"Frikadellenkrieg" Dänische Stadt verordnet Schweinefleisch-Verzehr

Die dänische Stadt Randers will ein Zeichen gegen Muslime setzen - und hat öffentliche Einrichtungen dazu verdonnert, Schweinefleisch auf den Speiseplan zu setzen. Schon ist von einem "Frikadellenkrieg" die Rede.

Frikadellenkrieg in Dänemark: Mehr Schweinfleisch auf dem Kinderteller
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Frikadellenkrieg in Dänemark: Mehr Schweinfleisch auf dem Kinderteller


In der dänischen Hafenstadt Randers geht es beschaulich zu, rund 60.000 Menschen leben in der Gemeinde in Ost-Jütland. Nun macht der Stadtrat jedoch landesweite Schlagzeilen mit einem außergewöhnlichen Beschluss: Öffentliche Einrichtungen sollen dazu verpflichtet werden, Schweinefleisch zu servieren - angeblich, um der dänischen Esskultur ihren angestammten Platz einzuräumen.

Am Montag nahm der Rat einen entsprechenden Vorschlag der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) und der Liberalen Partei an. Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus: Bei 16 Ja-Stimmen, votierten 15 gegen den Entwurf.

Demnach soll traditionell dänisches Essen in Zukunft "zentraler Bestandteil des Angebots" zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen sein. In welchem Umfang dies geschehen soll, geht aus dem eher allgemein gefassten Beschluss nicht hervor. Selbstverständlich werde niemand gezwungen, sich "im Widerspruch zu seinen Überzeugungen oder seiner Religion" zu ernähren, betonten die Initiatoren. Auch sei Rücksicht zu nehmen auf Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien.

Dennoch ist die Entscheidung von Randers schon jetzt zum Politikum geworden. Die Volkspartei positioniert sich klar gegen Einwanderung: "Die DF arbeitet auf nationaler und lokaler Ebene für die dänische Kultur, einschließlich der dänischen Esskultur", schrieb Parteisprecher Martin Henriksen auf Facebook. "Konsequenterweise bekämpfen wir auch islamische Vorschriften und eine fehlgeleitete Rücksichtnahme, die dänischen Kindern vorschreibt, was sie zu essen haben."

"Unglaublich, in was sich Politiker alles einmischen"

Der ehemalige Minister für Integration und Soziales, Manu Sareen, kritisierte den Beschluss harsch. Hier werde versucht, Kindern eine bestimmte Ideologie aufzudrängen, schrieb das Mitglied der linksliberalen Partei Det radikale Venstre (RV) auf Facebook. "Es ist unglaublich, in was sich Politiker alles einmischen."

Seit 2013 wird in Dänemark eine hitzige Debatte darüber geführt, ob aus Rücksicht auf Muslime Schweinefleisch von den Speiseplänen der öffentlichen Einrichtungen verschwinden solle. Die damalige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hatte eine entsprechende Praxis in Kindergärten kritisiert. Eine damals durchgeführte Untersuchung hatte gezeigt, dass dies nur in 30 von 1719 Kindertagesstätten der Fall war.

Der Verzehr von Schweinefleisch hat aber auch wirtschaftlich eine große Bedeutung: Seit mehr als hundert Jahren spielt die Schweinezucht eine große Rolle in Dänemark. Auf 5000 Farmen werden jährlich etwa 28 Millionen Schweine gezüchtet. 90 Prozent des Fleisches gehen in den Export, lebendige Ferkel werden vor allem nach Deutschland geliefert. Insgesamt machen die Exporte fünf Prozent aller Ausfuhren aus.

ala



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