Die Queen im Gespräch: "Charles ist ein Baby"

Die Queen feiert ihr 60. Thronjubiläum, da ist die Zeit für ein Interview knapp. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE verrät ihre Doppelgängerin Jeannette Charles, warum sie nicht nackt bei Borat mitspielen wollte, aber die "Nackte Kanone" ihr größter Erfolg wurde.

Der Doppelgänger-Fotograf: "Amy Winehouse lebt im Schwarzwald" Fotos
Niklaus Spoerri

SPIEGEL ONLINE: Liebe Mrs. Charles, die Deutschen…

Charles: Lebt Rudi Carrell noch? Ich war sehr gern bei ihm in der Show, fünfmal. Er hat mich interviewt und wir haben kleine Sketche zusammen gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Die Deutschen haben eine Schwäche für…

Charles: Rudi Carrell war ein ganz Großer. Vor ein paar Jahren rief mal so ein Typ bei mir an, Sacha Baron irgendwas…

SPIEGEL ONLINE: …Cohen?

Charles: Genau. Der drehte einen Film, in dem ich im Nachthemd auftreten und dann die Hüllen fallen lassen sollte. Carell hätte so was nie verlangt. Da habe ich nein gesagt. Mein Respekt für die Queen ist zu groß dafür.

SPIEGEL ONLINE: Die Deutschen haben eine Schwäche für die Königliche Familie. Verstehen Sie....

Charles: Wissen Sie, was ich nicht verstehe? Warum die sich alle ständig scheiden lassen müssen. Das hätte ich nicht erwartet, im Mittelalter wäre das nicht passiert. Damals hätten sie vielleicht nebenbei andere Partner gehabt, aber getrennt hätten sie sich nicht. Wenn Charles sich nicht wie ein Baby aufgeführt hätte, hätte er Camilla gleich geheiratet. Die beiden waren nun mal bestimmt füreinander.

SPIEGEL ONLINE: Und Kate?

Charles: Ach, sie ist einfach perfekt, bezaubernd. Sarah Ferguson hätte sich mal ein Scheibchen von ihr abschneiden sollen. Aber niemand reicht der Queen das Wasser, sie ist perfekt, einfach unglaublich. Es gibt über sie nichts zu sagen, nichts Schlechtes jedenfalls.

SPIEGEL ONLINE: Das sagen Sie, weil Sie der Queen wie aus dem Gesicht geschnitten sind.

Charles: Ich habe mir diese Rolle nicht ausgesucht. 1971, zum Geburtstag meines Mannes, ließ ich als Geschenk ein Porträt von mir anfertigen, die Fotografin war gleichzeitig Kolumnistin unserer Lokalzeitung. Sie berichtete den Lesern von der großen Ähnlichkeit. Dann rief die BBC an, und kurz darauf brauchte ich eine Agentin. Seitdem bin ich das Lookalike der Queen.

SPIEGEL ONLINE: Die Queen feiert ihr 60. Thronjubiläum. Wie feiern Sie?

Charles: Ich werde dieses Jahr 85 und verlasse das Haus nicht mehr so oft. Aber ich bin froh, dass es der Queen gesundheitlich so gut geht. Ich werde mir die Jubiläumssendungen im Fernsehen angucken. Früher bin ich zu jeder Parade nach London gefahren. Die Zeiten sind vorbei, am Ende dieses Jahres höre ich auf. Es ist mein letztes Jahr als Queen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Queen lebt doch noch.

Charles: Die Queen hat Diener, ich bin allein.

SPIEGEL ONLINE: Dann lassen Sie uns ein wenig zurückblicken. Sie wären beinahe mal umgebracht worden.

Charles: Ja, das war gut! Vielleicht war das damals meine beste Zeit. Ich war in Hollywood, drehte mit Leslie Nielsen die "Nackte Kanone". In dem Film wollte ein Irrer die Queen umbringen, und ich hatte die Ehre, sie zu spielen. Dann kam mein Auftritt bei "Austin Powers in Goldständer" mit Mike Myers, ein netter Typ. An alle Filme kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind ausgebildete Schauspielerin. Waren Sie nicht schnell ziemlich festgelegt?

Charles: Ich habe in meinem Leben nur eine einzige Rolle gespielt, Queen Elizabeth II., aber die sehr gut. Zugegeben, am Anfang hielt ich die Engagements als Doppelgängerin für einen Witz. Das dauert nur eine Woche, vielleicht einen Monat, dachte ich. Es hat dann nie wieder aufgehört. Wissen Sie, das Fernsehen war damals noch nicht so blöd wie heute. Reality-Shows gab es damals noch nicht, kein X-Faktor, sondern nur durchdachte Unterhaltungssendungen wurden damals gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Aber veräppelt haben Sie die Queen doch darin schon auch.

Charles: Ja, in kleinen Sketchen. Stellen Sie sich die Hauptpforte von Buckingham Palace vor. Es ist früher Morgen, kaum Leute auf der Straße, es dämmert noch. Dann geht langsam das schwere Tor des Palasts auf, und ich erscheine als Queen im Nachtgewand. Ich blicke mich kurz um und stelle rasch zwei leere Milchflaschen vor die Tür. Ein Riesenlacher!

SPIEGEL ONLINE: War das ihr Lieblings-Gag?

Charles: Nein, der stammt aus der Spike-Milligan-Show. Ich schlendere als Queen durch London, komme schließlich zum Buckingham Palace, ziehe aus meiner Handtasche eine Pistole und erschieße einen der Wächter. Weil mir sein Gesicht nicht gefällt. Gut, oder?

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach Monty Python.

Charles: Ich bin in deren Beatles-Satire "The Rutles" aufgetreten. Mit Monty Python war ich aber auch mal bei "Saturday Night Live" in New York. Meine Rolle war es, als Queen den ganzen Abend während der Show zu stricken. Am Ende hatte ich dann einen lebensgroßen Affen aus Wolle zusammen. Verrückte Leute waren die.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich in jeder Situation immer gleich als Double zu erkennen gegeben?

Charles: Wenn jemand zu mir herkam und sagte: Sind sie nicht die Queen? Dann sagte ich: Es tut mir aufrichtig leid, aber sie irren sich. Manchmal habe ich's aber auch nicht gesagt.

SPIEGEL ONLINE: Moment mal, Sie haben sich einfach als Queen ausgegeben und ein paar Angriffskriege befohlen?

Charles: Nein, aber wenn kleine Kinder auf mich zuliefen und riefen "Die Queen, die Queen", wissen Sie, was ich dann getan habe? Dann nahm ich ihre Hand, tätschelte kurz ihre Wange, gab ihnen einen Kuss, zwinkerte ihren Eltern zu und entfernte mich. In diesen Momenten war ich für die Kleinen die Queen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich auf die Rolle ihres Lebens vorbereitet?

Charles: Anfangs hatte ich Angst davor, den Mund aufzumachen. Ich wollte sprechen können wie die Queen. Also ging ich zu einem Sprachlehrer, mit dessen Hilfe ich kleine Szenen einstudierte. Die Queen auf einem Empfang, die Queen auf Reisen, die Queen im Gespräch mit Untertanen. Nach acht Wochen hatte ich die Rolle drauf.

SPIEGEL ONLINE: Helen Mirren machte Ihnen im Film "The Queen" 2006 plötzlich Konkurrenz, wie war sie?

Charles: Sie war unfassbar gut. Aber eine Sache stimmte nicht ganz. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber die Queen ist ein bisschen… nein, lassen Sie es mich anders sagen. Die Queen ist nicht dünn. Im Gegensatz zu Helen Mirren.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die Queen jemals persönlich getroffen?

Charles: Ich beantworte diese Frage nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ihr Mann wie Prinz Philip ausgesehen hätte, wären sie fast eine königliche Familie gewesen.

Charles: Wir gingen mal gemeinsam ins Restaurant, man kannte mich dort, und die Kellner behandelten mich wie die Königin. Einer von ihnen sprach meinen Mann mit "Your Royal Highness" an. Er drehte sich zu ihm um und sagte: "I'm not Your Royal Highness. I'm her husband."

SPIEGEL ONLINE: War Ihnen die Ähnlichkeit nicht manchmal auch lästig?

Charles: Am Anfang fühlt es sich großartig an, es ist ein Riesenspaß. Im Alltag merkt man dann, wie anstrengend das werden kann. Sie gehen nur kurz in den Supermarkt was einkaufen für ihre hungrige Familie, und alle starren Sie an. Es ist ja auch nicht so, dass die Queen überall gern gesehen ist auf der Welt. Ich bin dann einfach öfter mal zu Hause geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Queen Elizabeth in den Achtzigern bei einem tragischen Reitunfall ums Leben gekommen wäre, was wäre dann aus Jeannette Charles geworden?

Charles: Dann wäre es aus mit mir gewesen.

Die Fragen stellte Jochen Brenner

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. Daniel Craig
My2Cents 03.02.2012
Ich habe hier einen Kollegen in Frankfurt, der sieht Daniel Craig dermaßen zum verwechseln ähnlich... Nur ist er ca. 20 Jahre jünger. Könnte bei Rückblenden aber problemlos eingesetzt werden. Hab ihm schon mal gesagt, er solle mal beim Double-Casting vorsprechen. Aber nix zu machen... Schade.
2.
Softship 03.02.2012
Lieber SpOn. Wenn Sie nicht zwischen "Life" und "Live" unterscheiden können, sollten Sie solche Interviews nicht führen. Die Sendung heißt Saturday Night Li_v_e (http://de.wikipedia.org/wiki/Saturday_Night_Live)!
3. Dieb
joppo 03.02.2012
Zitat von sysopSeit genau 60 Jahren sitzt Queen Elizabeth II. auf dem Thron. Klar, dass die Zeit für ein Interview knapp ist. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE verrät ihre Doppelgängerin Jeannette Charles, warum ein Leben als Nummer eins nicht immer leicht ist - und wie sie einmal fast umgebracht wurde. Die Queen im Gespräch: "Charles ist ein Baby" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,809947,00.html)
Schones foto von der Queen, so sehen diebe aus!
4. prominente Lookalikes
Demokrator2007 03.02.2012
Zitat von sysopSeit genau 60 Jahren sitzt Queen Elizabeth II. auf dem Thron. Klar, dass die Zeit für ein Interview knapp ist. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE verrät ihre Doppelgängerin Jeannette Charles, warum ein Leben als Nummer eins nicht immer leicht ist - und wie sie einmal fast umgebracht wurde. Die Queen im Gespräch: "Charles ist ein Baby" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,809947,00.html)
Ja die gibt es auch. Ich habe z.B. Thekla Carola Wied immer mit Ingeborg Schöner verwechselt. Und den Kabarettisten Tom Pauls der Erich Honecker so schön stimmlich nachmachen konnte mit John Billingsley aus "2012" von Roland Emmerich Und hier gibt es ganz viele promintente Lookalikes: IMDb: Definitive Celebrity look alike list - a list by majg16 (http://www.imdb.com/list/l55gK9sgo4k/) Ciao DerDemokrator
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