Missbrauchsskandal Papst versetzt chilenischen Priester in den Laienstand

Der chilenische Priester Fernando Karadima missbrauchte viele Minderjährige. Papst Franziskus hat den 88-Jährigen nun aus dem Priesteramt verstoßen - "zum Wohl der Kirche".

Fernando Karadima
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Fernando Karadima


Papst Franziskus hat den Mann aus dem Priesteramt verstoßen, der im Zentrum des Missbrauchsskandals in Chile steht: Fernando Karadima. 2011 ergab eine Untersuchung des Vatikans, dass der heute 88-Jährige über viele Jahre Minderjährige missbraucht hatte. Er wurde vom Vatikan zu lebenslanger "Buße und Gebeten" verurteilt, aber nicht in den Laienstand versetzt - das ist nun geschehen.

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Heft 39/2018
Der Papst und die katholische Kirche in ihrer größten Krise

Das sei eine außergewöhnliche Entscheidung, heißt es in einer Mitteilung des Vatikans. Der Papst habe sie "zum Wohl der Kirche" getroffen. Karadima, der angeblich in einem Altersheim in Santiago de Chile lebt, sei darüber in Kenntnis gesetzt worden.

Karadima selbst hat stets bestritten, sich falsch verhalten zu haben. Er arbeitete als Priesterausbilder. Vor Gericht wurde er nicht gestellt, weil die ihm zur Last gelegten Taten verjährt waren.

Zahlreichen ranghohen Kirchenvertretern in Chile wird vorgeworfen, den Kindesmissbrauch durch Karadima ignoriert oder vertuscht zu haben. Sieben chilenische Bischöfe sind seit Juni zurückgetreten, nachdem es Ermittlungen wegen einer möglichen Vertuschung der Übergriffe gegeben hatte.

Im Sommer war bekannt geworden, dass die chilenische Justiz wegen des Missbrauchsskandals gegen 158 katholische Geistliche und Laien ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft geht es um den sexuellen Missbrauch von 266 Kindern und Erwachsenen. Unter den mutmaßlichen Opfern waren demnach 178 Kinder und Jugendliche.

Im April hatte der Papst "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal eingeräumt. Er äußerte "Scham" und "Schmerz" angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer.

Allerdings war Franziskus selbst für seinen Umgang mit dem Fall kritisiert worden. Opfer Karadimas hatten dessen Zögling Juan Barros der Mitwisserschaft beschuldigt. Dagegen nahm der Papst Barros öffentlich in Schutz und ernannte ihn zum Bischof von Osorno. Erst später rückte er von Barros ab. Im Juni schließlich nahm der Papst dessen Rücktritt an.

ulz/Reuters

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