China Händler besprühen Kohl mit Formaldehyd

Erneuter Lebensmittelskandal in China: Um Kohlköpfe für den Transport durch die Volksrepublik länger haltbar zu machen, haben Produzenten das Gemüse offenbar mit Formaldehyd konserviert. Die Substanz gilt als krebserregend. "Die Händler verlangen das", rechtfertigen sich die Bauern. 

Chinesische Feldarbeiterin beim Spritzen von Kohlköpfen
REUTERS

Chinesische Feldarbeiterin beim Spritzen von Kohlköpfen


Peking - Die Vorwürfe sind schwerwiegend und beruhen offenbar nicht auf einem Einzelfall: Gleich Dutzende Großhändler sollen in Qingzhou in der ostchinesischen Provinz Shandong zu Formaldehyd gegriffen haben, um Kohlköpfe länger haltbar zu machen.

Das dort angebaute Gemüse wird in die Nachbarprovinzen und den Norden des Landes geliefert. "Das ist die übliche Praxis, um Kohl frisch zu halten", sagte Kohlproduzent Yin Lihua aus Dongxia der Zeitung "China Daily". "Andernfalls würde das dicht aufeinandergestapelte Gemüse in den Lastwagen in zwei bis drei Tagen verwelken."

In China sind Gemüsegroßhändler gesetzlich nicht verpflichtet, ihre Waren in Kühlwagen zu transportieren. Die meisten könnten sich die Fahrzeuge auch gar nicht leisten. Kohl aus der Provinz Shandong wird für etwa 1,4 Yuan pro Kilo verkauft, das sind weniger als 20 Cent.

Am Wochenende hatten erste Berichte im Internet die Diskussion um Lebensmittelsicherheit in der Volksrepublik neu entfacht und die Konsumenten verunsichert und verärgert. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Montag von den Vorfällen. Demnach hat der Einsatz von Formaldehyd in den vergangenen drei Jahren deutlich zugenommen, besonders in den warmen Sommermonaten, wenn das Gemüse rasch verdirbt.

Ein Produzent, der Formaldehyd verwendet, erklärte gegenüber "China Daily", die Gemüsehändler verlangten ganz offen den Einsatz der gefährlichen Substanz, weil sich das Gemüse dann besser verkaufen ließe. "Ich habe nur getan, was alle anderen seit drei oder vier Jahren tun."

Verwendung von Formaldehyd ist nicht strafbar

Formaldehyd kann schwere Allergien sowie Haut- und Atemwegsreizungen verursachen. Bei einer hohen Konzentration kann es für den Menschen lebensbedrohlich sein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte die Substanz 2004 als krebserregend ein. Versuche mit Ratten hatten die karzinogene Wirkung bewiesen. Formaldehyd wird immer wieder auch in Textilien nachgewiesen.

Der jetzige Nachweis in Lebensmitteln ist umso bedenklicher, als Kohl in China zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Das Gemüse wird als Füllung für Klöße verwendet und gebraten oder in Essig eingelegt serviert.

Die Polizei in Qingzhou hat jetzt die Ermittlungen aufgenommen. Ob es bereits Festnahmen gab, ist nicht bekannt. Noch ist völlig unklar wie ein solcher Einsatz von Gift überhaupt geahndet werden kann. Laut chinesischem Gesetz muss der Einsatz von Konservierungsmitteln "den geltenden technischen Standards entsprechen".

Schon in den vergangenen Jahren war es zu vergleichbaren Skandalen gekommen. Die Chemikalie soll unter anderem verwendet worden sein, um getrocknete Meeresfrüchte frischer aussehen zu lassen.

Das Gesundheitsministerium veröffentlichte 2008 eine Liste mit illegalen Zusatzstoffen in Lebensmitteln, auf der auch Formaldehyd aufgeführt war. Die chinesische Nahrungsmittelindustrie wurde in den vergangenen Jahren von mehreren Skandalen erschüttert. So wurde Melamin in Milch oder Fleisch mit Wachstumsbeschleuniger entdeckt.

ala/dapd



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