Gefahr für Kinder Drogenbeauftragte will Rauchen in Autos verbieten

Die Bundesdrogenbeauftragte will Kinder vor schädlichem Zigarettenqualm schützen - und dafür ein Rauchverbot in Autos einführen. Eine ihrer Vorgängerinnen ist bereits mit einer ähnlichen Initiative gescheitert.

Schädlicher Qualm: Kinder sind durch Rauchen im Auto besonders gefährdet
Corbis

Schädlicher Qualm: Kinder sind durch Rauchen im Auto besonders gefährdet


Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) hat ein Rauchverbot in Autos gefordert, wenn Minderjährige mitfahren. "Ich würde die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen", sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Oft wird ja argumentiert, man greife zu tief in die Freiheitsrechte der Eltern ein", sagte sie. "Hier geht es aber darum, dass Kinder dauerhaft geschädigt werden, weil die Rauchkonzentration im Auto um ein Vielfaches höher ist als im Freien."

Bereits beim Rauchen einer Zigarette steige die Konzentration der Tabakrauchpartikel im Fahrzeuginneren rapide an und erreiche selbst bei geöffnetem Fenster Werte wie in einer Raucherkneipe, heißt es in einer aktuellen Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) Heidelberg.

Drogenbeauftragte Mortler würde ein Rauchverbot in Autos begrüßen
DPA

Drogenbeauftragte Mortler würde ein Rauchverbot in Autos begrüßen

Minderjährige seien besonders gefährdet, weil sie schneller atmen und ein weniger entwickeltes Immunsystem haben. Kinder, die Tabakrauch ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen, eine beeinträchtigte Lungenfunktion und Mittelohrentzündungen. Bei Säuglingen erhöht Passivrauchen zudem die Gefahr des plötzlichen Kindstods.

Rauchverbot in Deutschland schwer durchzusetzen

In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über eine entsprechende Gesetzesregelung diskutiert. Bislang konnten sich die Befürworter eines Verbots aber nicht durchsetzen. Eine von Mortlers Vorgängerinnen, Sabine Bätzing, zog scharfe Kritik auf sich, als sie ein Rauchverbot in Autos vorschlug.

Mortler wies darauf hin, dass in Großbritannien von 1. Oktober an eine entsprechende Regelung in Kraft sein wird. Rauchverbote in Autos gelten außerdem bereits in Südafrika, den USA und in Teilen Kanadas sowie Australiens. In Frankreich hatte die Nationalversammlung im Frühjahr als Maßnahme gegen das Passivrauchen für ein Rauchverbot in Autos im Beisein Minderjähriger gestimmt.

Tabakrauch enthält unter anderem krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie andere giftige und krebserregende Substanzen wie Benzol. Die Schadstoffe lagern sich ab und sind auch dann noch im Auto vorhanden, wenn im Fahrzeug nicht mehr geraucht wird.

Auch beim Alkoholkonsum seien Eltern oft ein schlechtes Vorbild, sagte Mortler. "Hier ist noch viel Aufklärung nötig." Laut einer Studie sei 50 Prozent der Schwangeren nicht bewusst, wie schädlich Alkohol für das Ungeborene ist. "Wir haben daher Leitlinien für alle Berufsgruppen entwickelt, die mit Schwangeren zu tun haben, um die Information und Anwendung in der Praxis zu verbessern."

Eine Legalisierung von Cannabis, wie sie zuletzt mehrere Politiker forderten, lehnte Mortler dagegen strikt ab. "Man kann die Tür leicht öffnen, aber nur schwer wieder schließen", sagte sie der Zeitung. Viele Mediziner hielten Cannabis für "alles andere als ungefährlich". Es gebe aber Pläne, schwer kranken Menschen vermehrt Cannabis-Produkte als Medizin zur Verfügung zu stellen.

ala/dpa/AFP

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