Deutsche Bahn Verspätungsschal wird versteigert

Eine Pendlerin strickte einen Schal, der die Bahnverspätungen des Jahres 2018 darstellen soll. Als ihre Tochter ein Bild davon twittert, wird er zum "Viral-Hit". Jetzt wird er versteigert - die Erlöse sind für die Bahnhofsmission.


Der Bahn-Verspätungsschal wird versteigert. Er war auf Twitter bekannt geworden, weil er die Verspätungen farblich darstellen soll, die die strickende Pendlerin bei ihrem Arbeitsweg im Münchner Umland im Jahr 2018 mitmachen musste.

Jeden Tag strickte die Pendlerin zwei Reihen: Bei weniger als fünf Minuten Verspätung nahm sie graue Wolle, bei fünf bis 30 Minuten rosafarbene und bei einer Fahrt, die mehr als 30 Minuten verspätet war, benutzte sie Rot.

Türstörungen, Weichenstörungen, Schienenersatzverkehr...

Der rote Block in der Mitte entstand während der Sommerferien. Ganze sechs Wochen lang habe die Mutter zwei Stunden statt 40 Minuten pro Fahrt benötigt. Grund war ein Schienenersatzverkehr. Danach: Türstörungen, Weichenstörungen und Verspätungen aus "Zugfolge". Und das alles zum Preis von 175 Euro im Monat. So viel bezahlt die Mutter nach Angaben der Tochter für ihr MVV-Ticket.

Angesichts der vielen Probleme bei der Bahn fand der Schal auf Twitter viele Fans. Zuletzt hatte selbst die Bundesregierung die Bahn ermahnt, Reformen schneller voranzutreiben. Im Juli hatte sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr noch einmal verschlechtert: Nur 72,1 Prozent der Züge waren pünktlich - deutlich weniger als die Zielmarke von 80 Prozent.

Die Einnahmen will die Mutter spenden - und zwar an die Bahnhofsmission. Twitter-Nutzer regten bereits an, dass doch die Deutsche Bahn mitbieten könne. Die aber hat sich bisher aus der Diskussion herausgehalten. Bis zum 14. Januar kann auf Ebay mitgeboten werden, am Montagabend lag das Höchstgebot bei 411 Euro.

In der Beschreibung zu dem etwa 1,50 Meter langen Schal schrieb die Tochter, sie und ihre Mutter seien "total überwältigt von dem positiven Feedback". Als Besonderheit des Versteigerungsobjekts wird angegeben: "Viral-Hit".

Im Video: Eine Woche als Sündenbock - Schaffner bei der Deutschen Bahn

sth

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Stäffelesrutscher 08.01.2019
1.
Wenn man bedenkt, dass man für umgerechnet rund 285 Euro pro Monat die Bahnen und Busse der gesamten Schweiz bekommt, sind die 175 Euro definitiv zu teuer.
stuff 08.01.2019
2. Brillante Visualisierung...
Meine Anerkennung an dieses Werk. Die Bahn sollte PR-mässig besser und schneller reagieren, der guten Frau einen Gutschein geben und den Schal für, sagen wir mal 5000 Euro ersteigern. Nur mal so meine Meinung.
new#head 08.01.2019
3.
Ich verstehe die Aufregung nicht, mit über 71% ist man doch nur ca. 10% unter dem Ziel. Es ist unfassbar, dass ein Unternehmen sich 80% zum Ziel setzt. Das ist die "sich selbst erfüllende Prophezeiung" Warum soll sich jemand anstrengen, wenn von höchster Stelle eine Minderleistung geplant wird. 100% sind sicherlich nicht erreichbar, müssen aber das Ziel sein. Man springt immer nur so hoch wie man muss.
graf koks 08.01.2019
4. 2000 Euro jährlich
2000 Euro jährlich für ein Nahverkehrsticket mit massiven Leistungseinschränkungen? Das nenne ich Werbung für klimabewusstes Verhalten.
ulrics 08.01.2019
5. Ab 1 Minute
Die Verwendung von Grün für Fahrten ohne Verspätung, also kleiner eine Minute, hätte vermutlich nicht gelohnt.
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