Angebliche High-Heels-Pflicht in Cannes "Jeder sollte flache Schuhe tragen"

Mehrere Frauen sollen vor einer Filmpremiere in Cannes abgewiesen worden sein, weil sie zu flache Schuhe trugen. Schauspielerin Emily Blunt reagierte nun empört - und bekannte sich zu Turnschuhen.

REUTERS

Das berühmte Filmfestival im französischen Cannes hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Sexismus-Vorwürfen zu kämpfen. In diesem Jahr sollte Frauen eine besondere Bedeutung eingeräumt werden. Doch ein Bericht des britischen Filmmagazins "Screen" bringt die Veranstalter nun in Erklärungsnot: Mehrere weibliche Gäste, so heißt es, wurden vor einer Filmpremiere am roten Teppich abgewiesen - weil sie keine hohen Absätze trugen. Die Frauen, alle um die 50 Jahre alt, durften die Vorführung des Filmes "Carol" am Sonntag demnach nicht besuchen.

Der Regisseur Asif Kapadia, der in Cannes den Dokumentarfilm "Amy" über die verstorbene Sängerin Amy Winehouse vorstellte, erklärte kurz darauf, seine Ehefrau habe wegen flacher Schuhe in Cannes ebenfalls Probleme bekommen.

Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Unter den Empörten ist auch Schauspielerin Emily Blunt: Die Britin bezeichnete die Gerüchte am Rande des Festivals als "sehr enttäuschend". Auf der Pressekonferenz zu ihrem neuen Film, dem Drogenthriller "Sicario", konstatierte sie: "Wir sollten sowieso auf High Heels verzichten. Ehrlich gesagt sollte jeder flache Schuhe tragen." Blunt sagte, sie bevorzuge Turnschuhe.

"Sicario"-Regisseur Denis Villeneuve leistete sich einen ironischen Kommentar: Als Zeichen der Solidarität würden er und die "Sicario"-Darsteller Benicio del Toro und Josh Brolin selbst in hohen Absätzen über den roten Teppich wandeln.

Auf dem roten Teppich in Cannes gelten strikte Vorgaben für die Kleidung. Männer sollen Smoking tragen, dazu Krawatte oder Fliege und schwarze Schuhe. Von Frauen werden Kleider und hohe Schuhe erwartet. Diesen Dresscode nennt das Festival nicht explizit, doch Mitarbeiter der Veranstaltung achten darauf, ob sich die Gäste daran halten.

Inzwischen hat sich die Sprecherin des Festivals, Christine Aimé, zu dem Vorfall geäußert: Dem Personal sei möglicherweise ein Fehler unterlaufen, sagte sie.

kis/AFP/AP

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