Präsidentin in Erklärungsnot Waldbrände in Chile außer Kontrolle

In Chile breiten sich verheerende Waldbrände immer weiter aus. Präsidentin Michelle Bachelet steht wegen fehlender Löschflugzeuge und maroder Infrastruktur in der Krisenregion unter Druck.

DPA

Die heftig wütenden Waldbrände in Chile sind noch immer nicht unter Kontrolle. Laut Angaben der nationalen Forstbehörde CONAF werden derzeit 85 Brände bekämpft, von denen sich 34 weiter ausbreiten. Die Flammen sollen bereits 161.000 Hektar Wald- und Wiesenland zerstört haben - das ist eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Hamburg.

Präsidentin Michelle Bachelet reiste am Dienstag in die am stärksten betroffene Region O'Higgins südlich der Hauptstadt Santiago, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Wir kämpfen gegen das größte Waldbrand-Desaster unserer Geschichte", sagte sie.

Bachelet überflog in einem Hubschrauber die Gegend um die Gemeinde Pumanque, in der die Flammen gut 70 Prozent der Fläche zerstört hatten. Etwa 200 Menschen mussten von dort in Sicherheit gebracht werden. Ebenfalls schwer betroffen ist die benachbarte Region El Maule. Drei Feuerwehrleute starben während der Löscharbeiten, die Hauptstadt Santiago war zeitweise in Rauch gehüllt.

Über die Ursache der Brände gibt es noch immer keine gesicherten Erkenntnisse, doch wird in Chile bereits hart debattiert. Der Staatsanwalt der Region O'Higgins, Emiliano Arias, sieht eine Ursache für die Brände in maroden und zu nah an Baumgebieten gelegenen Stromleitungen. Äste peitschten durch den Wind gegen die Leitungen und diese gaben dadurch Funken ab, die das trockene Gras und Laub am Boden entzündet haben können. Attackiert wird besonders das Unternehmen Compañia General de Electricidad, das zu 90 Prozent dem spanischen Konzern Gas Natural Fenosa gehört.

Auch Brandstiftung gilt als mögliche Ursache: "Wir können Brandstiftung weder ausschließen noch bestätigen", erklärte Bachelet via Twitter bei ihrem Besuch in Pumanque. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bachelet ist in Erklärungsnot: Nur drei der sechs Löschflugzeuge der Forstbehörde sind einsatzbereit - während sich die Flammen rasant ausweiten. Die chilenische Regierung hat inzwischen Unterstützung aus mehreren Ländern erhalten. Französische und mexikanische Experten befinden sich bereits vor Ort, um bei der Brandbekämpfung zu helfen. Am Mittwoch soll das größte Löschflugzeug der Welt eintreffen. Der "Löschbomber", eine umgebaute Boeing 747, kann bis zu 73 Tonnen Wasser transportieren.

Sorge bereitet in Chile jedoch die Wettervorhersage der nächsten Tage: Temperaturen bis zu 39 Grad Celsius könnten die Löscharbeiten zusätzlich erschweren.

ala/dpa



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