Real Life Superheroes Helden wie wir

Sie nennen sich Mr. Xtreme oder Freedom Fighter und tragen quietschbunte Kostüme: In den USA kämpfen selbsternannte Superhelden gegen Ungerechtigkeit. Die Fotografin Verena Brandt hat sie begleitet.

Verena Brandt

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Im richtigen Leben hat er drei Jobs, und wenn er nicht als Wachmann oder Straßenkehrer arbeitet, schlüpft er in sein Kostüm: grüner Helm, lilafarbener Umhang, Camouflagehose und dicke Schutzbrille. Mr. Xtreme - richtiger Name unbekannt - ist ein Real Life Superhero, ein Held des Alltags, der auf den Straßen San Diegos Menschen helfen und ihr Leben ein wenig besser machen will.

Die Real Life Superheroes sind in Gruppen in vielen US-Großstädten unterwegs, sie tragen kunterbunte, selbst gemachte Kostüme und engagieren sich auf vielfältige Weise für ihre Mitmenschen: Sie verteilen Essen an Obdachlose, sammeln Spenden für Bedürftige, helfen Alten über die Straße, setzen Betrunkene in ein Taxi oder gehen auf nächtliche Patrouille, um Schlägereien zu verhindern.

Die Fotografin Verena Brandt hat einige dieser selbsternannten Superhelden mehrere Wochen lang begleitet, vor allem die Gruppe "Xtreme Justice League" in San Diego, die Mr. Xtreme gegründet hat. Zu ihm nahm sie Kontakt über das Internet auf, bei Facebook sind die Männer und Frauen gut vernetzt und tauschen sich über Aktionen aus.

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Real Life Superheroes: Mit Umhang und Latexanzug

Sie sind ganz normale Menschen, die gewöhnlichen Berufen nachgehen; nur in ihrer Freizeit schlüpfen sie in ihre Rolle und geben sich neue Namen wie Freedom Fighter oder Crimson Fist. Was sie verbindet, ist meist eine Liebe zu Comics: Ihre Kostüme erinnern an bekannte Superhelden, sind aber selbst ausgedacht - das ist Pflicht. "Es ist für sie ein Riesenspaß, die Verkleidungen zusammenzustellen und so auf die Straße zu gehen", sagt Brandt.

Superheld ist nicht gleich Superheld, ihre Motivation ganz unterschiedlich. Die meisten wollen Gutes tun, einen Beitrag leisten und Vorbilder sein. Einige von ihnen haben laut Brandt selbst Ungerechtigkeiten erfahren und wollen andere beschützen. Manchen geht es um die Aufmerksamkeit, andere suchen nach einem Sinn im Leben. Sind die nicht ein bisschen verrückt? "Die, die ich begleitet habe, waren ganz normale, reflektierte Leute", sagt Brandt. "Aber es gibt sicher auch ein paar Spinner und Narzissten darunter."

Auf der Suche nach einer Aufgabe

Die Fotografin war neun Wochen lang mit verschiedenen Real Life Superheroes unterwegs: Sie war dabei, wenn sie einen Streit schlichteten, einem Obdachlosen halfen oder ein umgefallenes Straßenschild wieder aufstellten. "Die meiste Zeit passierte aber nichts", sagt Brandt. "Wir sind oft stundenlang durch die Straßen gerannt auf der Suche nach einer Aufgabe." Das, was die Real Life Superheroes wirklich machen, gleicht eher der Tätigkeit eines Sozialarbeiters, als der eines Superhelden - denn dafür gibt es die Polizei.

Diese duldet laut Brand die verkleideten Männer und Frauen meist - solange sie sich nicht in ihre Arbeit einmischen und nicht ihre Aufgaben übernehmen. Doch nicht alle halten sich daran, manche der selbsternannten Ordnungshüter stellen sich über das geltende Gesetz - und bringen sich damit selbst in Gefahr. Wer bei der Xtreme Justice League mitmachen will, muss an Selbstverteidigungs- und Deeskalationskursen teilnehmen, doch ansonsten gibt es keine spezielle Ausbildung.

Einige sehen die Superhelden kritisch, halten sie für Soziopathen, doch die meisten Mitbürger würden positiv auf sie reagieren, sagt Brandt. "In San Diego haben sie eine gewisse Berühmtheit erreicht und haben schon einige Fans."

Brandt selbst ist noch nie in eines der Kostüme geschlüpft: "Ich wurde gefragt, ob ich nicht auch eine Gruppe in Berlin gründen will. Da musste ich aber leider ablehnen", sagt die Fotografin. "Im nüchternen Deutschland würde das einfach nicht funktionieren. Die USA ticken da einfach ein bisschen anders."

Video: Mangas, Elfen, Superhelden

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