#MeToo-Debatte Brigitte Bardot wirft Schauspielerinnen Scheinheiligkeit vor

Jetzt kommentiert Brigitte Bardot die #MeToo-Debatte. Die Schauspielerin, einer der Stars des Kinos der Sechzigerjahre, tut den weltweiten Protest ihrer Kolleginnen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen als "lächerlich" ab.

Brigitte Bardot (Archivfoto)
AFP

Brigitte Bardot (Archivfoto)


Brigitte Bardot hat Beschwerden von Schauspielerinnen über sexuelle Belästigung abgetan. "Was Schauspielerinnen angeht, und nicht Frauen im Allgemeinen, ist das in der großen Mehrheit der Fälle scheinheilig, lächerlich, uninteressant", sagte Bardot in einem Interview, das die französische Zeitschrift "Paris Match" in Auszügen online veröffentlichte.

Bardot sagte demnach, viele Schauspielerinnen gäben sich gegenüber Produzenten als "Anmacherinnen", um eine Rolle herauszuschlagen. "Danach erzählen sie, dass sie belästigt wurden, damit man von ihnen redet... In Wirklichkeit schadet ihnen das, statt ihnen zu nützen."

Sie selbst sei in ihrer Schauspielkarriere niemals Opfer sexueller Belästigung geworden, sagte die 83-Jährige. Komplimente für ihr Aussehen habe sie immer genossen. "Und ich fand es charmant, dass man mir sagt, dass ich schön bin oder einen netten kleinen Hintern habe. Diese Art von Kompliment ist angenehm." In den von "Paris Match" veröffentlichten Auszügen ist offensichtlich nicht die gesamte Antwort Bardots auf die Frage nach Schauspielerinnen, die sexuelle Belästigung anprangern, abgebildet.

Bardots Äußerungen dürften wohl nicht lange unwidersprochen bleiben. Im Zuge der #MeToo-Debatte war wiederholt auf Versuche des "victim blaming" hingewiesen worden: Opfer sexueller Übergriffe für die Taten verantwortlich zu machen - und dadurch die Schuld der Täter kleinzureden.

Bardot ("Und ewig lockt das Weib") wurde in den Fünfziger- und Sechzigerjahren als Sexsymbol bekannt. Sie verabschiedete sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere von der Leinwand und setzt sich seitdem für den Tierschutz ein. Sie machte auch wiederholt Schlagzeilen mit ihrer Sympathie für die französische Rechtsaußen-Partei Front National. 2006 wurde sie wegen Volksverhetzung zu 15.000 Euro Bußgeld verurteilt.

Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein, Schauspielerinnen sexuell belästigt zu haben, hatten die #MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Gewalt losgetreten.

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Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

In Frankreich hatte ein offener Brief von rund hundert Frauen Empörung ausgelöst, in dem die Urheberinnen der #MeToo-Debatte angegriffen wurden. Die "Freiheit zu belästigen" sei "unerlässlich für die sexuelle Freiheit", hieß es in dem Aufruf, den auch Filmdiva Catherine Deneuve unterzeichnet hatte. (Lesen Sie Beiträge hier und hier.)

Die Veröffentlichung von Männernamen führe dazu, dass viele auf eine Stufe mit Sexualstraftätern gestellt würden. Deneuve bat die Opfer sexueller Gewalt später um Entschuldigung, falls diese sich durch den Aufruf angegriffen fühlen sollten. Den Text selbst verteidigte sie aber.

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US-Debatte: Vorwürfe, Reaktionen, Konsequenzen

ulz/dpa/AFP



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