Hochwasser an der Elbe: Die Katastrophe von Magdeburg

Von , Magdeburg

Die Elbflut bahnt sich ihren Weg nach Norden, bringt Zerstörung und Chaos. Besonders kritisch ist die Situation in Magdeburg - noch nie stand das Wasser hier höher. Nun wird der erste Stadtteil evakuiert.

Von weit oben wird das Ausmaß dieser Flutkatastrophe besonders deutlich: Von manchen Wäldern in Sachsen-Anhalt sind nur noch Wipfel zu sehen, von Strommasten ragen nur die Spitzen aus dem braunen Meer. Brücken sind überschwemmt, Siedlungen geflutet. Selbst fernab der angeschwollenen Elbe werden die Konsequenzen deutlich: Auf den Feldern und Wiesen haben sich dicke Pfützen gebildet, das Grundwasser ist gestiegen, es drückt sich mit Gewalt nach oben, bahnt sich seinen Weg durch das Erdreich. Das ganze Land ist triefend nass.

Und während in anderen Teilen Deutschlands die Aufräumarbeiten beginnen, droht Magdeburg die schlimmste Flutkatastrophe aller Zeiten. Am Abend erreichte die Elbe hier einen Pegel von 7,41 Metern - normal sind zwei, vorhergesagt waren maximal 7,20. Aber es soll noch schlimmer kommen.

"Die nächsten Tage werden extrem und schwierig", sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper. Die Lage sei so kritisch wie noch nie. Die Rede ist vom "Jahrtausendhochwasser".

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Hochwasser in Magdeburg: Und dann kam die Flut
Sie können es nicht fassen

Wer erleben will, wie schockiert die Magdeburger von diesem Stück Geschichte sind, braucht nur über die Neue Strombrücke in der Altstadt zu gehen, die über die Elbe führt. Autofahrer verlangsamen hier ihr Tempo, den Kopf zur Seite gereckt. Fahrradfahrer halten an. Auf der Straße rauschen in einem fort Rettungswagen entlang, die Sirenen sind das Hintergrundgeräusch der Stadt. Dutzende Fußgänger haben sich an das Brückengeländer gelehnt, sie blicken hinab auf den gewaltigen Fluss, der sich unter ihren Füßen vorwärtsschiebt. Magdeburg, eine Stadt im Ausnahmezustand.

"2002 standen wir auch schon hier und haben geguckt", sagt ein älteres Paar, das auf dem Weg zum Einkaufen auf der Brücke stehengeblieben ist. Aber diese Höhe, diese Masse, das hätten sie noch nie erlebt. "Das Schlimmste ist ja, dass man nichts kontrollieren kann."

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Hochwasser: Satellitenbilder aus dem Krisengebiet
Brigitte S. kommt jetzt jeden Tag auf die Brücke, um Fotos zu machen. All die überschwemmten Spielplätze, die Häuser, die Sportanlagen - was das wohl alles kosten wird? "Das ist so was von traurig." Dario Bianchet verkauft am Fuß der Brücke sein Eis, nur wenige Meter von den Sandsäcken entfernt. Vor der Flut seien viele Menschen zum Feiern hergekommen, mit Bier in der Hand und guter Laune, sagt der Italiener. Jetzt kommen sie mit Kameras und trüben Mienen.

Die Manager der Katastrophe sitzen im Innenministerium von Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Seit Dienstag arbeitet hier der Krisenstab des Landes, 24 Stunden pro Tag. Hier laufen alle Informationen zusammen: Welche Straße ist wegen Überschwemmung gesperrt? Welcher Deich hat einen Riss? Welche Stadt muss evakuiert werden? Welcher Landkreis hat Katastrophenalarm ausgelöst?

Am Samstag sprechen die Mitarbeiter von einer "heißen Phase", die Lage spitzt sich zu. Am Mittag ist klar, dass die Stadt Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld geräumt werden muss. In Magdeburg ist es ein Altenpflegeheim, am Abend trifft es den Stadtteil Rothensee - hier sind 2900 Menschen betroffen. Das Wasser der Elbe sei mittlerweile so hoch gestiegen, dass es über eine Hauptstraße in die tiefer gelegene Siedlung strömt, sagte Oberbürgermeister Trümper. Die Menschen sollten ohne Panik ihre Häuser verlassen, aber so schnell wie möglich. Sie müssten sich für mindestens eine Woche eine andere Unterkunft suchen. "Wir wissen nicht, wie viel Wasser kommen wird."

Derzeit sind rund 3000 Einsatzkräfte in der Stadt, darunter allein 1000 Bundeswehrsoldaten. Am Sonntagabend wird der Höhepunkt der Flut erwartet, die Elbe soll bis dahin auf 7,45 Meter angewachsen sein. Die Katastrophe ist noch lange nicht überstanden.


Eine ganze Sendung zur Flut heute bei SPIEGEL TV , 22.15 Uhr auf RTL

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insgesamt 156 Beiträge
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1. Spenden
93160 08.06.2013
Gibt es eine Spendenliste wo Auslaender nach Deutschland helfen koennten? In Bruessel hat man schon geschrien, laut le Monde, es gibt kein Geld da keines da ist. Unmoeglich so etwas . Fuer die Banken gibt es immer Geld. Meine Gedanken sind bei all den Opfern die ihre Existens aufgeben muessen. Hier sollte dieses Friedensnobelgescheiss Europa doch zur Hilfe aufrufen. Ich fasse es einfach nicht.
2. Solange
austin mini 08.06.2013
...da noch ein Eisverkäufer steht, kann das ja eigentlich noch nicht so entsetzlich sein.
3. Dieses mal wars eben noch schlimmer
cccatch 08.06.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Elbflut bahnt sich ihren Weg nach Norden, bringt Zerstörung und Chaos. Besonders kritisch ist die Situation in Magdeburg - noch nie stand das Wasser hier höher. Nun wird der erste Stadtteil evakuiert. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/die-elbflut-erreicht-magdeburg-a-904580.html
Dieses mal wars eben noch schlimmer als 2002 , die Mulde und die Saale und die Bode und und führen auch Hochwasser , das war 2002 nicht so , alle genannten Flüsse oder Bäche münden eben in die Elbe , die Elbe führt selbst schon Hochwasser , obwohl die Elbe ja noch nicht begradigt wurde bisher ... Gott sei Dank ...sonst wärs womöglich noch schlimmer ... hier im Havelland werden morgen oder am Montag die Polder geflutet , es gibt diese Polder hier seit Jahrhunderten , die Landwirte , die diese ca. 10000 Hektar der Polderflächen bewirtschaften , werden einen Totalausfall der Ernte hinnehmen müssen , aber immerhin gibt es diese Polderflächen hier noch ! Matthias
4. Was wurde in 10 Jahren gemacht ?
M.Rabe 09.06.2013
Viele der Gefahren und Katastrophen, die heute erneut durchlebt werden, wurden in 2002 bereits durchlebt. Manches ist änderbar, anderes nicht. Manches wurde geändert in den letzten 10 Jahren Es bleibt die Frage, wieso an manchen Stellen mehr als 10 Jahre nichts passiert ist und wo das dafür vorgesehene Geld geblieben ist. Michael Rabe - Obercarsdorf
5. Tja Herr Trümper,
Zwergnase 09.06.2013
Hätten Sie den Leuten von Anfang an reinen Wein eingeschenkt, dann wäre das jetzt alles halb so wild. Ich hoffe Sie müssen Ihren Stuhl räumen, könnte aber wetten das Sie sich Pattex an den Hintern geschmiert haben.
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