Domspatzen Papstbruder Ratzinger verteilte Ohrfeigen bei Chorproben

Georg Ratzinger hat eingeräumt, in seiner Zeit als Chorleiter bei den Regensburger Domspatzen Schüler geohrfeigt zu haben. Von den Prügel-Praktiken im Internat habe er zwar gehört, das Ausmaß aber nicht erkannt. Der Papstbruder bekräftigte, von sexuellem Missbrauch nichts gewusst zu haben.

Georg Ratzinger (2009): "Ich war innerlich erleichtert"
dpa

Georg Ratzinger (2009): "Ich war innerlich erleichtert"


Regensburg - Im Zuge der Missbrauchsvorwürfe gegen kirchliche Einrichtungen hat nun auch Papstbruder Georg Ratzinger eingeräumt, Zöglinge geohrfeigt zu haben. Der frühere Regensburger Domkapellmeister gab an, bis zum Ende der siebziger Jahre in Chorproben selbst Ohrfeigen verteilt zu haben. Doch habe er nie jemanden "grün und blau" geschlagen, sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Zur Begründung seiner damaligen Verhaltensweise sagte der langjährige Chorleiter: "Früher waren Ohrfeigen einfach die Reaktionsweise auf Verfehlungen oder bewusste Leistungsverweigerung." Doch sei er froh gewesen, als zu Anfang der achtziger Jahre körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber verboten wurden. "Daran habe ich mich striktissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert", so Ratzinger.

Er bekräftigte zudem, von den bekannt gewordenen Fällen sexuellen Missbrauchs bei den Domspatzen nichts gewusst zu haben - auch nicht gerüchteweise.

Von den Prügel-Praktiken in der Internatsvorschule der Domspatzen habe er zwar von einigen seiner Sänger erfahren. Allerdings sei ihm "das Ausmaß dieser brachialen Methoden von Direktor M." nicht bekannt gewesen, so Ratzinger. "Wenn ich gewusst hätte, mit welch übertriebener Heftigkeit er vorging, dann hätte ich schon damals etwas gesagt."

Ratzinger war von 1964 bis 1994 Domkapellmeister in Regensburg. Als der Missbrauchsskandal bei den Domspatzen in der vergangenen Woche bekannt wurde, geriet auch der 86-Jährige unter Druck. "Warum der Papstbruder Georg Ratzinger, der seit 1964 Domkapellmeister war, davon nichts mitbekommen haben soll, ist mir unerklärlich", sagte der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink dem SPIEGEL. Im Regensburger Internat der Domspatzen, in dem er bis 1967 lebte, habe ein "ausgeklügeltes System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust" bestanden.

hut/dpa/apn

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