Kampagne für Missbrauchsopfer Mit Disney-Prinzessinnen gegen den Inzest

Vor sexuellem Missbrauch ist niemand sicher, auch nicht die Prinzessin aus dem Disney-Film: Das ist die Botschaft des Künstlers Saint Hoax, der mit einer Kampagne vor allem Opfer von Inzest und familiärem Missbrauch ansprechen und für mehr Bewusstsein werben will.

Princest Diaries/ Saint Hoax

London - Es gibt ein paar traurige Statistiken zu sexuellem Missbrauch. Eine davon lautet: Die Mehrzahl der Täter stammt aus dem direkten Umfeld der Opfer. Es sind Väter oder Mütter, Onkel oder Tanten, Freunde, Bekannte, Schulkameraden oder Arbeitskollegen.

Diese Nähe bedeutet für missbrauchte Kinder nicht nur unsägliche Schmerzen und lebenslange Qual, sondern auch einen existentiellen Vertrauensverlust: Die Familie oder Wahlfamilie, die sie schützen sollte, verrät sie.

Um dieses Verbrechen an der Kinderseele zu illustrieren, hat sich der Künstler Saint Hoax jetzt ungewöhnliche Heldinnen ausgesucht: Weibliche Disney-Kultfiguren, die von ihren Zeichentrick-Vätern alles andere als unschuldig berührt werden.

So muss sich Ariel die Meerjungfrau eines aufdringlichen Tritons erwehren, auch Prinzessin Jasmin aus "Aladdin" sieht alles andere als glücklich aus, als sie vom alten Sultan geküsst wird. Die schöne Aurora aus "Dornröschen" schließlich scheint den Himmel um Hilfe anzuflehen, als der bärtige König Stefan seine Lippen auf ihre presst. Unter jedem Bild ist zu lesen: "46 Prozent aller Minderjährigen, die vergewaltigt werden, sind Opfer von Familienmitgliedern."

"Ich habe geweint"

Er wolle vor allem Mädchen erreichen, die Opfer von Inzest werden, sagte der Künstler aus dem Nahen Osten dem britischen "Independent". Die Idee sei ihm gekommen, nachdem eine sehr enge Freundin ihm erzählt habe, dass sie von ihrem Vater im Alter von sieben Jahren vergewaltigt worden war. "Es brauchte 14 Jahre, bis sie überhaupt in der Lage war, über diese traumatische Erfahrung zu reden", berichtete er. "Diese Geschichte hat mich bis in die Grundfesten erschüttert."

Disney hat die Kampagne nicht autorisiert. Der Künstler ist sich allerdings sicher, dass die Grundidee nicht mit den Werten des Unternehmens kollidiert, das doch Kindern Hoffnung vermitteln wolle. Nicht jedem gefiel allerdings die provokante Idee des Künstlers: "Disney sollte ihn anzeigen. Das ist einfach total FALSCH - die geliebten klassischen Figuren zu nehmen und sie so zu nutzen!", empörte sich ein User auf Yahoo.

Am Donnerstag vergangener Woche gingen die "Princest Diaries" erstmals auf der Website des Künstlers online. Ein Mädchen habe sich gemeldet und erklärt, es werde seinen Vater wegen sexuellen Missbrauchs anzeigen. "Ich habe geweint", so Saint Hoax. "Wenn die Poster das Leben eines einzigen Menschen verändern können, dann hat es sich gelohnt."

Auch sonst wird das Prinzessinnen-Motiv von Saint Hoax - der anonym bleiben will - ordentlich strapaziert: So müssen auf seiner Website Schneewittchen und Co. im Namen der gleichgeschlechtlichen Liebe in einer Animation auch mit Madonna um die Wette knutschen. Und Aladdins Jasmin bekommt als Ausländerin in Großbritannien kein Visum.

ala

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