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Debatte zum Anschlag auf Karikaturisten: "Wo bleibt der Aufschrei der Muslime?"

Das Attentat auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard hat eine heftige Debatte über den Umgang mit dem fundamentalistischen Islam entfacht. Leser diskutieren im SPIEGEL-ONLINE-Forum über die Folgen des Anschlags - wir dokumentieren die wichtigsten Thesen.

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Terror: Angriff auf dänischen Karikaturisten
Rund 850 Forenbeiträge in noch nicht einmal 24 Stunden: Ein Ereignis muss schon gehörig polarisieren, um die Gemüter so in Wallung zu bringen. Auf kaum ein Thema trifft das gegenwärtig so sehr zu wie auf den vereitelten Mordanschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard. Die SPIEGEL-ONLINE-Leser diskutieren das Geschehene und seine Folgen - dabei schälen sich vor allem drei Schwerpunkte der Debatte heraus:

  • Der Wert der Werte: Meinungsfreiheit contra Rücksichtnahme auf religiöse Gefühle - was zählt wie viel?
  • Rechtsstaat versus Dschihad: Was ist die angemessene Reaktion auf religiösen Radikalismus?
  • Grenzen der Toleranz: Wie soll die Gesellschaft fanatischer Intoleranz begegnen?

Diskutiert wird in mehreren Foren mit verschiedenen Gewichtungen. Teilweise hitzig verlief die Debatte zur Erstmeldung des versuchten Attentats, in der es vor allem um die angemessene Reaktion des Rechtsstaates auf islamistische Gewalt geht. Im Forum zum Artikel "Das war knapp. Aber wir haben es geschafft" wird es zum Teil grundsätzlicher, dabei wird die Frage nach westlichen Werten und der angemessenen gesellschaftlichen Reaktion gestellt. Als echter Aufreger erwies sich der Kommentar von Henryk M. Broder, der die Frage nach der Verteidigung freiheitlicher Werte und die Grenzen der Toleranz in den Mittelpunkt stellt. Kein Wunder, dass die Diskussion hier auch die grundsätzliche Frage nach Sinn und Unsinn von Religionen aufnimmt.

Zahlreiche Beiträge befassen sich mit der Frage nach Strafe und Rache. Viele Diskutanten vertreten Ansichten, die dem alttestamentarischen "Auge um Auge" sehr nahe kommen: Das reicht von Forderungen nach der Todesstrafe für gewalttätige Islamisten bis zur zynischen Forderung, im aktuellen Fall die Scharia beim Wort zu nehmen - und dem Attentäter die Hände abzuhacken.

"Es ist nicht die Aufgabe des Rechtsstaates, Rache zu üben", widerspricht ein Diskutant. Ein anderer ergänzt: "Damit würden wir uns mit diesem Verblendeten auf eine Stufe stellen. Man sollte ihn nach dänischem Recht verurteilen und danach ausweisen." Sie sprechen damit für viele der Beitragenden.

Die SPIEGEL-ONLINE-Redaktion hat exemplarische Äußerungen aus den Foren zusammengetragen, geringfügig gekürzt und redigiert und zu einem thematisch geordneten Stimmungsbild verdichtet. Das reißt die Beiträge zwar zum Teil aus ihrem Zusammenhang: Einen vollständigen Eindruck bekommt man nur, wenn man sich darauf einlässt, den Meinungsstreit in den Foren nachzuvollziehen. Doch es ergibt sich ein guter Überblick über die verschiedenen Aspekte der Debatte. Diese verschiedenen Ansätze der Diskussion werden außerdem in einem neuen Forum zusammengeführt, in dem nach der angemessenen Reaktion und den Rückwirkungen auf unsere Werte gefragt wird (siehe Kasten in der linken Spalte).

Machen Sie sich im Folgenden ein Bild von der Debatte im SPIEGEL-ONLINE-Forum - und diskutieren Sie mit!

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Forum - Anschlag auf Karikaturisten: Mit Härte gegen den Hass?
insgesamt 2394 Beiträge
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1. Hass
berther 03.01.2010
Lesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
2.
forumgehts? 03.01.2010
Zitat von sysopVier Jahre nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wurde einer der Zeichner beinahe Opfer eines Anschlags, und wieder wird der Ruf nach härteren Reaktionen lauter. Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob es sich in solchen Fällen wirklich um Hass handelt. Vermutlich sind es Leute, die "todsicher" ins TV kommen wollen. Früher hätte man in Europa gewusst, was in solchen Fällen zu tun ist, aber Europa hat sich aufgegeben.
3.
jasyd 03.01.2010
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
Ich glaube es nicht, nun sind diejenigen, die sich gegen eine "Kultur" des Massenmordes wehren, die blutrünstigen Raubtiere. Mehr Kommentar ist nicht nötig.
4.
unente, 03.01.2010
Zitat von sysopVier Jahre nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wurde einer der Zeichner beinahe Opfer eines Anschlags, und wieder wird der Ruf nach härteren Reaktionen lauter. Ist Härte die Antwort auf Hass - oder die Niederlage der Werte, die verteidigt werden sollen?
Wenn sich die "Härte" ausschließlich auf die Möglichkeit der Ausschöpfung, der im Rechtssystem vorgesehenen Strafmaße bezieht: die einzig mögliche Antwort. Diese Antwort darf sich aber auch nur gegen Täter und mögliche Drahtzieher richten und nicht allgemein gegen alle Mitglieder einer Glaubensrichtung - auch wenn die ebenfalls kritisch gegenüber bestimmten "Meinungsfreiheiten" eingestellt sind. Nur Gewalt darf nicht toleriert werden.
5.
Toerpe Schweiz 03.01.2010
Zitat von bertherLesen sie die Treads und Posts in diesem Forum zu dem besagten Thema und Sie können sehen , woher der Hass kommt. Er ist unter den Menschen unseres Kulturkreises latent vorhanden und bricht sich hier aus relativ unwichtigen Gründen Bahn. Man erkennt etwas was anders ist und verurteilt es , beschimpft es , und hasst es schließlich.Daß man die Reaktion der anderen Kultur selbst verursacht hat , interessiert ncht - man HAT das Recht dazu! Das europäsche Kolonialdenken ist noch immer vorhanden. Unsere Zivilisaton , unsere angeblich menschenfreundliche Religion sind nur ein dünner Farbanstrich über der Barbarei - und diese kommt hier wieder zum Vorschein. Mit EINEM Menschen kann man über so kontroverse Themen noch vernünftig diskutieren - sobald MEHRERE Menschen merken daß andere aus der Anonymität heraus das Selbe Ansicht vertreten wie sie kommt es zum Zusammenschluß einer Herde von blutrünstigen Raubtieren , die zu überspitzten Panikattacken neigt. Und hinterher will wieder keiner schuld gewesen sein - außer den Anderen. Ich wette , das was ich hier schrieb , will keiner glauben und keiner akzeptieren , aber so sind Menschen nun mal. Um es mit Shakespeare zu sagen : " Verstand , du flohst zum blöden Vieh , der Mensch ward unvernünftig !" ( Julius Caesar )
Und nun klären Sie uns über den Zusammenhang zwischen dem unter "den Menschen undeses Kulturkreises latent vorhandenen" Hasses und dem Angriff eines radikalen mulsimischen Somaliers auf den dänischen Karikaturisten auf?
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Welle von Krawallen: Brennende Wut gegen Mohammed-Karikaturen

Chronologie des Karikaturenstreits
30. September 2005
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Karikaturen zum Islam. Einige von ihnen bringen die Religion und ihren Propheten mit dem modernen Terrorismus und mit Selbstmordanschlägen in Verbindung. So zeigt eine von Kurt Westergaard angefertigte Zeichnung Mohammed mit einer Bombe in Form eines Turbans auf dem Kopf. Die muslimische Welt reagiert empört sowohl auf die Verbindung ihrer Religion mit dem Terrorismus als auch auf die Verbildlichung Mohammeds, die für viele Muslime eine Beleidigung des Propheten darstellt.
Oktober bis November 2005
Dänische Muslime gehen aus Protest gegen die Karikaturen auf die Straße. Eine niederländische Zeitung veröffentlicht die Zeichnungen ebenfalls.
Januar 2006
Die Protestwelle schwappt auf arabische Länder über, Saudi-Arabien zieht seinen Botschafter aus Dänemark ab.
Februar 2006
Auch zahlreiche europäische Zeitungen veröffentlichen unter der Verteidigung der Pressefreiheit einige oder alle Karikaturen der "Jyllands-Posten". Bei weltweiten Protesten in muslimischen Ländern sterben Dutzende Menschen, dänische Botschaften und andere Einrichtungen des Landes werden beschädigt.
Februar 2008
Die dänische Polizei teilt mit, ein Mordkomplott gegen Westergaard verhindert zu haben. In Reaktion darauf veröffentlichen mehrere dänische Zeitungen erneut die umstrittenen Bilder.
März 2008
Qaida-Führer Osama Bin Laden droht Europa wegen der Karikaturen mit einer "Abrechnung".
2. Juni 2008
Bei einem Bombenanschlag vor der dänischen Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sterben acht Menschen.
April 2009
Die dänische Gesellschaft für Pressefreiheit verkauft - von Kurt Westergaard handsignierte - Drucke der umstrittenen Mohammed-Karikatur für 250 Dollar das Stück.
Oktober 2009
In Chicago werden zwei Männer verhaftet, die einen Anschlag auf das Gebäude der "Jyllands-Posten" geplant haben sollen.
2. Januar 2010
Ein somalischer Islamist dringt mit einem Messer und einer Axt bewaffnet in Westergaards Haus ein und bedroht den Zeichner. Der Angreifer wird von der Polizei überwältigt und noch am gleichen Tag wegen versuchten Mordes angeklagt.

AFP
26. Februar 2010
Die dänische Zeitung "Politiken" entschuldigt sich in einem Vergleich mit einer Vereinigung von Mohammed-Nachfahren dafür, Muslime mit dem Abdruck der Karikaturen gekränkt zu haben. Dänische Politiker reagierten überwiegend entrüstet auf die Entschuldigung.
September 2010
Ein im Juli festgenommener Verdächtiger, der aus dem Irak stammt, gesteht, einen Anschlag auf die "Jyllandsposten" geplant zu haben. Zuvor hatte die Polizei in Kopenhagen einen anderen Mann festgenommen, der angeblich eine Briefbombe zur "Jyllandsposten" schicken wollte. Am 30. September - exakt fünf Jahre nach der ersten Veröffentlichung - erscheint das Buch von Flemming Rose "Tyrannei des Schweigens". Darin analysiert er die vergangenen Jahre und den Streit um die Cartoons.

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