Traditionshandwerker in Kairo Die Letzten ihrer Art

Inmitten der Altstadt Kairos pflegen Handwerker in kleinen Werkstätten jahrhundertealte Traditionen. Doch ihr Wissen droht verloren zu gehen. Der Fotograf Christopher Wilton-Steer will das verhindern.

Christopher Wilton-Steer

Von


Ein Labyrinth aus engen, verwinkelten Gassen, voller mittelalterlicher islamischer Architektur, gesäumt von beeindruckenden Minaretten: Im Viertel al-Darb al-Ahmar in Kairos Altstadt leben rund 100.000 Menschen. Rund tausend davon sind Kunsthandwerker, die in den belebten historischen Straßen ihrer Arbeit nachgehen. Sie bauen Möbel oder Lampen, binden Bücher oder weben Teppiche. Als der Fotograf Christopher Wilton-Steer die Stadt besuchte, war er beeindruckt vom großen Geschick der Handwerker, ihrer Energie - und wollte mehr über sie herausfinden.

Er lernte Menschen wie den Glasbläser Hassan Hodhod kennen, einen ehemaligen Boxer, der das Handwerk von seinem Großvater gelernt hat und es jetzt an seine eigenen Kinder weitergibt. Oder Salama Mahmoud, der seit 73 Jahren Kleidung, Polster und Vorhänge färbt - ab sechs Uhr morgens bis manchmal tief in die Nacht.

Fotostrecke

15  Bilder
Glasbläser, Schreiner und Lampenbauer: "Wenn der Handwerker stirbt, dann stirbt auch das Handwerk"

Die Menschen haben ihre Fähigkeiten oft von ihren Eltern oder Großeltern gelernt, bereits ihre Vorfahren vor Hunderten von Jahren waren Glasbläser, Buchbinder oder Schreiner. "Doch wegen der jüngsten politischen Instabilität, einer schwindenden Wirtschaftskraft, dem Anstieg der Rohstoffkosten und einem deutlichen Rückgang der Touristenzahlen ist die Zukunft vieler Handwerksbetriebe bedroht", sagt Wilton-Steer.

Die Regierung und NGOs wie das Aga Khan Development Network bemühen sich, die Handwerker von al-Darb al-Ahmar zu unterstützen, unter anderem mit günstigen Krediten, Hilfe bei der Geschäftsentwicklung und der Ausbildung junger Menschen. Ob ihre Bemühungen ausreichen, ist jedoch noch nicht absehbar.

Wilton-Steer will mit seiner Fotoserie auf die Bedrohungen aufmerksam machen. Er befürchtet den Verlust dieses kulturellen Erbes, jahrhundertealten Wissens und handwerkliches Könnens. "Von diesen Produkten können wir viel über die Geschichte lernen - sowohl von den Techniken, mit denen sie hergestellt wurden, als auch von ihren Designs", sagt der Fotograf. "Wenn es die Werkstätten nicht mehr gäbe, dann wären Ägypten und die Welt sicherlich ärmer."



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.