Brennende Busse: Gewaltwelle erschüttert Süden Brasiliens
Für die Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 will Brasilien seine Problemgebiete befrieden - im Moment aber eskaliert die Gewalt. In São Paulo wurden in vier Wochen 160 Morde registriert, nun erreichen die Kämpfe auch andere Regionen im Süden des Landes, die bisher als relativ friedlich galten.
Florianópolis - Die Anschlagsserie erstreckt sich nun schon über mehrere Tage: Der Süden Brasiliens wird von einer ungewöhnlichen Gewaltwelle erschüttert. Seit Montag gingen in mehreren Städten des Bundesstaates Santa Catarina über ein Dutzend Fahrzeuge in Flammen auf - vor allem Omnibusse, aber auch Polizeiautos. Zudem wurden Polizeireviere beschossen. Die Polizei tötete bei einem Schusswechsel in Itapema einen Tatverdächtigen bei einem Fluchtversuch. Rund 30 Menschen wurden festgenommen. Bei manchen von ihnen wurden Waffen und Brandbeschleuniger gefunden.
Allein in der Nacht zum Donnerstag wurden nach offiziellen Angaben sieben Busse in der Regionalhauptstadt Florianópolis sowie den Orten Palhoça und Gaspar in Brand gesetzt. Auch in der Stadt Blumenau war Anfang der Woche ein Bus angezündet worden. Bei den meisten Anschlägen zwangen bewaffnete und vermummte Männer die Passagiere zum Aussteigen und steckten die Busse dann mit Benzin in Brand.
In Santa Catarina ist die größte Gemeinde deutscher Auswanderer in Brasilien zu Hause. Der Bundesstaat hat traditionell eine vergleichsweise niedrige Kriminalitätsrate. Der Hintergrund der Anschläge ist noch unklar. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit der Organisierten Kriminalität. "Es ist eine Reaktion auf unseren strikten Anti-Drogen-Kampf. Das sind Personen, die aus Gefängnissen heraus zusammen mit Drogengangs außerhalb der Haftanstalten agieren", sagte der Sprecher der Kriminalpolizei in Santa Catarina.
90 Polizisten unter den Opfern in São Paulo
Auch São Paulo kämpft seit Monaten gegen eine Gewaltwelle, bei der aber anders als in Santa Catarina bereits Dutzende Menschen erschossen wurden. Brasiliens größte Stadt ist häufig Schauplatz blutiger Attentate. In den vergangenen vier Wochen wurden in São Paulo und Umgebung mehr als 160 Morde registriert. Am Wochenende kamen mindestens 31 Menschen ums Leben. Bei Gefechten zwischen Drogenkartellen und der Polizei wurde am Montag mindestens ein Bus in Brand gesetzt.
Zentralregierung und Bundesstaat haben mittlerweile einen Aktionsplan vereinbart. Offiziellen Angaben zufolge wurden bis September 2012 in São Paulo 982 Tötungsdelikte gezählt. Unter den Opfern waren 90 Polizisten. Die meisten von ihnen wurden außerhalb der Dienstzeit niedergeschossen.
Hinter den Verbrechen wird auch die in São Paulo operierende Drogengang Primeiro Comando da Capital (Erstes Hauptstadtkommando) vermutet. Das Drogenkartell hatte 2006 mit Angriffen auf Polizeiwachen, Banken und Gerichte für bürgerkriegsähnliche Zustände in São Paulo gesorgt. Nun habe die Organisation die Verbrechen als Vergeltung für Polizeirazzien gegen den Drogenhandel angeordnet, teilte ein Vertreter der Behörde für Öffentliche Sicherheit mit. Vor den Olympischen Spielen 2016 und der Fußballweltmeisterschaft 2014 wollen die brasilianischen Sicherheitskräfte die Elendsviertel des Landes weitestgehend befrieden.
wit/dpa/dapd
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