Wallfahrtsort in Brasilien "Vergängliche Götzen" erzürnen den Papst

Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen: Papst Franziskus hat im brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida gegen "vergängliche Götzen" gewettert - und eine Rückkehr zum wahren Glauben gefordert.

Papst Franziskus in brasilianischem Wallfahrtsort Aparecida: "Sich von Gott überraschen lassen"
AP

Papst Franziskus in brasilianischem Wallfahrtsort Aparecida: "Sich von Gott überraschen lassen"


Rio de Janeiro - Papst Franziskus hat am Rande des Weltjugendtags in Rio den brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida besucht. Vor knapp 200.000 Menschen rief das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einer Rückkehr zum wahren Glauben auf und warnte vor "vergänglichen Götzen".

In seiner ersten Messe auf brasilianischem Boden wetterte Franziskus in der Basilika von Aparecida gegen Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen - seiner Ansicht nach die Götzen auch vieler junger Leute. Die evangelikalen Kirchen, die derzeit in Brasilien großen Zulauf haben, versprechen oft, dass der Glaube an Jesus mit Geld und Erfolg vergolten wird.

Der argentinische Papst stellte christliche Werte wie Großherzigkeit, Ausdauer und Brüderlichkeit dagegen. "Der Stärkste ist Gott, und Gott ist unsere Hoffnung", sagte er. In seiner Predigt rief Franziskus dazu auf, "die Hoffnung zu bewahren, sich von Gott überraschen zu lassen und in der Freude zu leben." Eltern und Erzieher sollten den jungen Menschen dabei helfen, "Erbauer einer gerechteren, solidarischeren und brüderlicheren Welt zu werden". Er versprach, 2017 wieder nach Brasilien zu kommen, wenn das Land die 300-Jahr-Feier für die Schutzpatronin des Landes, Nossa Senhora Aparecida, begeht.

Wie zuvor in Rio war der 76-Jährige in dem bedeutenden Wallfahrtsort jubelnd empfangen worden. Strikte Sicherheitsmaßnahmen begleiteten seinen Besuch, nachdem am Sonntag in Aparecida ein selbstgebauter Sprengsatz von der Polizei gefunden und entschärft worden war.

Basilika für 30.000 Gläubige

Der Überlieferung nach fanden in Aparecida drei Fischer im Oktober 1717 eine kleine Marienfigur, als sie ihre Netze im Paraíba-Fluß auswarfen. Doch war das Abbild ohne Kopf. Als sie noch einmal die Netze auswarfen, fanden sie auch den Kopf. Nachdem sie beides zusammengefügt hatten, wurde die nur 40 Zentimeter hohe Figur der Schwarzen Madonna so schwer, dass sie zunächst nicht mehr bewegt werden konnte. Auch fingen die Fischer so viele Fische, dass ihr Boot unterzugehen drohte.

Die Einwohner der Region im Bundesstaat São Paulo begannen daraufhin, die Statue zu verehren. Im Lauf der Zeit wurde der Korpus aus dunklem Ton mit einem blauen Mantel und einer Krone verziert. Zudem wurde eine Basilika für bis zu 30.000 Menschen gebaut. Insgesamt bietet die größte Pilgerstätte Brasiliens Platz für mehr als 300.000 Menschen.

Am Donnerstag steht das erste Treffen mit den Pilgern des Weltjugendtages beim "Papst-Willkommen" an der Copacabana an. Am Dienstagabend hatte die katholische Kirche mir einer Messe vor Hunderttausenden Gläubigen in Rio de Janeiro ihren Weltjugendtag begonnen.

In der Kapelle von Aparecida betete Franziskus zur Mutter Gottes und bat um ein gutes Gelingen des Weltjugendtages. Dieser endet am Sonntag mit einer feierlichen Messe, die der Papst in Guaratiba halten wird.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
cassandros 24.07.2013
1. man erfährt alles notwendige
Zitat von sysopAPxx Brasilien: Papst wettert gegen "vergängliche Götzen" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/xx-a-912926.html)
Das ist mal kurz, knapp und klar formuliert. Bravo! "Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten." Joseph Pulitzer (1847-1911)
karlsiegfried 24.07.2013
2. Richtig so
Zitat: '... gegen Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen - seiner Ansicht nach die Götzen auch vieler junger Leute.' Auch die Götzen der Alten, der Politiker, der Finanzwelt und so weiter. Diese Ergänzung muss ein. Bin gespannt, wie lange Franziskus noch leben darf, denn er geht vielen Geld-, Macht-, Erfolg und Vergnügungssüchtigen - auch im Vatikan - schon mächtig auf den Geist. Ich bin kein Katholik. Dennoch, meine Hochachtung und weiter so!
tabernakelmenetekel 24.07.2013
3. at cassandros
Ja, das wichtigste ist gesagt und hier festgehalten worden: die evangelikalen sind mal wieder die bösen weil es dort ein paar ausreiser gibt oder menschen die finanziellen segen erfahren haben und davon berichten... wie es auch in der bibel oft berichtet wird. Wäre schön wenn sich dieser "papst" wieder mehr gedanken über die eigene Hausnummer und evangeliumstreue machen würde statt über christen zu lästern
L_P 24.07.2013
4. Mit gutem Beispiel vorangehen
Warum gibt die römisch katolische Kirche nicht ihr Geld an die Armen ab, wenn ihr Vorsitzender wirklich meint, dass Geld ein Götze ist, dem man nicht dienen soll? Warum unternimmt die römisch katholische Kirche in dieser Welt Anstrengungen, um weiter zu existieren, wenn Erfolg nicht wichtig ist? Die Wahrheit ist doch, daß Priester jedweder Coleur Leute suchen, die sie auf dieser Welt durchfüttern und ihnen Respekt für Schnickschnack entgegen bringen. Als Gegenleistung versprechen sie etwas, das sie selbst nicht halten müssen (und können). Diese Nummer gehört als Geschäftsmodell VERBOTEN. Da mit einem Verbot des Verbietenswerten aber kurzfristig nicht zu rechnen ist, kann der kleine Mann auch dieses perfide Geschäftsmodell nur mit langem Atem durch Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung langsam aber sicher austrocknen.
krasmatthias 24.07.2013
5.
Zitat von sysopAPxx Brasilien: Papst wettert gegen "vergängliche Götzen" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/xx-a-912926.html)
Versteht er was er sagt? "gegen Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen" und weiter: "und in der Freude zu leben" - er negiert seine eigenen Worte. Wahrscheinlich sollen die kleinen Leute gegen Geld, Erfolg, Macht und Vergnügen sein, da nur ihm alleine dieses zusteht?! Wenn Gott einen Vertreter auf Erden hat, dann ist es ganz sicherlich nicht dieser von Menschen gewählte Sektenvorsitzende. Gott ja, Kirche nein!
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