Todkrankes Baby US-Arzt will Charlie Gard untersuchen

Seit Monaten streiten die Eltern des todkranken Charlie vor Gericht um das Leben ihres Babys. Ein Neurologe glaubt, dem Jungen helfen zu können. Ende Juli soll entschieden werden, ob er Charlie behandeln darf.

Connie Yates und Chris Gard
Getty Images

Connie Yates und Chris Gard


Ein Arzt aus den USA soll den todkranken britischen Jungen Charlie Gard in der kommenden Woche untersuchen. Michio Hirano, ein Professor für Neurologie an der Columbia University in New York, schätzt die Chancen auf zehn Prozent, dass sich Charlies Zustand mit einer experimentellen Therapie verbessern wird. Er wird am kommenden Montag und Dienstag im Krankenhaus Great Ormond Street in London erwartet, wo Charlie behandelt wird.

Ein Richter am Londoner High Court muss entscheiden, ob der US-Arzt den Jungen behandeln darf. Dafür müsste ein vorheriges Gerichtsurteil aufgehoben werden. Der Richter will bei seiner Entscheidung neue Expertengutachten berücksichtigen. Am 25. Juli soll dem britischen Sender Sky News zufolge ein Urteil fallen.

Charlie Gard (undatierte Aufnahme)
Family of Charlie Gard/DPA

Charlie Gard (undatierte Aufnahme)

Zuvor hatten Gerichte durch alle Instanzen hindurch entschieden, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen für den elf Monate alten Jungen eingestellt werden sollen.

Charlies behandelnde Ärzte glauben nicht, dass dem Jungen noch geholfen werden kann. Sie wollen ihm Leid ersparen und fordern, dass er in Würde sterben soll. Er habe bereits irreparable Schäden am Hirn erlitten, argumentieren sie. Charlies Eltern wollen ihn dagegen für eine experimentelle Therapie in die USA bringen.

Der elf Monate alte Junge leidet an einer seltenen genetischen Erkrankung, dem mitochondrialen DNA-Depletionssyndrom (MDDS), bei dem insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Charlie muss künstlich beatmet und ernährt werden.

Eigentlich sollte Charlie bereits tot sein

Bereits Ende Juni sollte Charlies Beatmung eingestellt werden, doch die Eltern baten um Aufschub, damit sie sich von ihrem Sohn verabschieden können. Am vergangenen Wochenende hatten Charlies Eltern eine Petition mit 350.000 Unterschriften in der Klinik eingereicht, mit der sie eine Behandlung ihres schwerkranken Sohns im Ausland erreichen wollen. Sie sammelten rund 1,5 Millionen Euro an Spenden, um den Krankentransport und die Behandlung bezahlen zu können.

Ende vergangener Woche kündigte das Great-Ormond-Street-Hospital an, den Fall nochmals gerichtlich überprüfen zu lassen. Anlass waren die Zuschriften mehrerer Experten, die angaben, neue Erkenntnisse über die Chancen einer experimentellen Therapie vorlegen zu können.

Charlies Eltern waren am Donnerstag aus dem Gerichtssaal gestürmt. Anlass soll eine Auseinandersetzung über die Frage gewesen sein, ob Charlie in seinem derzeitigen Zustand leidet. Später kehrten die Eltern zurück.

Der des todkranken Charlie hatte international Schlagzeilen gemacht. Auch Papst Franziskus und US-Präsident Donald Trump hatten sich geäußert. Krankenhäuser in den USA und Italien hatten angeboten, Charlie weiter zu behandeln.

koe/dpa

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