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Verräterische Spuren im Abwasser: London ist Hauptstadt des Kokain-Konsums

Stichproben im Abwassersystem von 42 europäischen Großstädten zeigen: In London und Antwerpen wird am meisten Kokain konsumiert, im Osten des Kontinents vor allem Crystal Meth. In Dresden ist der Wert besonders hoch.

Hamburg - Londoner nehmen das meiste Kokain in Europa - und das meistens dienstags. Das geht aus dem aktuellen Drogenreport für Europa hervor. Für den Bericht hat das "European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction" (EMCDDA) die Abwassersysteme von 42 Städten untersucht. Demnach finden in westlichen und manchen südlichen Städten Kokain und Ecstasy den höchsten Absatz.

Aus den Stichproben, die in einer Woche in 2013 genommen und getestet wurden, geht hervor, dass das Abwasser in der englischen Hauptstadt 711 mg Benzoylecgonin, die Hauptsubstanz in Kokain, auf 1000 Personen enthält. Zum Vergleich: In Amsterdam wurden 393 mg gemessen, in Mailand 233 mg.

Die Proben für Deutschland hat das EMCDDA in Dortmund, Dülmen und Dresden genommen. Die Auswahl der Städte wird in dem Bericht nicht näher begründet. Dortmund kommt demnach mit einem Kokain-Wert von 295 mg pro 1000 Personen auf einen ähnlichen Wert wie Genf oder St. Gallen. Ecstasy und Amphetamine wurden in allen drei deutschen Städten in sehr geringen Dosen festgestellt.

Das Institut stellt die Analysen in einer interaktiven Karte dar.

Crystal Meth in Osteuropa

Crystal Meth dagegen erreicht in Dresden einen vergleichsweise hohen Wert, vor allem donnerstags: 131 mg auf 1000 Personen erreicht sonst nur Oslo - und eben die osteuropäischen Städte wie Prag und Piestany. Insgesamt findet die Droge in Osteuropa den größten Absatz. Cannabis wird übrigens überall in Europa konsumiert.

Insgesamt nimmt der Drogenkonsum nach einem Höchststand in 2008 in Ländern wie Dänemark oder Großbritannien ab. Elf von zwölf Ländern berichten einen Rückgang des Kokain-Konsums in Umfragen, die zwischen 2011 und 2013 gemacht wurden.

Der internationale Bericht warnt auch vor dem steigenden Gebrauch von sogenannten Legal Highs. Diese Kräutermischungen oder Badesalze, die im Internet verkauft werden, imitieren die Effekte von Kokain oder LSD. Zusätzlich zu den bekannten 170 chemischen Drogen verzeichnet die EMCDDA nun 80 neue.

"Europas Drogenproblem wird immer komplexer mit neuen Herausforderungen ", warnt das Institut. Zwar gebe es positive Zeichen in Bezug auf die bekannten Drogen, doch synthetische Drogen stellten neue Gefahren dar, der Markt für Drogen ändere sich.

Steigende Zahl der Erstkonsumenten

Bereits im April ging aus der offiziellen Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, dass die Verbreitung der Droge Crystal Meth in Deutschland weiter zunimmt. Demnach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 77 Kilogramm der gefährlichen Droge beschlagnahmt, wie die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) und BKA-Präsident Jörg Ziercke in Berlin mitteilten. Mit Sorge beobachten die Behörden vor allem die steigende Zahl der Erstkonsumenten. Rückläufige Fallzahlen gab es bei Heroin und Kokain.

Auf hohem Niveau verharrte laut BKA-Bericht der Cannabis-Konsum in Deutschland. Im vergangenen Jahr seien mehr als 145.000 Rauschgift-Handelsdelikte registriert worden. Das sei der höchste Stand seit fünf Jahren.

vek

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Wie kann mann das verhindern
@de 29.05.2014
schlicht und einfach unter die Kontrolle des Staates stellen, wie in der Schweiz. Keine Dealer mehr man kann den Leuten helfen und den Drogenkonsum eimschränken
2. Welt
vitalik 29.05.2014
Zitat von @deschlicht und einfach unter die Kontrolle des Staates stellen, wie in der Schweiz. Keine Dealer mehr man kann den Leuten helfen und den Drogenkonsum eimschränken
So einfach ist die Welt? Warum bei Drogen aufhören? Geben wir jedem Bürger 1000 Euro im Monat und schon hören alle Verbrechen einfach auf. Schöne Welt haben Sie sich da gebastelt.
3. Rückgewinnung
Hilfskraft 29.05.2014
sicher würde es sich für die Stadt London lohnen, aus ihren Abwässern den kostbaren Stoff herauszufiltern und selber zum Verkauf anzubieten. Nichts umkommen lassen, lautet die Devise ...
4. @de : Absolut richtig!
BiffBoffo 29.05.2014
Der Staat ist der einzigste der das Verhindern kann bzw. den Dealern das Leben schwer machen. Kontrollierte Abgabe von Ärzten ist das Beste. Gras wie in Holland verkaufen und die Harten Drogen vom Arzt. Anderst wird mann nicht Herr der Lage. Der Einzigste Weg.
5. Koks und Geld
noalk 29.05.2014
London ist ein Hauptumschlagplatz für Geld und Europas Drogenkonsumstadt Nummereins. Wenn ich mir vorstelle, dass viele Finanzgeschäfte von Junkies im Drogenrausch gemacht werden, wundert mich keine Finanzkrise mehr.
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Drogenkonsum in Europa 2004-2011
Datenbasis
Die Schätzungen der EU-Drogenbehörde EBDD beziehen sich auf die Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren und basieren auf Daten der Jahre 2004 bis 2011.
Opioide
Problematische Konsumenten: ca. 1,4 Millionen Europäer. Drogeninduzierte Todesfälle machen vier Prozent aller Todesfälle unter Europäern im Alter zwischen 15 und 39 Jahren aus, in etwa drei Vierteln der Fälle wurden Opioide nachgewiesen. Sie sind die Hauptdrogen in etwa der Hälfte aller Drogentherapie-Nachfragen. Etwa 710.000 Opioidkonsumenten haben 2010 in der EU eine Substitutionsbehandlung erhalten.
Amphetamine
Die Lebenszeitprävalenz - also die Zahl der Menschen, die mindestens einmal in ihrem Leben die Droge konsumieren - liegt für Amphetamine bei etwa 13 Millionen (3,8 Prozent der europäischen Erwachsenen). Zwei Millionen haben die Drogen während der vergangenen zwölf Monate genommen.
Kokain
Lebenszeitprävalenz: etwa 15,5 Millionen (4,6 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der letzten 12 Monate: etwa 4 Millionen europäische Erwachsene (1,2 %) oder eine von vier Personen mit Kokainerfahrung. Konsum im vergangenen Monat: etwa 1,5 Millionen.
Ecstasy
Lebenszeitprävalenz: etwa 11,5 Millionen (3,4 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der vergangenen 12 Monate: etwa zwei Millionen.
Cannabis
Lebenszeitprävalenz: etwa 80,5 Millionen (23,7 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der vergangenen 12 Monate: ca. 23 Millionen europäische Erwachsene (6,8 Prozent) oder eine von drei Personen mit Cannabiserfahrung. Konsum im vergangenen Monat: etwa 12 Millionen (3,6 Prozent).


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