Comedy-Show "The Chaser": Briten stoppen Hochzeitssatire

US-Präsident George W. Bush begrüßte sie einst mit einem Osama-Bin-Laden-Double: Auch für die königliche Hochzeit in London hatte die australische Comedy-Gruppe "Chasers" große Pläne. Doch die angekündigte TV-Satire wurde ihnen nun untersagt.

Großbritannien: Insel im Hochzeitswahn Fotos
REUTERS/ The Ivy Press

Sydney - Die Comedy-Show "The Chaser" zur Hochzeit von William und Kate ist in Australien abgesagt worden - nach Intervention der Briten, angeblich soll das Königshaus selbst dafür gesorgt haben.

Die Gruppe sollte am Freitag mit den Live-Bildern der Trauung eine TV-Satire gestalten. Dann legte der britische Sender BBC, der die Bilder überträgt, einen neuen Vertrag vor, der die Verwendung des Materials für solche Beiträge verbietet. "Wir sind überrascht und enttäuscht", sagte der Direktor des betroffenen australischen Senders ABC, Kim Dalton, am Mittwoch.

Nach Angaben von ABC wurden die Einschränkungen, die für die Nutzung des Fernsehmaterials bestehen, zwischen dem Sitz von Williams Vater Prinz Charles, Clarence House, dessen Privatbüro und der BBC abgestimmt.

Einer der Programmverantwortlichen der Comedy-Show, Julian Morrow, sprach von Zensur. Die Gruppe der "Chasers" war 2007 international bekannt geworden, als sie beim Besuch des damaligen US-Präsidenten George W. Bush trotz weitreichender Absperrungen in Sydney mit einem Osama-Bin-Laden-Double bis fast vor das Hotel des Gastes fuhr.

Langer Anlauf, furioser Höhepunkt

Die Generalprobe für die Hochzeit verlief indes wie die Beziehung des Paares: langer Anlauf, furioser Höhepunkt. Ab 2 Uhr (Ortszeit) war am Mittwoch die Prozessionsroute vom Buckingham Palast zur Westminster Abbey für den Verkehr gesperrt worden, doch stundenlang tat sich kaum etwas.

Erst gegen 5 Uhr marschierten die ersten Soldaten auf, die schließlich zu Hunderten die Strecke säumten. Sie waren aber lange Zeit vornehmlich damit beschäftigt, auf Anweisung ihrer Vorgesetzten den korrekten Abstand zueinander und zum Bordstein zu finden.

Gerade als die Sonne über den Baumwipfeln von St. James's Park zu erkennen war, ging das Spektakel gegen 6.30 Uhr plötzlich dann doch los. Polizisten zu Pferde machten den Anfang, gefolgt von degenbewehrten Soldaten mit goldfarbenen Helmen auf Rappen. Sie geleiteten drei Kutschen und eine Limousine auf den Vorhof des Palastes, wo sie von einer Kapelle mit der Hymne "God Save the Queen" begrüßt wurden.

"Wie wunderbar, es ist so extravagant. Als Französin dürfte ich das gar nicht sagen", sagte Anne Batlogg, die sich wie nur einige wenige Schaulustige am Palast eingefunden hatte. Großbritannien sei einfach eines der letzten Länder, das seine militärische Macht noch derart offen zur Schau stelle. Auch Trish Clancy freute sich über die Generalprobe - dürfte es doch am Freitag nur für wenige einen so guten Blick auf die Prozession geben. Die Angestellte des nationalen Gesundheitsdienstes NHS glaubt daran, dass die Ehe von William und Kate halten wird: "Sie hatten schließlich viele Jahre lang Zeit zu üben."

Herausforderung für Sicherheitskräfte

Wie schon bei den eingefleischten Royalisten, die seit Montag vor der Westminster Abbey zelten, erwies sich die Polizei auch während der Generalprobe als äußert freundlich und hielt Schaulustige lediglich vom Betreten der Fahrbahnen ab. Mit dieser Strategie wolle die Metropolitan Police die Bevölkerung auf ihre Seite ziehen, denn bei dem Großereignis am Freitag brauche sie alle Hilfe, sagte der einstige Polizeioffizier Brian Paddick.

"Dies ist das größte Ereignis, das die Polizei je zu schützen hatte", sagte Paddick, der 2008 für das Amt des Londoner Bürgermeisters kandidiert hatte, während der Generalprobe. Er habe London noch nie so geschäftig erlebt. Zur Hochzeit von Prinz Charles und Diana etwa sei die Bedrohung durch terroristische Anschläge noch nicht im heutigen Maß gegeben gewesen.

Paddick sieht die Polizei gut auf das Großereignis vorbereitet. Es gebe aber immer Unsicherheiten. "Wie soll man ganz London, das ganze Verkehrssystem schützen?", sagte er. Die Polizei verlasse sich auch darauf, dass die Bürger ihre Augen und Ohren offen halten und verdächtige Personen umgehend melden.

Einem Bericht der BBC zufolge, wurden 60 polizeibekannte Störenfriede vorsorglich für Freitag aus der Londoner City verbannt. Es handele sich bei den Personen unter anderem um Menschen, die während der Studenten-Proteste vor einigen Monaten randaliert haben sollen, hieß es. Sechs Gewalttäter seien in den vergangenen Tagen vorsorglich in Gewahrsam genommen worden, weil die Behörden fürchten, sie könnten ähnliche Aktionen während der Hochzeit planen.

wit/jjc/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Einer von denen, die nicht zuschauen dürfen
gloton7 27.04.2011
Zitat von sysopUS-Präsident George W. Bush begrüßte sie einst mit einem Osama-Bin-Laden-Double: Auch für die königliche Hochzeit in London hatte die australische Comedy-Gruppe "Chasers" große Pläne. Doch die angekündigte TV-Satire wurde ihnen nun untersagt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,759272,00.html
ist Charlie Veitch http://www.youtube.com/watch?v=8qwR26u9vXs&feature=feedlik, der durch seine kreativen Monologe mit dem Megaphon weltweite Berühmtheit auf youtube erreicht hat. Viele seiner Aktionen werden in anderen Ländern wie Norwegen oder Deutschland kopiert. Immer an der Grenze zwischen zivilem Ungehorsam, vorschriftsmäßigem Verhalten und lächerlichmachen der Zustände gibt Charlie viel Anschauungsmaterial und ist eine Bereicherung der Welt.
2. Ernst
wilde Socke 27.04.2011
Kicher, das Spektakel wird wohl zu ernst genommen, um sich darüber lustig machen zu dürfen. Fast wie Religion. No humor please, we are british. Wie heißen die Hauptdarsteller noch gleich? Ging irgendwie an mir vorbei.
3. Der bitische Humor ist ohnehin eine Legende,
ok-info 27.04.2011
nur die Schotten sind zynisch genug, um so recht von Herzen lachen zu können. Nett, daß ihr wieder mal ein Beispiel für Zensur im Freien Westen bringt, die ihr ja selbst so gut beherrscht. Ist ja auch ziemlich einfach heutzutage. Oft muß man nicht mal was löschen...
4. ....
Pepito_Sbazzagutti 27.04.2011
Als Jugendlicher in den 70ern (1975-77) hatte ich das Privileg, in Großbritannien zur Schule gehen zu dürfen. Ich war beeindruckt von der britischen Höflichkeit, von liberalem Denken und der damals noch sprichwörtlichen britischen Disziplin. Heute versinkt das Land im Überwachungswahn und jetzt haben sie auch noch ihren Humor verloren. Für mich gibt's vorerst keinen Grund mehr, auf "meine" einstmals geliebte Insel zu reisen.
5. Um ehrlich zu sein, üdengland geht auch noch -
ok-info 27.04.2011
Zitat von Pepito_SbazzaguttiAls Jugendlicher in den 70ern (1975-77) hatte ich das Privileg, in Großbritannien zur Schule gehen zu dürfen. Ich war beeindruckt von der britischen Höflichkeit, von liberalem Denken und der damals noch sprichwörtlichen britischen Disziplin. Heute versinkt das Land im Überwachungswahn und jetzt haben sie auch noch ihren Humor verloren. Für mich gibt's vorerst keinen Grund mehr, auf "meine" einstmals geliebte Insel zu reisen.
...aber natürlich nur auf "privater" Basis, mit den Leuten sprechen und man findet es immer noch - aber die britische Staatlichkeit hat ungeheuer gelitten. Geht voll parallel zum Untergang des amerikanischen Imperiums, muß wohl die "special relationship" sein, die seit Tony dem Pinscher dem Land als solchem irgendwie den Rest gegeben hat. Im Westen nichts Neues...
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