Nach Schlammlawine in Brasilien Zweiter Dammbruch droht - Rettungsarbeiten eingestellt

Die Suche nach Überlebenden der Schlammlawine im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais ist unterbrochen. Die Gefahr eines zweiten Dammbruchs ist zu groß. Dem Minenbetreiber drohen Milliardenzahlungen.

AFP

Knapp 250 Menschen werden nach dem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien noch vermisst. Doch weil das Risiko eines zweiten Dammbruchs an dem Bergwerk im Bundesstaat Minas Gerais zu groß ist, haben die Einsatzkräfte ihre Suche nach Verschütteten vorerst eingestellt. "Ich warte darauf, dass wir die Suche wieder aufnehmen können", sagte Fabrício Oliveira vom Verband der freiwilligen Feuerwehr gegenüber dem Nachrichtenportal G1 am Sonntag.

Das Bergwerksunternehmen Vale löste an diesem Sonntagmorgen Alarm aus, nachdem Messungen ein Ansteigen des Wasserpegels an einem weiteren Staudamm der Anlage angezeigt hatten. Die Feuerwehr evakuierte daraufhin mehrere Orte in der Region. Betroffen sind rund 24.000 Menschen, sie alle werden in Sicherheit gebracht, teilte die Feuerwehr mit.

Bereits am Freitag war ein anderer Damm der Mine gebrochen und hatte eine Schlammlawine ausgelöst. Mindestens 37 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 192 Menschen konnten lebend gerettet werden und 23 Verletzte waren im Krankenhaus. Bei den meisten Opfern soll es sich um Minenarbeiter handeln. Angesichts der aktuellen Lage dürfte die Zahl der Todesopfer allerdings noch weiter steigen.

Fotostrecke

14  Bilder
Dammbruch: Verheerende Schlammlawine in Brasilien

Nach Armeeangaben wurden tausend Soldaten sowie Spürhunde in das Unglücksgebiet entsandt. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gab zudem Hilfe durch Israel bekannt. Nach Feuerwehrangaben handelt es sich dabei um 130 israelische Soldaten und eine spezielle Technologie zur Ortung von Menschen in großer Tiefe, die ab Montag zum Einsatz kommen soll.

Insgesamt ergossen sich nach Angaben des Unternehmens rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm über die Anlage und die naheliegenden Siedlungen nahe der Stadt Brumadinho. Wie es genau zu dem Unfall kam, sei noch unklar, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman. Der 1976 errichtete Damm war laut der Nachrichtenagentur AFP erst im September von Experten des TÜV Süd untersucht worden. Dabei seien nach derzeitigem Kenntnisstand keine Mängel festgestellt worden. Laut Vale-Präsident Schvartsman habe auch eine Inspektion am 10. Januar keine Schäden entdeckt.

Justiz friert Milliarden von Minenbetreiber ein

Brasiliens Justiz blockierte indes umgerechnet insgesamt drei Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) auf den Konten des Minenbetreibers Vale. Die Staatsanwaltschaft in Minas Gerais teilte am Sonntag mit, sie habe zusätzliche fünf Milliarden Real (1,2 Milliarden Euro) am Samstagabend sichergestellt. Bereits zuvor hatten die Behörden umgerechnet über eine Milliarde Euro für Entschädigungszahlungen an Opfer eingefroren. Außerdem war am Samstag eine erst Strafe in Höhe von 66,5 Millionen Dollar (58,5 Millionen Euro) verhängt worden.

Video: Tödliche Bilanz einer Katastrophe

Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine eine ähnliche Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Schlammlawine erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste die größte Umweltkatastrophe in der brasilianischen Geschichte aus.

löw/dpa/AFP



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geotie 28.01.2019
1.
Im brasilianischen Fernsehen beklagen sie die Opfer der ersten Schlammlawine von November 2015, übrigens auch von derselben Firma verschuldet, dass man noch immer keine Entschädigung erhalten haben. Man geht davon aus, dass die einbehaltenen Gelder als Bestechungsgelder in die Taschen einiger Beamte und Politiker versickert ist. Es gibt etwa 670 illegale Bergbaufirmen. Was noch auffiel: Brasilianer sind nicht gerade für den Naturschutz bekannt, aber bei der ersten Katastrophe wurde sehr schnell die braune Fläche begrünt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.