Brennende Autoreifen: Proteste vor Beginn des Confed Cups in Brasilien

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Brennende Autoreifen: Proteste in Brasilien vor Beginn des Confed Cups

Diese Bilder hätte sich Brasilien gerne erspart: In der Hauptstadt stecken Confed-Cup-Gegner Reifen in Brand. In São Paulo kommt es wegen Fahrpreiserhöhungen zu Randale. Und dann kritisieren auch noch die Vereinten Nationen den Gastgeber.

Brasília - Einen Tag vor Anpfiff des Confed Cups in Brasilien, der Generalprobe für die WM 2014, bestimmen Schlagzeilen über Proteste und Randale die Nachrichten. Demonstranten haben vor dem Stadion in Brasília gegen die Fußball-Veranstaltung protestiert. Die Hauptstadt ist zwar faktisch eine Hochsicherheitszone, aber die Polizei wurde offenbar von der Aktion überrascht.

Die Anhänger der "Bewegung der obdachloser Arbeiter" (MTST) zündeten Reifen auf der Straße an und blockierten eine der Hauptverkehrsachsen der brasilianischen Hauptstadt. Es stiegen riesige Rauchwolken in den Himmel auf. Die Proteste richteten sich gegen die hohen Investitionskosten für die anstehenden Sportgroßereignisse. Der bis zum 30. Juni dauernde Confed Cup wird am Samstag im Mané-Garrincha-Stadion in Brasília mit der Partie zwischen Brasilien und Japan eröffnet.

"Die WM ist nicht für die Brasilianer, nur eine Minderheit aus dem Volk wird die Spiele sehen. Wir aus den unteren Schichten haben keinen Zugang", sagte Edenilson Paraná von MTST. Auf Flugblättern kündigten die Demonstranten für die nächsten Tage Proteste in allen zwölf WM-Stadien an. "Während die Welt zusieht, wie Männer mit dem Ball spielen, sind mehr als 250.000 Menschen ohne Unterkunft", heißt es auf einem der Plakate. "Unsere Hauptforderung ist, dass das Geld (anstatt in Stadien) in Gesundheit und Bildung investiert wird", sagte Priscila Brito vom linken Bündnis "Comitê Popular da Copa" (WM-Volkskomitee), das an der Organisation der Proteste beteiligt ist.

Die Demonstranten kündigten für die nächsten Tage weitere Proteste in verschiedenen WM-Städten in Brasilien an. Sie kritisierten auch Zwangsräumungen im Zuge der Vorbereitungen für die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. An der Aktion in Brasília nahmen Hunderte Demonstranten teil. Argumentative Unterstützung bekamen sie dabei aus Genf. Die Uno-Sonderberichterstatterin für das Recht auf angemessenes Wohnen, Raquel Rolnik, betonte, vor Sportgroßereignissen komme es oft zu Zwangsräumungen und Umsiedlungen, von denen vor allem die Ärmsten betroffen seien. Dies sei "unglücklicherweise" in Brasilien nicht anders.

Dramatische Bilder aus São Paulo

Menschenrechtsorganisationen in Brasilien kritisieren seit Jahren, dass einige Armensiedlungen (Favelas) etwa in Rio wegen geplanter Bauvorhaben für die Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele 2016 geräumt würden. Den Anwohnern werden zwar im Gegenzug Wohnungen angeboten, die aber teils weit entfernt von ihrem jetzigen Wohnort liegen.

In São Paulo kam es in der Nacht zu Freitag zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Rund 5000 Menschen protestierten gegen eine Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr. Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Schlagstöcke ein. Es fuhren gepanzerte Fahrzeuge auf. In der Luft dröhnten Polizei- Helikopter.

Die Demonstranten errichteten ihrerseits Barrikaden, blockierten Straßen, warfen Molotow-Cocktails und schleuderten Steine auf Polizisten. Proteste gab es nach Preiserhöhungen auch in Rio, Porto Alegre und Santos. Dutzende Demonstranten wurden verletzt, über 200 festgenommen.

Nach einer langen Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs wächst in Brasilien die Unzufriedenheit mit der Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff. Die steigende Inflation und die zunehmende Gewalt beunruhigen viele Brasilianer.

wit/dpa/sid/Reuters

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