Viele Tote durch Fentanyl Der Drogenhorror von Vancouver

Die Polizei spricht von einer Fentanyl-Krise: Im kanadischen Vancouver sind in einer Nacht neun Menschen an einer Überdosis gestorben, seit Jahresanfang gab es 159 Tote. Was macht das Schmerzmittel so gefährlich?

Tütchen mit Fentanyl-verschnittenem Heroin
AFP

Tütchen mit Fentanyl-verschnittenem Heroin


159 Tote durch Drogenkonsum seit Beginn des Jahres allein in Vancouver - angesichts dieser Bilanz fordert die Polizei der kanadischen Stadt eine langfristige und wirksame Strategie, um Konsumenten zu helfen. Einen vorläufigen Tiefpunkt stellte demnach die Nacht von Donnerstag auf Freitag dar, in der allein neun Menschen an einer Überdosis des Schmerz- und Narkosemittels Fentanyl starben. Zum Vergleich: Vancouver hat mit etwas mehr als 600.000 etwa so viele Einwohner wie Stuttgart.

An einer Überdosis Fentanyl starb im April dieses Jahres auch Popstar Prince. Fentanyl ist ein synthetisches Opiod und sehr starkes Schmerzmittel, das bei Krebserkrankungen oder nach Operationen angewendet wird. Es macht sehr schnell abhängig und ist um ein Vielfaches stärker als Morphin, weshalb es als schwer dosierbar gilt. Bereits eine relativ kleine Menge kann zu Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Versagen führen.

Die Zahl der Fentanyl-Toten ist vor allem in Kanada und den USA in letzter Zeit stark gestiegen. Es soll bei geschätzt 60 Prozent der Drogentoten dieses Jahres in Vancouver eine Rolle gespielt haben, berichtet die kanadische Tageszeitung "The Globe and Mail". Die Zahl der Konsumenten in der Stadt wird auf rund 1300 geschätzt.

"Stellen Sie sich vor, wegen irgendeiner anderen Ursache würden neun Menschen in unserer Stadt an einem einzigen Tag sterben", sagte der leitende Polizeibeamte Adam Palmer bei einer Pressekonferenz zum Thema Fentanyl. Allein im Monat November seien es 35 Menschen gewesen, berichtet der Fernsehsender CBC. 2015 starben im gesamten Jahr 67 Menschen in der Stadt an Fentanyl.

Palmer forderte eine langfristige Strategie, um Konsumenten zu helfen. Wenn diese Hilfe in einer Entzugseinrichtung suchten, würden sie derzeit mitunter rund 500 Kilometer weiter in die Stadt Armstrong geschickt, weil in Vancouver nicht genug Plätze vorhanden seien. Bis zum Ende des Jahres könnte die Zahl der Drogentoten auf 200 steigen, warnte der Polizist. 2015 habe es im Vergleich elf Morde und 15 Verkehrstote in der Stadt gegeben.

fdi



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insgesamt 40 Beiträge
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gratiola 17.12.2016
1. Was sind das
für Lückenfuellernachrichten? Bitte Hintergründe! Es wirdzurnarkose genommen und gelegentlich zur postoperative Schmerztherapie als Tabletten und selten als Schmerzpflaster. Welche Art der Verabreichung liegt zugrunde? An die injezierbare Wäre sollte man auch in Kanada nur schwer gelangen.
paps 17.12.2016
2. Fentanyl
wird zur Schmerztherapie als Pflaster verschrieben. Diese Inhaltsstoffe spritzen die Süchtig sich dann. Jetzt ist Fenta aber ca.100x stärker als Morphium. Tja, das war es dann manchmal. Im übrigen gibt es noch andere Substanzen, die noch viel stärker sind.
cobaea 17.12.2016
3.
Zitat von gratiolafür Lückenfuellernachrichten? Bitte Hintergründe! Es wirdzurnarkose genommen und gelegentlich zur postoperative Schmerztherapie als Tabletten und selten als Schmerzpflaster. Welche Art der Verabreichung liegt zugrunde? An die injezierbare Wäre sollte man auch in Kanada nur schwer gelangen.
"selten als Schmerzpflaster"? Sooo selten nun auch wieder nicht. Meine hochbetagte Mutter wurde über Jahre damit behandelt. Die Dosierung des Schmwerzpflasters musste mehrmals erhöht werden. Insgesamt war es für sie eine wirkliche Erleichterung. Aber mir ist auch nicht klar, wie man in Kanada und den USA ohne ärztliche Verordnung an das Zeug kommt. In Deutschland jedenfalls gibt es bei den Apotheken keine Vorratshaltung, es wird jeweils nach Einreichung des Originalrezepts bestellt und sofort dem Patienten abgegeben. Es würde also einem Junkie nicht mal etwas nützen, in die Apotheke einzubrechen. .
hanfiey 17.12.2016
4. sehr viel stärker!
Fentanyl hat eine sehr geringe Therapeutische Breite, d.h. das es von der Schmerzfreiheit bis zur Überdosis mit Atemstillstand nicht weit ist. Das Mittel wird in Dosierungen eingesetzt die im Bereich von 0,05-0,1 Milligramm reicht. Eine normale Morphin Dosis beträgt ca. 10-60mg. Naloxon ist wirksam bei Fentanyl, und daher sind die Überdosen eigentlich vermeidbar gewesen da hierdurch die Wirkung aufgehoben wird. Merkwürdig ist das dieses Mittel überhaupt in freier Wildbahn anzutreffen ist in Reinform.
spon-facebook-10000012354 17.12.2016
5. Ergänzungen
Fentanyl wirkt vorwiegend stark schmerzlindernd (analgetisch) und beruhigend (sedierend). Es ist etwa 120-mal so potent wie Morphin (gemessen am Gewicht ist nur ein Hundertzwanzigstel der Menge an Fentanyl nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen), besitzt eine höhere Wirksamkeit (das Wirkungsmaximum ist höher), während seine Wirkdauer in der Regel deutlich kürzer ist. Im April und Mai 2006 wurde bereits in den USA eine Häufung von Vergiftungen mit Fentanyl (in der Form des Citratsalzes) bei Drogenkonsumenten beobachtet, teilweise mit Todesfolge. Das Fentanyl, das meist zum Strecken von Heroin und vereinzelt auch Kokain verwendet wurde, soll illegal hergestellt worden sein. Diese Entwicklung setzte sich fort und in einem Bericht spricht das CDC von 1000 Toten zwischen 2005 und 2007; die meisten Fälle wurden in Chicago, Philadelphia und Detroit registriert. Neben ihrem Einsatz in der Medizin wurden Fentanyl-Derivate auch auf ihre Verwendbarkeit als chemische Kampfstoffe hin untersucht. Es wurden Vermutungen darüber angestellt, ob ein besonders potentes, in der Humanmedizin nicht zugelassenes Fentanyl-Derivat, das Carfentanyl, in Aerosol-Form bei der Geiselbefreiung im Moskauer Dubrowka-Theater im Oktober 2002 zum Einsatz kam und dabei für 127 Todesfälle mitverantwortlich war. Durch das Einführen verschiedener Reste in das Fentanylmolekül wurden eine Reihe Designerdrogen synthetisiert, beispielsweise Methylfentanyl und Benzylfentanyl. https://de.wikipedia.org/wiki/Fentanyl
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