Vergewaltigungsopfer in Chile: Belén, 11, soll Mutter werden

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AFP/ Chilean Presidency

Chiles Präsident Piñera: Lob für die Reife einer Elfjährigen

Die elfjährige Belén aus Chile wird seit Jahren von ihrem Stiefvater missbraucht. Jetzt ist sie schwanger, doch Abtreibungen sind in dem Land selbst für Vergewaltigungsopfer verboten. Das Mädchen sagt, sie werde ihr Kind wie eine Puppe lieben. Und wird vom Präsidenten für ihre "Reife" gelobt.

Santiago de Chile - Der Horror dauert schon zwei Jahre lang. Seit sie neun ist, wird Belén von ihrem Stiefvater missbraucht. Das Mädchen aus Chile schwieg, hatte Angst. "Wenn du deiner Mutter etwas sagst, bringe ich sie und deinen Bruder um", habe der Mann gedroht.

Doch längst ist der Missbrauch kein Geheimnis mehr. Belén ist schwanger, in der 14. Woche schon. Ihre Mutter weiß Bescheid. Weiß, was ihr Partner ihrer Tochter angetan hat - und hält doch zu ihm. Die Beziehung sei einvernehmlich gewesen, behauptet sie.

Dass der Fall überhaupt in die Öffentlichkeit kam, liegt an der Großmutter von Belén. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei, hat die Vormundschaft für ihre Enkelin, berichtet die Zeitung "La Nación". Der Stiefvater ist inzwischen festgenommen worden, er sitzt in Untersuchungshaft, hat gestanden.

Und Belén will sein Kind bekommen.

In einem Interview mit dem Privatsender Canal 13 sprach die Elfjährige am Montag über ihre Schwangerschaft, sie war dabei nicht zu erkennen. "Ich werde dieses Baby lieben, komme was wolle", sagte sie. Auch wenn es von dem Mann stamme, der ihr sehr wehgetan habe, sagte Belén. "Das Baby wird wie eine Puppe sein, die ich im Arm halten kann."

Auch ihre Oma bestätigte, dass Belén ihr Baby liebe. "Wenn ihr das jemand wegnehmen will, wird er ihre Seele zerstören", zitiert "La Nación" die Frau. Doch selbst wenn Belén wollte - an eine Abtreibung ist für sie gar nicht zu denken. In Chile ist der Eingriff selbst für Opfer von Gewalttaten verboten, auch aus medizinischen Gründen darf eine Schwangerschaft nicht beendet werden. Das Gesetz stammt noch aus der Zeit von Diktator Pinochet.

Die Reife einer Elfjährigen

Sebastián Piñera, der konservative Präsident des Landes, will an dem Gesetz nichts ändern. Stattdessen lobte er die Elfjährige für ihr TV-Interview: "Ihre Worte haben uns alle überrascht. Sie zeugen von einer Tiefe und einer Reife", sagte Piñera. Er habe den Gesundheitsminister gebeten, sich persönlich um den Zustand des Mädchens zu kümmern. "Das Wohl der Mutter steht in Chile immer an erster Stelle", sagt er - und wird für seine Äußerungen heftig kritisiert.

Das Schicksal von Belén hat in dem südamerikanischen Land eine Debatte über das Recht auf Abtreibung entfacht. Vier Monate vor den Präsidentschaftswahlen haben zahlreiche Organisationen und Politiker gefordert, das Gesetz zum Abtreibungsverbot zu überarbeiten.

"Sie ist ein Mädchen, das beschützt werden muss", sagte beispielsweise Ex-Präsidentin Michelle Bachelet in einem Radiointerview. Deshalb sei eine Abtreibung in diesem besonderen Fall angebracht. Bachelet war Kinderärztin und arbeitete zuletzt bei der Frauenorganisation der Vereinten Nationen. Sie wird bei den anstehenden Wahlen erneut kandidieren - und gilt als Favoritin.

Einer ihrer Konkurrenten ist der ehemalige Wirtschaftsminister des Landes, Pablo Longueira. Der Pinochet-Anhänger wird bei den Wahlen im November für die Rechten antreten. Er hält nichts von einer Lockerung des Abtreibungsverbots. Sogar die Pille danach lehnt er ab.

Mit Material von AP

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insgesamt 41 Beiträge
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1. vorsintflutlich
boingdil 10.07.2013
Die Äußerungen des Mädchens sind die eine Sache (der Puppenvergleich zeugt eigentlich nicht unbedingt von überdurchschnittlicher Reife). Etwas anderes ist das absolute Verbot. Damit werden Frauen ein zweites Mal zum Opfer gemacht, sie müssen das aus einer Vergewaltigung entstandene Kind zur Welt bringen, werden 9 Monate jeden Tag daran erinnert. Und danach werden sie zum dritten Mal Opfer: entweder sie müssen das Kind - das ja auch ihr eigenes ist - abgeben oder ein Leben lang damit leben und somit die Vergewaltigung vor Augen haben. Und die Kinder werden das zweite Opfer, denn beide Alternativen sind keine Startvoraussetzungen, die man einem Kind wünscht. Zu behaupten, dass man sich hier "für das Leben" entscheidet ist extrem zynisch.
2. Vergewaltigungsopfer in Chile, eine Elfjährige soll Mutter werden!
woitschi 10.07.2013
Wie verantwortungs- und gefühllos kann ein Mann wie diser Präsident eigentlich noch sein? Da wird ein hilfloses Kind 2 Jahre lang vom Partner der Mutter missbraucht (die eigentlich ebenfalls eingesperrt gehört, da sie ihrer Tochter nicht beisteht), sie wird auch noch geschwängert, sie wird erpresst, dass ihre Mutter und ihr Bruder sterben werden, wenn sie den Mund aufmacht - als wenn man eine Schwangerschaft auf Dauer verbergen könnte ! - und dann wird sie auch noch dazu verdonnert, das Kind von ihrem Vergewaltiger auf die Welt zu bringen! Mir scheint, die einzige Person, die Hirn und Geühl hat, ist ihre Großmutter! Man merkt, dass Frauen offensichtlich wenig bis nichts wert sind, höchstens als Gebärmaschinen willkommen sind.... Was sind das bloß für Menschen, die solche Gesetze auch noch für gut und richtig befinden -es herrscht anscheinend immer noch der Geist von diesem Verbrecher Pinochet - hat man dort denn gar nichts geändert ? Daß das Kind sein Kind lieben wird, ist ja kein Wunder: es wird schon entsprechend "geimpft" worden sein.... Eine Elfjährige, vermutlich keine Schulbildung oder keine besondere, keine Lebensperspektive aber dafür ein Baby auf dem Arm! Was soll denn aus dem Mädchen werden? Ob "El Presidente" dann noch hilft, wenn sie um finanzielle Unterstützung für sich und ihr Kind bittet, wenn sie mal 30 Jahre alt ist? Es ist einfach traurig, wie heutzutage immer noch die Opfer solcher Verbrechen im Stich gelassen werden und die Täter vermutlich nach wenigen Jahren frei gelassen werden, falls sich dieser Kinderschänder nicht frei kaufen kann - wundern würde es mich nicht....! Hoffentlich verliert dieser "Regierungschef" die Wahlen - wemn sie nicht manipuliert werden .... Aber kommt jemand nach, der vernünftiger ist? - Die Hoffnung stirbt zuletzt!
3. Wirklich schade
mikra54 10.07.2013
dass es damal diesen Staatsstreich gegen Allende gab, sonst müsste so etwas wohl kaum noch ein Thema sein. Widerlich! ist alles, was mir dazuz einfällt! Dem armen Kind und ihrem Kind wünsche ich aber alles Gute, alles, das sie sich wünschen!
4. oh ...
herrwestphal 10.07.2013
Zitat von sysopAFP/ Chilean PresidencyDie elfjährige Belén aus Chile wird seit Jahren von ihrem Stiefvater missbraucht. Jetzt ist sie schwanger, doch Abtreibungen sind in dem Land selbst für Vergewaltigungsopfer verboten. Das Mädchen sagt, sie werde ihr Kind wie eine Puppe lieben. Und wird vom Präsidenten für ihre "Reife" gelobt. Chile: Elfjähriges Vergewaltigungsopfer soll Mutter werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/chile-elfjaehriges-vergewaltigungsopfer-soll-mutter-werden-a-910408.html)
... man, da fehlen einem wirklich die Worte. Wieder mal, für mich die Bestätigung wie weltfremd und frauenverachtend der Katholizismus und dessen "Gläubige" sind.
5.
_stordyr_ 10.07.2013
Abgesehen davon, dass ich denke, dass die Äusserungen des Mädchens sicherlich nicht von ihrer Reife zeugen, bin ich noch immer der Meinung, dass, egal welches Land, wir Männer uns deutlich zurücknehmen sollten, wenn es um Regelungen geht, die Mutterschaft, Weiblichkeit und derlei angehen. Das ist schlicht nicht unser Job. Das haben die Frauen selbst zu bestimmen. in JEDEM Fall. Aber wem erzähl ich das ?
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