Brandschutz Dortmund räumt riesigen Hochhauskomplex

Die Feuerwehr in Dortmund will einen großen Hochhauskomplex mit mehr als 400 Wohnungen räumen. Das diene dem Schutz der Mieter, heißt es von den Behörden. Knapp 800 Menschen müssen raus.

DPA

Aus Brandschutzgründen will die Feuerwehr in Dortmund die Bewohner eines großen Hochhauskomplexes in Sicherheit bringen. Die Anlage mit rund 450 Wohnungen müsse zum Schutz der dort lebenden Mieter geräumt werden, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die Evakuierung des Komplexes Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld ist laut Krisenstab unumgänglich. Die Tiefgarage verfügt demnach über keinen Brandschutz. Durch Schächte mit direkter Verbindung nach oben könne sich im Brandfall schnell Qualm ausbreiten, Rettungswege fehlten. Ein Umbau ist aus Sicht der Verwaltung kompliziert.

Knapp 800 Menschen müssen ihre Wohnungen räumen. "Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden", sagte Dortmunds Planungsdezernent Ludger Wilde.

Brandschutzgenehmigung wegen Umbau 2015 erloschen

Viele Mieter haben den Hochhauskomplex bereits verlassen. Mehr als hundert Menschen standen um das Haus und warteten auf weitere Unterstützung, wie auch die Aufnahmen eines Reporters der "Ruhr Nachrichten" zeigen:

Für die erste Nacht sollen die Betroffenen in der Helmut-Körnig-Leichtathletikhalle unterkommen, Helfer bauen rund 500 Feldbetten auf. "Danach werden bedarfsgerechte Unterbringungen gefunden", teilte die Stadtverwaltung mit. Zur Frage nach den Kosten der Evakuierung sagte Wilde: "Jetzt geht der Mieterschutz vor."

Der Mieterverein Dortmund bezeichnete die Räumung als dramatisch. Viele Instandhaltungsmaßnahmen seien in dem Haus vernachlässigt worden, sagte Geschäftsführer Rainer Stücker. Eine Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht.

Fotostrecke

9  Bilder
Hochhaus-Räumung in Dortmund: Abrupter Auszug

Eigentümer des Hauses ist die Berliner Intown GmbH. Ihr gehört auch ein im Sommer evakuiertes Hochhaus in Wuppertal. Dessen Bewohner mussten ihr Zuhause wegen Brandschutzmängeln für mehrere Wochen verlassen. Dies geschah, nachdem im Londoner Grenfell Tower bei einem Hochhausbrand im Juni mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Dortmunder Komplex war laut Stadtverwaltung noch 2015 kontrolliert worden. Danach soll es Umbauten des Eigentümers gegeben haben. Damit habe der Bau die Brandschutzgenehmigung verloren, sagte Wilde. Der Rückbau der Veränderungen sei anspruchsvoll.

Das Bundesbauministerium hatte angekündigt, es wolle prüfen, ob in Deutschland andere Gebäude einem ähnlichen Brandrisiko ausgesetzt sind. Die Bauministerien von Bund und Ländern hatten sich eine bundesweite Datenbank zum Ziel gesetzt.

apr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.