Slums in Rio de Janeiro: Dealer stoppen Crack-Verkauf

In brasilianischen Großstädten werden ganze Stadtteile nachts zu "Cracklands". Doch nun behaupten Dealer in zwei Slums von Rio de Janeiro, die Droge nicht mehr zu verkaufen - die Abhängigen würden die Nachbarschaft zerstören. Doch die Behörden vermuten einen anderen Grund hinter dem Sinneswandel.

Crack-Dealer in Rio de Janeiro: "Es ist Zeit aufzuhören" Fotos
AP

Rio de Janeiro - Crack ist in vielen brasilianischen Städten sehr einfach zu bekommen, zudem ist es billig: Einen "Hit" bekommt man schon für den Preis eines Schokoriegels. Viele Abhängige rauchen mehr als ein Dutzend Mal am Tag Crack. Reporter der Nachrichtenagentur AP waren nun in den Slums von Rio de Janeiro unterwegs - und berichten von einem radikalen Wandel.

Demnach ist es erst rund sechs Jahre her, dass Crack in den Armenvierteln von Rio de Janeiro populär wurde. Damals seien die Straßen voll mit Süchtigen gewesen, sie hätten regelrecht das Stadtbild geprägt. Doch heute, so heißt es in dem Bericht, sind die Crack-Süchtigen nicht mehr anzutreffen. Dies sei nicht auf Polizeimaßnahmen oder Kampagnen zurückzuführen. Sondern auf die Personen, die eigentlich am meisten von den Süchtigen profitieren: die Dealer selbst.

In den Siedlungen Mandela und Jacarezinho hätten sie den Verkauf von Crack gestoppt. Womöglich könnte in den kommenden zwei Jahren die komplette Stadt crackfrei sein, heißt es. "Crack ist nichts als eine Schande für Rio. Es ist Zeit zum Aufhören", zitiert AP einen ranghohen, 37-jährigen Drogenboss in Mandela, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Die Droge habe einen zu vernichtenden Effekt auf die Gemeinschaft, die Crack-Süchtigen würden die Nachbarschaft zerstören. Dadurch hätten die Dealer Probleme, die von der Regierung vernachlässigten Vororte zu kontrollieren.

An diese Beweggründe glauben die Behörden dem Bericht zufolge jedoch nicht. Tatsächlich könnte der Sinneswandel ihrer Meinung nach ganz pragmatische Gründe haben: Dealen mit Kokain oder Marihuana sei demnach weniger auffällig, zitiert AP einen Ex-Polizeichef von Rio. "Crack bringt ihnen einfach zu viele Probleme."

aar/AP

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insgesamt 10 Beiträge
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1. warum
ziegenzuechter 22.08.2012
sollte es unauffaelliger sein mariuhana zu verkaufen? grass riecht ein bulle 10m gegen den wind im gegensatz zu crack. ausserdem muss man viel mehr mit sich herumschleppen um den gleichen gewinn zu machen. nochdazu kann ich mir kaum vorstellen, dass ein cracksuechtiger auf einmal mit mariuhana zufrieden ist....
2. Rio de Janeiro, Hauptstadt von Brasilien?
meckerbengel3 22.08.2012
so so...das ist ein regionaler Kenner am Werk! Und ja, tatsächlich ist es so, dass die Dealer die Duldung ihrer Comunidades benötigen. Das ist ähnlich wie bei der italienischen Mafia, die nicht nur eine reine kriminelle Gemeinschaft ist, sondern auch als Schutzpatron fungiert, der für das Wohlergehen der Viertel mitverantwortlich ist...in diesem Sinne ist es durchaus plausibel, dass kein Crack mehr verkauft wird. Das ist auch nicht neu, sondern in vielen Favelas schon seit mehreren Jahren so. By the way: Ihr könntet ferner auch mal etwas anderes aus Rio berichten als immer nur Drogen, Slums und Karneval. Als ob es in einer 7 millionen EW Metropole (die nebenbei das kulturelle Herz Brasiliens ist) nichts anderes gäbe. Typisch Spiegel Online: Schön unsere Klischees bedienen, damit wir uns seicht unterhalten lassen können zwischen Kaffeepause und Arbeitsalltag-
3.
Sleeper_in_Metropolis 22.08.2012
Zitat von ziegenzuechtersollte es unauffaelliger sein mariuhana zu verkaufen? grass riecht ein bulle 10m gegen den wind im gegensatz zu crack. ausserdem muss man viel mehr mit sich herumschleppen um den gleichen gewinn zu machen. nochdazu kann ich mir kaum vorstellen, dass ein cracksuechtiger auf einmal mit mariuhana zufrieden ist....
Vermutlich ist nicht der Verkauf selber, sondern die Folgen auffälliger. Wie im Artikel beschrieben waren die Straßen wohl voller Crack-Zombies, was logischerweise im Straßenbild mehr auffällt, als ein paar relativ entspannte Grass-Raucher.
4. wahrscheinlich
spiegelblick 22.08.2012
ist die Auffälligkeit der abhängigen Konsumenten / Kunden gemeint. Drogenhandel ist ja nun auch eine moderne Industrie, die im weitesten Sinne den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft unterliegt. Und diejenigen, die solche Geschäfte kontrollieren sind ja keine ungebildeten Kleinkriminellen. Kann mir kaum vorstellen, daß es langfristig lukrativ ist, einen Kundenstamm aufzubauen, der sich besonders durch extremste geistige und körperliche Verwahrlosung auszeichnet. Das führt doch bloß zu Gewalt, und treibt die Vertriebskosten wieder in die Höhe. In gewissem Maß bleibts doch letztlich auch am Händler hängen, seine Kunden zu schützen - zumindest soweit, daß der Handel ermöglicht bleibt. Der Konsument in Reinform, der für nichts anderes zu gebrauchen ist, als zu konsumieren, ist marktwirtschaflich wohl kaum langfristig ertragreich. Vielleicht ist es auch so, daß der Crackverkauf zu Dumpingpreisen im sozialen Bodensatz so etwas war, wie eine Markteinführungs-Phase zur flächendeckenden Verbreitung des Produkts, um letztlich mehr zahlungskräftigere Käuferschichten zu erreichen..?
5. re
0914 22.08.2012
"wahrscheinlich ist die Auffälligkeit der abhängigen Konsumenten / Kunden gemeint" Denke ich auch, aber die Menschen, die bereits Süchtig sind, werden sich mit keiner anderen Droge (harmloses Haschisch- lächerlich) abspeisen lassen. Was wird also nun aus diesen, und wo bekommen sie ihre Stones her? Da sehe ich das Problem.Befürchte das deswegen schlimme Dinge passieren und es Tote geben wird.
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