er in Freiburg, München und Berlin gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Verlegung eines Kindes von der Intensiv- auf die Normalstation Ihrer Klinik sollen sich die Eltern rassistisch geäußert haben. Was genau ist vorgefallen?

Hans Kössel: Die Eltern haben gesagt, dass sie es nicht akzeptieren würden, wenn ihr Kind mit einem ausländischen Kind im gleichen Zimmer liegen würde. Sie haben angedroht, die Klinik zu verlassen, wenn das geschehen sollte. Die Äußerungen waren eindeutig rassistisch.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie reagiert?

Kössel: Ich habe den Eltern eine klare Ansage gemacht und ihnen erklärt, dass die Belegung der Zimmer bei uns nach medizinischen Kriterien erfolgt. Wir legen also bevorzugt Kinder mit ähnlichen Krankheitsbildern in gemeinsame Zimmer. Danach kann man schauen, ob auch die Eltern, von denen ein Teil beim Kind übernachten darf, zueinander passen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es zwischen den Eltern Probleme gibt?

Kössel: Dann versuchen wir das gemeinsam zu lösen. Meist klappt das auch. Wenn die Eltern gar nicht miteinander klarkommen, kann man auch über einen Zimmerwechsel nachdenken. Das alles war hier aber nicht der Fall. Die Eltern hatten ihre Forderung bereits gestellt, bevor sie auch nur eines der Zimmer betreten hatten. Ich lasse mir aber nicht vorschreiben, wen ich wo hinlege.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch hieß es in Medienberichten, die Familie hätte nach der Äußerung ein Zimmer für sich gehabt.

Kössel: Das hatte aber andere Gründe. Unsere Klinik ist in den Sommermonaten meist nicht voll belegt. Wenn die Familie zeitweise allein in einem Mehrbettzimmer lag, dann einfach, weil es für alle genug Platz gab. Vor der Forderung der Familie sind wir aber ganz sicher nicht eingeknickt.

SPIEGEL ONLINE: Kommt es häufiger vor, dass Patienten solche Wünsche äußern?

Kössel: Nein, so etwas ist mir noch nie untergekommen. Ich hoffe auch, dass es bei diesem einen Vorfall bleibt. Ich habe zu unserer Entscheidung viele Nachrichten bekommen, die allermeisten positiv. Auch das hat mir gezeigt, dass wir richtig reagiert haben.



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