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Krawalle in Hamburg: Polizei und Demonstranten liefern sich Straßenschlachten

DPA

Die Lage in Hamburg eskaliert. Tausende Menschen wollten für den Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora protestieren. Doch nach Krawallen löste die Polizei die Demonstration auf. Dennoch kommt es weiter zu heftigen Ausschreitungen.

Hamburg - Flaschen, Steine und Böller gegen Polizisten: Nach heftigen Krawallen hat die Polizei die Demonstration zum Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora in Hamburg aufgelöst. Grund seien massive Angriffe auf Beamte gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Die Einsatzkräfte seien mit Steinen, Flaschen und illegaler Pyrotechnik beworfen worden. Zudem seien Baustellenabsperrungen auf die Straße gezogen und ein Drogeriemarkt, in dem sich Kunden befunden hätten, mit Steinen attackiert worden.

Die Polizeisprecherin wies darauf hin, dass Randalierer mit der offiziellen Auflösung der Demonstration nicht mehr unter den Schutz des Versammlungsrechts fielen. Es kommt weiter zu Ausschreitungen. Die Situation sei extrem angespannt, berichtet die "Hamburger Morgenpost" in ihrer Online-Ausgabe. Die Polizei habe die Demonstranten auf einem Bereich von 200 Metern Länge eingekesselt. In der Schanzenstraße brenne "eine Barrikade lichterloh". Später sei auch auf der Reeperbahn die Situation eskaliert.

Eine Augenzeugin beschrieb SPIEGEL ONLINE die Stimmung als "richtig aggressiv". Teilnehmer der Demo seien mit Straßenschildern und Farbbeuteln auf Polizisten losgegangen. Immer neue Einsatzgruppen der Polizei träfen vor Ort ein, um einen Ausbruch der Randalierer aus dem Polizeikessel zu verhindern, berichtete die Zeugin. Der Platz vor der Roten Flora sei mittlerweile komplett geräumt worden. Die Schäden auf der Straße seien gewaltig: herausgerissene Straßenschilder, völlig demolierte Ampeln.

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Eskalierte Großdemo: Krawalle in Hamburg

Einsatzkräfte hatten den Zug der Demonstranten bereits kurz nach Beginn der Proteste um 15 Uhr an der Roten Flora gestoppt, nachdem Polizisten von Randalierern aus dem sogenannten Schwarzen Block mit Böllern und Rauchbomben beworfen worden waren. Dabei kam auch ein Wasserwerfer zum Einsatz.

Zuvor hatten sich rund 7300 überwiegend aus dem linken Spektrum stammende Teilnehmer vor dem besetzten Gebäude im Schanzenviertel versammelt. Die Polizei stuft etwa 5000 Teilnehmer als gewaltbereit ein. Sie ist mit mehr als 2000 Beamten aus verschiedenen Bundesländern im Einsatz.

22 Polizisten verletzt worden, sagte die Polizeisprecherin, Angaben über die Zahl der verletzten Demonstranten lägen bislang nicht vor. Eine Bahnbrücke sei gesperrt worden, nachdem Beamte von dort aus mit Steinen beworfen worden seien. Dadurch sei sowohl der S-Bahn- als auch der Fernverkehr unterbrochen.

Christiane Schneider von der Bürgerschaftsfraktion der Linken warf der Polizei eine eskalierende Taktik vor. Sie sprach von einer heftigen Auseinandersetzung, bei der auch Demonstranten heftig zur Sache gegangen seien. Es habe aber auch eskalierende Polizeieinsätze mit ziemlich brutalen Festnahmen und Schlagstockeinsätzen gegeben.

Aus Sorge vor Ausschreitungen war die gesamte Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt worden. Zwischen 14 und 23 Uhr können Beamte dort ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen, in Gewahrsam nehmen und Platzverweise erteilen.

"Wir wollen Kreativität und keine Gewalt"

Der Protest richtet sich gegen eine mögliche Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums, mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hat. Außerdem geht es um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die Esso-Häuser an der Reeperbahn.

Die Häuser waren am vergangenen Wochenende wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend gefordert, dass der Protest friedlich bleiben sollte. Redner forderten vor der Roten Flora ein Bleiberecht für alle Flüchtlinge, die Abschaffung aller Flüchtlingsunterkünfte und "Wohnungen für alle". "Alles, was sich nicht der ökonomischen Verwertbarkeit fügen will, muss weichen", sagte einer der Redner.

Auch rund 800 Menschen verlangten im Hamburger Stadtteil St. Georg auf einer Kundgebung ein Bleiberecht für afrikanische Flüchtlinge der sogenannten Lampedusa-Gruppe. Vertreter der Flüchtlinge sprachen sich dabei für friedliche Proteste aus. "Wir wollen Kreativität und keine Gewalt", sagte ein Sprecher der Afrikaner.

Am Freitagabend hatten mehr als 300 vermummte Randalierer auf der Hamburger Reeperbahn die Davidwache und davor parkende Polizeiautos mit Steinen beworfen. Bei der Randale waren sieben Streifenwagen so stark beschädigt worden, dass sie abgeschleppt werden mussten, wie die Polizei mitteilte.

Die Hintergründe der Ausschreitungen sind unklar, der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei war am Freitagabend mit 150 Beamten ausgerückt, um den Bereich um die Davidwache zu sichern. Die Randalierer zogen daraufhin weiter und verteilten sich in den angrenzenden Straßenzügen. Dort setzten sie Mülltonnen in Brand und warfen die Scheiben einer Sparkassenfiliale ein.

wit/dpa

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Aufruf zu friedlichem Protest
noalk 21.12.2013
"Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen." --- Das kann ich mir nicht vorstellen. Was ich mir jedoch vorstellen kann: Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend dazu aufgerufen, wenn, dann friedlich zu protestieren. Für mich ist das ein großer Unterschied.
2. optional
middleline 21.12.2013
Ich schätze 100% der Polizisten als gewaltbereit ein. SPON wird diesen Kommentar wohl zensieren, aber vieleicht denkt der Zensor wenigstens nach was der Sinn des Polizeiaufmarsches ist, wenn icht Gewalt.
3.
regensommer 21.12.2013
Man darf froh sein dass sich überhaupt noch was in dieser Republik rührt. Ein Stückchen Bewegungsfreiheit nach dem anderen wird genommen. Und wenns jemand merkt ist dort sofort "Gefahrenzone". Achtung, der Bürger hat ein anliegen - gefährlich.
4. der schwarze Mob ist auch nicht mehr das...
politik-nein-danke 21.12.2013
...was er mal war....die brauchen mittlerweile 40 Minuten um ne Demo zu eskalieren.....und das in Zeiten von Twitter und Handys....
5.
jojo1987 21.12.2013
Zitat von middlelineIch schätze 100% der Polizisten als gewaltbereit ein. SPON wird diesen Kommentar wohl zensieren, aber vieleicht denkt der Zensor wenigstens nach was der Sinn des Polizeiaufmarsches ist, wenn icht Gewalt.
Der Sinn ist, das Gewaltmonopol des Staates aufrecht zu erhalten. Und wenn es nicht anders geht, dann eben auch mit Wasserwerfern. Anders ist ein Zusammenleben leider nicht möglich. Würde die Mehrheit der Bürger den Forderungen zustimmen, die die "Demonstranten" hier stellen, hätten sie vermutlich entsprechende Parteien gewählt. Haben sie aber nicht. Dann mit Gewalt und Randale zu versuchen, irgendetwas durchzusetzen, ist einfach nicht in Ordnung.
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