Bischöfe diskutieren Zölibat "Es darf keine Tabuthemen geben"

Sollen Geistliche auf Sex und Partnerschaft verzichten? Oder lässt sich der Zölibat lockern? Die Deutsche Bischofskonferenz tut sich immer noch schwer mit der Frage - will aber zumindest darüber sprechen.

Bischöfe bei der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda
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Bischöfe bei der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda


Die deutschen Bischöfe wollen nach der Studie zum sexuellen Missbrauch durch Priester auch eine offene Diskussion über die katholische Sexualmoral führen. "Es darf keine Tabuthemen geben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda.

Mit Reformen tut sich die Deutsche Bischofskonferenz jedoch schwer. Sie sagte lediglich zu, die besonders umstrittene Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit, den Zölibat, und die katholische Sexualmoral erörtern zu wollen.

Wissenschaftler hatten in einer Studie zum Ausmaß des Missbrauchs problematische Strukturen benannt, die sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche auch heute noch begünstigen könnten. Sie nannten beispielsweise die ausgeprägte Macht Einzelner, den Zölibat sowie einen innerkirchlich "problematischen Umgang" mit dem Thema Sexualität - vor allem mit der Homosexualität.

Die Kirche wolle klären, "wer über die Täter hinaus" institutionell Verantwortung für den Missbrauch in den vergangenen Jahrzehnten getragen habe, hieß es. Wie das aufgearbeitet werden soll, ist jedoch unklar. Statt eine Untersuchung auf nationaler Ebene zu konzipieren, bleibt das Vorgehen einzelnen Diözesen überlassen.

Kritiker bezeichneten die Ankündigungen als nicht ausreichend. Die Absichtserklärungen und Willensbekundungen der Kirche seien "butterweich", kritisierte die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche". Es bleibe offen, wann und wie die Aufarbeitung beginnen solle. Der Sprecher des Betroffenenverbands "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, kommentierte: "Diese dürftigen Ankündigungen lassen uns fassungslos zurück."

"Es darf kein Tabuthema sein"

In der Studie sind jahrzehntelange Verbrechen penibel dokumentiert. Zwischen 1946 und 2014 sollen mindestens 1670 katholische Geistliche 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben - und das sei nur die nachweisbare "Spitze des Eisbergs", hieß es.

Marx sagte, die Studie sei die Grundlage einer nun anstehenden Aufarbeitung und einer verstärkten Präventionsarbeit. Er kündigte ein bistumsübergreifendes, "verbindliches" Monitoring zur Vorbeugung von Missbrauchsfällen an. Der für Missbrauchsfragen zuständige Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, es solle auch ein Ranking geben, bei dem ein Vergleich einzelner Bistümer möglich sei. "Das war bisher nicht so gewünscht, aber diese Zeit ist vorbei", sagte er.

Die Kirche kündigte zudem an, mehr als bisher die Begegnung mit Missbrauchsopfern zu suchen. Neben Ansprechpartnern in den einzelnen Bistümern solle es künftig auch unabhängige Anlaufstellen geben.

bbr/AFP/dpa



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