CSD in Berlin: Regenbogen-Protest vor russischer Botschaft

Sie zogen von Kreuzberg zum Brandenburger Tor: In Berlin haben Tausende Homosexuelle den Christopher Street Day gefeiert. Die Parade war so politisch wie lange nicht - was vor allem vor der russischen Botschaft zu beobachten war.

CSD in Berlin: Mann trägt Hund Fotos
DPA

Berlin - Mit Glitzerkonfetti gegen Diskriminierung: Tausende Lesben und Schwule haben in Berlin auf der Parade zum Christopher Street Day (CSD) für mehr Toleranz geworben. Teils exzentrisch verkleidet und mit lauter Musik zogen sie von Kreuzberg zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor.

Am Straßenrand verfolgten Hunderttausende Schaulustige das Spektakel. Die Veranstalter sprachen von 700.000 Menschen. Sie feierten ausgelassen und friedlich - "alles ruhig", meldete die Polizei am Nachmittag.

"Solange es Diskriminierung in der Gesellschaft gegen Homosexualität gibt, ist es wichtig, dagegen auf die Straße zu gehen", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er eröffnete den 34. Berliner CSD gemeinsam mit den Botschaftern Großbritanniens und der USA und einem Gesandten der Niederlande. In vielen Bereichen gebe es keine Gleichstellung, kritisierte Wowereit, zum Beispiel in der Ehe oder im Erbrecht.

Die Veranstalter hatten eine Route mit politischen Akzenten gewählt: Vorbei am Berliner Abgeordnetenhaus, am Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen am Potsdamer Platz, am Reichstag sowie an der russischen Botschaft. Dort demonstrierten die Teilnehmer gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in Russland.

Der Hintergrund: In St. Petersburg und anderen Städten wurden umstrittene Gesetze gegen "homosexuelle Propaganda" erlassen, die auch schon zu Festnahmen führten. Demnach verstößt Händchenhalten unter Gleichgeschlechtlichen oder das Schwenken der Regenbogenfahne gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Mit Konfettikanonen schossen die Demonstranten bunte Papierschnipsel in Richtung des Botschaftsgebäudes. Einen Steinwurf von der russischen Botschaft Unter den Linden entfernt, zeigt ein großes Bild den russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinen Premier Dmitri Medwedew als glückliches Paar. Sie halten Blumen in der Hand. Auf ihren Wangen sind pinkfarbene Herzchen gemalt.

Russland sei ein Hort von Diskriminierung, Menschenrechtsverletzung und Verfolgung schwuler und lesbischer Menschen, protestierten die CSD-Teilnehmer. Elena Koroleva ist extra aus Moskau angereist. Anfang Juli müsse sie sich vor Gericht verantworten, so die 48-Jährige, weil sie beim CSD in der russischen Hauptstadt mehr Rechte für Schwule und Lesben gefordert habe. Die Fotos von ihrer Festnahme trägt sie nun bei sich. In Berlin könne sie die sein, "die ich bin", sagt sie. "Ich bin mit meinem Protest nicht allein".

Der CSD erinnert an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeirazzien 1969 in der Christopher Street in New York. Die größten Paraden in Deutschland gibt es in Berlin und in Köln, wo die Schwulen und Lesben am 8. Juli auf die Straße gehen.

hut/dpa/dapd

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