Belgrad - Sie wollten die Zentralen der Regierungsparteien in Brand setzen, Büros ausländischer Unternehmen anzünden und in Parkhäusern Autoreifen abfackeln: Radikale Gruppen in Belgrad haben sich laut Berichten lokaler Zeitungen darauf vorbereitet, einen geplanten Umzug von Schwulen und Lesben mit Gewalt zu sabotieren. Nun hat das Land die Demonstration verboten.
Die Staats- und Regierungsspitze habe die Veranstaltung angesichts konkreter Gewaltplanungen der Extremisten untersagt, hieß es. "Die Polizei kann aus Sicherheitsgründen die Durchführung solcher Versammlungen nicht unterstützen, weil sie zu Konflikten, Opfern und Blut führen würden", sagte Innenminister Ivica Dacic.
Der Menschenrechtsaktivist Goran Miletic, einer der Organisatoren der Demonstration, sagte, das Verbot sei eine Kapitulation gegenüber der Intoleranz. "Gewalt ist nicht normal. Es ist normal, dass sich in einem demokratischen Land Leute für ein paar Stunden friedlich versammeln."
Der nun verbotene Umzug war am Freitag vom Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Irinej, scharf verurteilt worden. Es handele sich um eine "Parade der Schande, mit der das menschliche Wertgefühl beschmutzt wird", sagte der Geistliche. Wiederholt waren Homosexuelle in Serbien von Politikern als "kranke Menschen" bezeichnet worden.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Schwulen-Parade von Ausschreitungen begleitet wird. Auf Druck der EU war in Belgrad im letzten Oktober erstmals eine Demonstration von Homosexuellen unter dem Schutz Tausender Polizisten erlaubt worden. Gegen die Veranstaltung hatte es Demonstrationengegeben. Rechtsradikale hatten Geschäfte in der Innenstadt demoliert und sich Straßenschlachtenmit der Polizei geliefert. Dabei wurden mehr als hundert Polizisten verletzt und Dutzende Randalierer festgenommen.
Serbien muss beweisen, dass es in der Lage ist, die Rechte von Homosexuellen zu schützen, um seine Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft zu untermauern.
ulz/dpa/Reuters
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