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Verfolgte Christen in China: Behörden verhaften evangelischen Pfarrer

Er verurteilte ein staatliches Kruzifix-Verbot - und landete im Knast: In China muss sich ein Pfarrer wegen angeblicher Unterschlagung verantworten. Ein klarer Einschüchterungsversuch der Regierung, sagen Menschenrechtler.

Kirche im Dorf Muyang in der Provinz Zhejiang: Kreuz abgebaut Zur Großansicht
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Kirche im Dorf Muyang in der Provinz Zhejiang: Kreuz abgebaut

Ein protestantischer Pastor ist in die Mühlen der chinesischen Justiz geraten. Am 28. Januar wurde Gu Yuese festgenommen. Jetzt wurde in Hangzhou in der südostchinesischen Provinz Zhejiang Anklage gegen den Christen erhoben. Der Vorwurf: Gu soll Geld unterschlagen und sich "weiterer Wirtschaftsdelikte" schuldig gemacht haben.

Bis zu seiner Verhaftung leitete Gu die größte von der Regierung anerkannte protestantische Kirche in der Volksrepublik. In Hangzhou, der Hauptstadt der Provinz Zhejiang, gehören ihr etwa 5000 Gläubige an.

Die Zahl der staatlichen Übergriffe auf Christen in der Region hat in den vergangenen Monaten zugenommen. Erst am Freitag wurde ein Pfarrer aus Zhejiang nach fast viermonatiger Haft wegen angeblicher Spionage aus dem Gefängnis entlassen.

Ende Januar hatten 100 Beamte in zwei Kirchen der Provinz zahlreiche Kruzifixe demontiert. Insgesamt sollen in den vergangenen zwei Jahren 1800 Kreuze entwendet worden sein, berichtete die christliche Menschenrechtsorganisation ChinaAid. Als Grund gaben die Behörden an, Kreuze auf Dächern widersprächen den Bauvorschriften. Tatsächlich bereitet der stetige Zuwachs an christlichen Gruppen der Kommunistischen Partei Sorgen. Gu hatte gegen die Demontage von Kruzifixen Protest eingelegt.

Zwar sind die Vertreter der offiziell anerkannten christlichen Kirchen im Gegensatz zu den Untergrundkirchen vom Staat geduldet. Auch sie sind jedoch der Willkür der Behörden ausgesetzt.

Laut ChinaAid bat der verhaftete Pastor seine Glaubensbrüder- und schwestern in der Chongyi Christian Church, Ruhe zu bewahren und sich nicht übermäßig für seinen Fall einzusetzen. Für die Experten von ChinaAid ein klares Zeichen dafür, dass Gu "unter enormem Druck" stehe.

Die Regierung hat bereits einen Nachfolger für den Pastor eingesetzt. Bob Fu von ChinaAid in den USA ist sich sicher, dass Gus Festnahme ein Einschüchterungsversuch der Regierung ist: "Sie wollen eine Botschaft senden, dass Illoyalität gegenüber der Parteipolitik in Sachen Religion Folgen hat", sagte er dem britischen "Guardian".

Regierungsbehörden gehen davon aus, dass es etwa 30 bis 50 Millionen Christen in China gibt, nichtoffizielle Schätzungen gehen von bis zu 100 Millionen aus. Laut Weltverfolgungsindex ist die Zahl der Übergriffe auf Christen weltweit im vergangenen Jahr gestiegen.

ala/AP

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