Chinesischer Sexpark Behörden lassen "Love Land" abreißen

In China ist der erste Sex-Themenpark des Landes noch vor seiner Eröffnung abgerissen worden. Das "Love Land" sollte seine Besucher über Erotik, Aids und Liebe aufklären, fiel jedoch bei den Behörden durch - "vulgär, geisteskrank und fehlleitend" lautete deren Urteil.


Peking - Das "Liebesland" wurde zerstört, bevor die Öffentlichkeit es zu Gesicht bekam: Ein Behördensprecher der südwestchinesischen Stadt Chongqing gab am Montag bekannt, dass der umstrittene Themenpark am Wochenende abgerissen wurde. Er sei den Behörden "zu heiß" gewesen, berichtete die Zeitung "China Daily". Die offizielle Reaktion auf den Park, der ursprünglich im Oktober eröffnet werden sollte, lautete demnach: "vulgär, geisteskrank und fehlleitend".

Angefacht von Fotos und Berichten, die in den Tagen zuvor erschienen waren, wurde das "Love Land" am Wochenende eilig inspiziert. "Die Untersuchung hat ergeben, dass der Inhalt des Parks vulgär war. Er war weder gesund noch erzieherisch", sagte ein Vertreter der Stadt laut "Times" über den geplanten Publikumsmagneten: "Er hatte einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft und musste sofort abgerissen werden."

Der Leiter der kommunalen Öffentlichkeitsabteilung kritisierte, die Betreiber hätten ihre "soziale Verantwortung ignoriert und waren nur daran interessiert, aus Sensationsgier Profit zu schlagen".

In dem Themenpark waren unter anderem übergroße Nachbildungen der weiblichen und männlichen Genitalien zu sehen. Bereits am Eingang reckte eine riesige Skulptur eines weiblichen Unterkörpers - lediglich bekleidet mit einem Stringtanga - den Besuchern ihren nackten Po entgegen.

Außerdem wollte der Park Kurse anbieten, in denen sowohl über Sexpraktiken als auch über Aids-Prävention und den richtigen Gebrauch von Kondomen gesprochen werden sollte. " Das Love Land" sollte die sexuelle Aufklärung verbessern und Erwachsenen zu einem harmonischen Liebesleben verhelfen.

Die Entwickler des "Liebeslands" waren nach dem Abriss schnell zum Einlenken bereit. "Es ist sehr schade, dass der Park schließen musste, aber wir akzeptieren die Entscheidung", sagte ein Projektmanager laut "Times" und fügte hinzu: "Wir entschuldigen uns, falls wir einige Menschen aufgeregt haben." Der restliche Park würde nun ein zivilisierter und gesunder Unterhaltungskomplex.

Tabu-Thema Sex

Die Zerstörung des Parks zeigt den schwierigen Umgang in China mit dem Thema Sexualität. Eine prüde Grundhaltung dominiert in der Öffentlichkeit, über Sex wird bestenfalls unter hygienischen Aspekten gesprochen, Sexualkunde in Schulen ist weitgehend unbekannt. Nach einer Erhebung der Regierung suchen lediglich sieben Prozent der Frauen und wenig mehr als acht Prozent der Männer bei sexuellen Problemen medizinische Hilfe. Auf der anderen Seite sind Sexshops im Stadtbild jedoch keineswegs versteckt, Seitensprünge werden oft toleriert, und Prostitution ist - obwohl offiziell verboten - weit verbreitet.

Der Abriss läutete eine neue Runde in der Sex-Diskussion in China ein. "Sex ist eine Privatsache. Es ist nichts für die Öffentlichkeit", sagte Xia Xueluan, Soziologe an der Universität Peking, laut "China Daily".

Ein Bürger schrieb laut "Times" in einem Chat-Forum, es sei vielleicht noch zu früh, solch einen Park zu bauen. Ein anderer kritisierte, wie könne ein Land mächtig werden, wenn es nicht offener werde.

siu/AP



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