Mehr Unfälle Flugsicherung will Drohnenführerschein für alle

In Deutschland häufen sich Unfälle mit Drohnen. Nun fordert die Deutsche Flugsicherung noch strengere Regeln vom Verkehrsministerium.

"Gemos"-Drohne
DPA

"Gemos"-Drohne


Die Zahl der gefährlichen Vorfälle mit Drohnen im deutschen Luftraum hat sich 2016 bereits verfünffacht. Von Januar bis Oktober seien 61 Fälle registriert worden, in denen Drohnen bemannten Fliegern gefährlich nahe gekommen seien, teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit. Im gesamten Jahr 2015 habe es nur 14 derartige Zwischenfälle gegeben.

Die DFS fordert daher einen Drohnenführerschein für alle. "Wir brauchen technologisch fortschrittliche Lösungen und angemessene Regeln, damit dieser Fortschritt nicht auf Kosten der Sicherheit geht", teilte Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheuerle mit. Bereits ab einem Drohnengewicht von 250 Gramm sollten Piloten nun einen Führerschein machen müssen. Die DFS will außerdem die Gültigkeit des Führerscheins zeitlich beschränken.

1,7-Kilo-Drohne stürzt nur knapp neben Familie auf den Boden

Der erst kürzlich überarbeiteten "Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten" zufolge gilt diese Pflicht jedoch erst für Piloten von Drohnen mit einem Gewicht von mehr als fünf Kilogramm. Drohnen ab 250 Gramm müssen demnach nur mit einer Plakette gekennzeichnet sein, auf der Name und Adresse des Eigentümers stehen. Auch das genügt der DFS nicht: Sie will alle entsprechenden Drohnen in einem zentralen Verzeichnis registrieren.

"Wir als DFS müssen wissen, wer am Himmel unterwegs ist", sagte Scheurle. "Wenn wir unbemannte Luftfahrtsysteme sicher in den Luftverkehr integrieren wollen, ist eine Registrierung unabdingbar." Die meisten Behinderungen durch Drohnen wurden laut DFS zuletzt am Frankfurter Flughafen verzeichnet, gefolgt von den Flughäfen Köln-Bonn und München. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland derzeit rund 400.000 privat und gewerblich genutzte Drohnen.

Die DFS rechnet damit, dass sich die Zahl bis 2020 auf rund 1,2 Millionen verdreifachen wird. "Drohnen sind auf dem Radar nicht sichtbar und damit ein Albtraum für jede Flugsicherung", sagt DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle. Gemeinsam mit der europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA und der Deutschen Telekom will er möglichst allen unbemannten Fluggeräten einen Mobilfunkchip verpassen, um deren Positionsdaten der Flugsicherung zu übermitteln.

Erst am Wochenende war eine Drohne in Deutschland gefährlich abgestürzt: In München prallte ein 1,7 Kilogramm schweres Exemplar in rund 180 Meter Höhe gegen den Olympiaturm und fiel nur knapp neben einer Familie auf den Boden. Die Polizei ermittelt gegen den 36-jährigen Piloten wegen Gefährdung des Luftverkehrs. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft.


apr/AFP/dpa

insgesamt 19 Beiträge
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rainerwäscher 15.11.2016
1.
Na endlich merken die, dass einem so ein Ding ganz leicht auf den Kopf fallen kann. Am besten verbieten!
linksklick 15.11.2016
2.
61 Vorfälle, die hätte ich mal genauer analysiert. Viele dieser Vorfälle sind Sichtungen von Piloten und schlicht falsch bzw. nachträglich in den Medien hochgekocht. Das ihnen eine Drohne auf den Kopf fällt dürfte unwahrscheinlicher sein als ein Lottogewinn. Übrigens sterben trotz Führerscheinpflicht ca. 4000 Menschen im Jahr im Straßenverkehr. Woher kommt dieser Hang in unserem Land, jeden Kleinigkeit völlig irrational aufzublasen und die wirklichen Probleme permanent zu ignorieren?!
only me 15.11.2016
3.
Zitat von linksklick61 Vorfälle, die hätte ich mal genauer analysiert. Viele dieser Vorfälle sind Sichtungen von Piloten und schlicht falsch bzw. nachträglich in den Medien hochgekocht. Das ihnen eine Drohne auf den Kopf fällt dürfte unwahrscheinlicher sein als ein Lottogewinn. Übrigens sterben trotz Führerscheinpflicht ca. 4000 Menschen im Jahr im Straßenverkehr. Woher kommt dieser Hang in unserem Land, jeden Kleinigkeit völlig irrational aufzublasen und die wirklichen Probleme permanent zu ignorieren?!
Weihnachten steht vor der Tür und ich bin mir sicher das danach eine Million mehr Drohnen rumfliegen werden. Da spielen nicht nur Kinder mit. Sie wollen sicher auch nicht, dass ihnen jemand um Ihr Haus flieg,vor ihren Fenstern rumdaddelt und ihnen bei der Grillparty oder beim , was immer Sie in Ihrem Garten tun, zuschaut. Das kann ein Auto nicht. mfG
Honk 15.11.2016
4. Na dann...
...sollte man sich wieder der guten alten Zwille erinnern. Wenn einem so ein Gerät bedrohlich nahe kommt oder in den Privatbereich eindringt, würden sich Zielübungen mit M6-Muttern anbieten.
openda 15.11.2016
5. unglaublich
kann es sein das wirklich erwachsene Männer noch mit ferngesteuerten Hubschraubern spielen? Sehr suspekt.
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