Nach Schlammlawine in Brasilien Bergwerksunternehmen befürchtet weiteren Dammbruch

In einer meterhohen Lawine aus Schlamm und Wasser sind in Brasilien mehrere Menschen ums Leben gekommen. Nun schlägt das brasilianische Bergwerksunternehmen Vale erneut Alarm: Ein weiterer Damm könnte brechen.

AFP

Bis Samstagabend wurden 34 Leichen geborgen, knapp 300 Menschen werden vermisst: Nach dem Bruch eines Staudamms und einer folgenden Schlammlawine an einem Eisenerzbergwerk in Brasilien befürchten Experten nun einen weiteren Dammbruch.

Das Bergwerksunternehmen Vale löste an diesem Sonntagmorgen Alarm aus, nachdem Messungen ein Ansteigen des Wasserpegels an einem weiteren Staudamm der Anlage angezeigt hatten. Die Feuerwehr erklärte, angrenzende Siedlungen würden geräumt.

In dem Bergbaukomplex nahe dem Ort Brumadinho im Osten Brasiliens war am Freitag der Staudamm eines Rückhaltebeckens gebrochen. Eine riesige Schlammlawine bedeckte die Mine und umliegende Wohnhäuser. Die Behörden haben kaum noch Hoffnung auf weitere Überlebende.

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Dammbruch: Verheerende Schlammlawine in Brasilien

Von den 34 Todesopfern seien bislang acht identifiziert, teilte die Feuerwehr mit. Es gebe 366 Überlebende und 23 Verletzte. Der Bergbaukonzern Vale erklärte, 252 Mitarbeiter würden vermisst.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro überflog das Katastrophengebiet am Samstag. Es sei "schwierig, von diesem Drama nicht bewegt zu sein", schrieb er später auf Twitter. Es werde alles für die Überlebenden getan, "für die Aufklärung der Umstände des Unglücks, für die Forderung nach Gerechtigkeit und um neue Tragödien zu verhindern".

Nach Armeeangaben wurden tausend Soldaten sowie Spürhunde auf Anweisung Bolsonaros ins Unglücksgebiet entsandt. Der Präsident gab zudem Hilfe durch Israel bekannt. Nach Feuerwehrangaben handelt es sich dabei um eine spezielle Technologie zur Ortung von Menschen in großer Tiefe, die ab Montag zum Einsatz kommen soll.

In Brumadinho warteten zahlreiche Angehörige von Minenarbeitern auf Nachrichten von ihren Angehörigen. "Sie wollen uns nichts sagen", sagte Olivia Rios. "Das sind unsere Söhne, unsere Ehemänner, und niemand sagt uns etwas."

Damm war erst kürzlich vom TÜV geprüft worden

Der Damm war laut Nachrichtenagentur AFP erst kürzlich von Experten des TÜV Süd untersucht worden. Bei der Inspektion im September seien "nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt" worden, sagte ein Unternehmenssprecher auf AFP-Anfrage. "Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen."

Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar keine Mängel entdeckt. Der 1976 gebaute Damm sollte abgebaut werden.

Vale wurde am Samstag mit einer ersten Strafzahlung des Umweltministeriums in Höhe von 66,5 Millionen Dollar (58,5 Millionen Euro) belegt. Die Behörden des Bundesstaats ordneten zudem an, dass 265 Millionen Dollar auf Konten des Bergbauunternehmens eingefroren werden. Die Gelder sollen langfristig den Opfern zugutekommen.

Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine eine ähnliche Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Schlammlawine erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste die größte Umweltkatastrophe in der brasilianischen Geschichte aus.

kha/AFP



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