Entschädigung 200 Millionen Euro für DDR-Heimkinder

40 Millionen Euro sind nicht genug: Bund und Länder stocken den Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder auf. Laut Bundesfamilienministerium sollen insgesamt rund 200 Millionen Euro ausgezahlt werden. Zugleich verkürzt sich die Antragsfrist für Betroffene.


Berlin - Der Bund und die ostdeutschen Länder stellen deutlich mehr Geld für die Entschädigung ehemaliger DDR-Heimkinder bereit. Die zunächst veranschlagten 40 Millionen Euro sind demnach aufgebraucht. Nun soll das Volumen des Hilfsfonds auf rund 200 Millionen Euro erhöht werden wie, Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, am Dienstagabend ankündigte.

Bislang wurden laut Kleindiek 3500 Anträge genehmigt, seit dem Start des Fonds im Juli 2012. Weitere 10.000 Anträge seien in Bearbeitung. Ehemalige Heimkinder, die Spätfolgen der zum Teil drakonischen Erziehungsmaßnahmen in DDR-Heimen nachweisen können, bekommen Geld für Beratungen, Therapien, Rentenersatzleistungen oder als Ausgleich für soziale Notlagen. Die Hilfen in sozialen Notlagen - dazu gehört auch Geld für Konsumgüter - machen laut Kleindiek mit 75 Prozent den Großteil der bisherigen Anträge aus.

Antragsfrist endet am 30. September 2014

Auf eine vom Bund vorgeschlagene pauschale Entschädigung konnten sich Bund und Länder bei der Sitzung am Abend nicht einigen. Wer Geld aus dem Fonds erhalten wolle, müsse dies spätestens bis zum 30. September 2014 anmelden. Ursprünglich war eine Frist bis 2016 vorgesehen. Die Beschleunigung solle den Ländern mehr Planungssicherheit geben, sagte Kleindiek. Auf diese Weise könnten sie die Zahl der Betroffenen einschätzen.

Den detaillierten Antrag können Betroffene den Angaben zufolge auch nach dem 30. September nachreichen. Möglicherweise würden sich die Anforderungen noch ändern, sagte Kleindiek. Der Bund werde prüfen, ob Betroffene ihre Ansprüche detaillierter begründen sollten, sagte der Staatssekretär. Eine Kürzung der Leistungen sei aber nicht vorgesehen.

In der DDR gab es nach Schätzungen rund 400.000 Heimkinder. Für die rund 800.000 ehemaligen Heimkinder aus den alten Bundesländern wurde Anfang 2012 ein Fonds mit 120 Millionen Euro eingerichtet.

usp/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.