Vergewaltigte Frauen: Deutsche Bischöfe erlauben "Pille danach" 

Erzbischof Zollitsch im Trierer Dom: Einigung über den Umgang mit der "Pille danach" Zur Großansicht
dapd

Erzbischof Zollitsch im Trierer Dom: Einigung über den Umgang mit der "Pille danach"

Katholische Kliniken dürfen künftig vergewaltigten Frauen die "Pille danach" verschreiben. Das hat die Deutsche Bischofskonferenz in Trier entschieden. Mit einer Einschränkung: wenn das Medikament die Befruchtung verhindert und keine abtreibende Wirkung hat.

Trier - Kaum ein Thema hatte in den vergangenen Wochen für solche Kritik an der katholischen Kirche gesorgt wie der Umgang zweier katholischer Kliniken mit einer Frau, die vergewaltigt worden war - und die man abwies, weil die Ärzte laut einer Richtlinie die "Pille danach" nicht verschreiben durften. Der Kölner Kardinal Meisner hatte sich daraufhin geäußert und das Medikament in seinem Bistum erlaubt - nun hat sich die Deutsche Bischofskonferenz seiner Meinung angeschlossen.

Katholische Krankenhäuser in Deutschland dürfen vergewaltigten Frauen die "Pille danach" verordnen, wenn sie die Befruchtung verhindert und nicht abtreibt. Darauf haben sich die deutschen Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier geeinigt. Medikamente, die den Tod des Embryos bewirken, dürften weiterhin nicht angewendet werden, teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit.

Der Kurswechsel in der katholischen Kirche bei der "Pille danach" sei möglich geworden, weil neue Präparate mit anderen Wirkweisen auf den Markt gekommen seien, teilte die Bischofskonferenz weiter mit. Es gebe die Notwendigkeit, neben ersten Stellungnahmen die weiteren Zusammenhänge "mit den in Rom Zuständigen vertieft zu ergründen".

Die Entscheidung wird an der Basis getroffen - in den Kliniken

Außerdem teilten die Bischöfe mit, sie vertrauten darauf, dass "in Einrichtungen in katholischer Trägerschaft die praktische Behandlungsentscheidung auf der Grundlage dieser moraltheologischen Vorgaben erfolgt." Es ist nicht weniger als das Eingeständnis der Bischöfe, dass die Entscheidung über die Verschreibung des Medikaments natürlich an der Basis in den Kliniken getroffen wird - und nur bedingt überprüft werden kann.

Entscheidend für den Kurswechsel der Bischöfe und ihre moraltheologische Bewertung des Medikaments war, dass die "Pille danach" vor der Befruchtung wirkt.

Vor Beginn der Frühjahrskonferenz hatte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Erzbischof Robert Zollitsch, für eine geänderte Bewertung des Medikaments ausgesprochen. Er hatte jedoch auch betont, dass die Pille nicht als legitimes Verhütungsmittel oder als Mittel zur Familienplanung angesehen werde.

In Deutschland sind zwei Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen als "Pille danach" auf dem Markt. Die Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wird bereits seit Jahren erprobt und ist in vielen europäischen Ländern rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Das Levonorgestrel hemmt und verzögert den Eisprung, zu einer Schwangerschaft kann es nicht kommen. Ist die Frau schon schwanger, verliert es seine Wirkung. Aus diesem Grund sollten Frauen das Medikament möglichst schnell nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen - zugelassen ist es für einen Zeitraum von bis zu 72 Stunden.

Die zweite "Pille danach", Ellaone, ist seit 2009 auf dem deutschen Markt. Ihr Wirkstoff Ulipristalacetat soll ebenfalls den Eisprung unterdrücken, bis die Spermien abgestorben sind. "Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die 'Pille danach' weder die Befruchtung der Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter", heißt es in einer Stellungnahme des Berufverbands der Frauenärzte.

Allerdings kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass die "Pillen danach" wie auch die Antibabypille die Gebärmutterschleimhaut beeinflussen und die Einnistung einer Eizelle dadurch erschweren.

Nicht verwechselt werden sollten die beiden "Pillen danach" mit sogenannten Abtreibungspillen. Diese werden eingesetzt, wenn eine Frau schon schwanger ist, und hindern die befruchtete Eizelle daran, sich weiter in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Hierbei handelt es sich um einen Schwangerschaftsabbruch, nicht - wie bei der "Pille danach" - um Verhütung.

han/dpa

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