Deutsche Bischöfe Materieller Verzicht geht nicht

Verzicht? Ohne mich! Deutsche Bischöfe sind offenbar nicht bereit, dem Papst-Aufruf zu materiellen Einschränkungen zu folgen. Immerhin geht es um 190 Millionen Euro im Jahr.

Erzbischof Zollitsch: "Nichts mit der Abschaffung konkreter finanzieller Ansprüche zu tun"
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Erzbischof Zollitsch: "Nichts mit der Abschaffung konkreter finanzieller Ansprüche zu tun"


Deutschlands katholische Bischöfe zeigen bislang offenbar keine Bereitschaft, dem Papst-Aufruf zu materiellem Verzicht zu folgen. Verhandlungen zwischen Bistümern und Bundesländern über die jährlichen Entschädigungszahlungen für Enteignungen von Kirchenbesitz im 19. Jahrhundert bleiben bis heute erfolglos.

Es sei "alles noch in der Diskussion", heißt es bei den Grünen im Saarland. Sie hatten im Sommer 2010 angekündigt, die jährlichen "Dotationen" des Saarlands an die Kirchen zum Thema zu machen.

Auch in Schleswig-Holstein gibt es bislang kein Ergebnis, obwohl Landesvertreter seit Dezember bereits fünfmal mit den Kirchen über eine Kürzung der Staatsgelder für die Bistümer diskutierten. Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hatte vor über einem Jahr gefordert, die Landesleistungen für die Kirchen sollten wenigstens um zehn bis 15 Prozent sinken.

In Niedersachsen sollten die Kirchengelder Thema einer Sparklausur der Landesregierung werden. Bislang fanden lediglich informelle Gespräche mit Kirchenvertretern statt.

Auch in anderen Bundesländern werden die Dotationen klaglos weitergezahlt: Pro Jahr kassieren die katholischen Bistümer von den Ländern insgesamt über 190 Millionen Euro als Ausgleich für die Säkularisierung.

Papst Benedikt XVI. hatte bei seinem Deutschland-Besuch verlangt, die Kirche müsse sich "entweltlichen". Es sei besser, sie wäre "von ihrer materiellen und politischen Last befreit". Die "Enteignung von Kirchengütern" vor 200 Jahren habe in der Kirche zur "Läuterung" wesentlich beigetragen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte daraufhin erklärt, dies habe "nichts mit der Abschaffung von konkreten finanziellen Ansprüchen zu tun".

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 227 Beiträge
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R Panning, 01.10.2011
1. x
Zitat von sysopVerzicht? Ohne mich!*Deutsche Bischöfe sind nach SPIEGEL-Informationen offenbar nicht bereit, dem Papstaufruf zu materiellen Einschränkungen*zu folgen. Immerhin geht es um 190 Millionen Euro im Jahr. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,789517,00.html
Na was für ein "Wunder"...
crocodil 01.10.2011
2. Kirche
Ist doch nichts neues- seit Hunderten von Jahren scheffelt die Kirche, (wie andere Religionen auch), um den "Gläubigen" vorzugaugeln in den Himmel aufzufahren. Kommt eine Fliege, die gefressen wird, auch in den Himmel? Es gibt bestimmt einige Bibelverse, die dem Reichtum der Kirche widerspricht. Habe kurzfristig nur diesen gefunden: Jesus Christus: Niemand lebt davon, daß er viele Güter hat." (Matthäus 7,7)
Feerix 01.10.2011
3. Warum der Staat?
Warum zahlen denn nicht die Nutznießer der Enteignung? Wie zum Beispiel Thurn und Taxis? Üblicherweise gibt es auch einmalige Entschädigungssummen. Soll doch die Fürstin ihre Lamborghinis abtreten. :-P
burgundy 01.10.2011
4. Insofern die Kirche einem gesellschaftlichen Auftrag nachkommt,
mit sozialen Hilfswerken, Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, hat sie auch Anspruch auf Unterstützung durch die Gesellschaft. Persönlicher Besitz war schon immer ein Streitpunkt innerhalb der Kirche, immer wieder gab es inner- und (im Gefolge) ausserkirchliche Gegenbewegungen gegen die Verweltlichungstendenzen in der Kirche. Als Beispiele können genannt werden: die zisterziensische Bewegung und die Reformation. In der Tat: Persönlicher Besitz gehört eben nicht zu den Eigenschaften des Christen. Der Papst, der die Kirche auf ihre Wurzeln zurückzuführen versucht (und er meint dies, zumindest intellektuell, wohl redlich) steht mit seinen Worten in der Nachfolge Christi. Dies und nichts anderes erwartet man von einem Papst. Seine Schafe, zu denen auch die Bischöfe gehören, sind aufgerufen, ihm zu folgen. Dies ist in der realen Welt immer schwierig, und selten kann man die Radikalität Christi nachleben, der gefordert hat, die Toten ihre Toten begraben zu lassen. In der Tat ist nun einmal die Kirche eine Institution, mit deren zukünftiger Existenz Christus selbst in ihrer weltlichen Funktion wohl nicht gerechnet hat. Er hat die Funktion der Kirche einzig in der Verbreitung des Wortes Gottes gesehen. Dennoch, die Kirche als weltlicher Faktor existiert nun einmal und muss daher auch ihre weltlichen Interessen wahrnehmen wie alle weltlichen Institutionen, denn sonst geht sie unter. Christus hätte den Mut zum zeitlichen Untergang gefordert, um das ewige Leben zu erlangen, war seine Glaubenssicht doch rein individuell. Eine Gemeinschaftseinrichtung wie die Kirche wird diesen Mut wohl nicht aufbringen können. Der Glaube ist eben doch zu schwach... Aber das ist menschlich.
gerd33 01.10.2011
5. Woher hat die Kirche ....
... eigentlich die Reichtümer, die vorvoriges Jahrhundert dem Staat übereignet wurden und weswegen heute noch Entschädigungen gezahlt werden?? Oder hat die Kirche in früheren Jahrhunderten diese reichtümer, Ländereien etc. dem einfachen Volk abgepresst, durch Söldnerheere jeden Widerstand brechen lassen und die Verursacher der Maßnahmen -z.B. Großinquisitoren- obendrein noch heilig gesprochen, was diese bis heute auch noch sind!
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