Irland Erzbischof warnt vor sexuellen Umtrieben im Priesterseminar

Sexuelle Belästigungen und der exzessive Gebrauch einer Gay-Dating-App: In Irland ist ein Priesterseminar in Verruf geraten. Jetzt rät sogar der Erzbischof, den Sündenpfuhl zu meiden.

Universität und katholisches Priesterseminar in Maynooth nahe Dublin
DPA

Universität und katholisches Priesterseminar in Maynooth nahe Dublin


Diarmuid Martin hat offenbar die Nase voll. Der Erzbischof von Dublin hat Priesteranwärtern empfohlen, sich von Irlands ältestem Priesterseminar, dem St Patrick's College in Maynooth, fernzuhalten.

Der Grund? In anonymen Briefen sei ihm von "Sexskandalen" am College berichtet worden, sagte der Leiter der größten irischen Diözese laut "Guardian". Junge Männer sollen belästigt worden sein, auch die flächendeckende Verbreitung der Schwulen-Dating-App Grindr bereitet Martin demnach Sorgen.

Dem Radiosender RTE sagte der Geistliche, er sei "ein wenig unglücklich" über die Atmosphäre, die auf dem Campus herrsche. Es sei nicht der "gesündeste Ort" für Priesteranwärter. Und deshalb sollen sie ihm vorerst fernbleiben. Martin empfahl den jungen Gläubigen, sich lieber am Päpstlichen Irischen Kolleg in Rom ausbilden zu lassen oder in Dubliner Gemeinden zu arbeiten. Überhaupt solle man über eine Strukturreform nachdenken. "Ich glaube, eine Ausbildung jenseits der geschlossenen, seltsamen Welt der Priesterseminare wäre besser."

Seit 2004 ist der 69-jährige Martin Erzbischof von Dublin. Er war im Amt, als der Missbrauchsskandal in der irischen Kirche mit voller Wucht losbrach. Nach dem Erscheinen des sogenannten Murphy-Berichts, der 2009 systematischen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Priester in Irland offenlegte, entschuldigte sich Martin bei den Opfern und forderte den Rücktritt von Bischöfen, die solche Taten vertuscht oder verschwiegen haben sollen.

Bei allen Anschuldigungen versuchte Martin stets, sauber zu differenzieren zwischen Pädophilie und Homosexualität und zweifelte nie an, dass Schwule gute Priester sein könnten.

Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin
Getty Images

Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin

Jetzt scheinen einige Studenten über die Stränge geschlagen zu haben - der Erzbischof betonte, die Dating-App Grindr sei ungeeignet für Seminaristen. Nicht nur weil die Studenten sich der Enthaltsamkeit verschrieben hätten, sondern auch weil die App Promiskuität aktiv fördere, "was keinesfalls eine reife Form der Sexualität ist". Zudem soll es vorgekommen sein, dass Informanten, welche die Vorgesetzten von dem unkeuschen Treiben informierten, des Seminars verwiesen wurden.

Der College-Präsident Hugh Connolly erklärte, er sei sehr unglücklich über den Verdacht der sexuellen Umtriebe und die mutmaßlichen Belästigungen auf dem Campus. Ein zölibatäres Leben der Priesteranwärter sei unverhandelbar. Es gebe aber jenseits der anonymen Briefe und einiger Blogbeiträge keine konkreten Details. Auch werde derzeit nicht ermittelt.

Laut "Irish Independent" hatte ein ehemaliger Priesteranwärter schwere Anschuldigungen gegen einen Geistlichen am St Patrick's College erhoben. Der Priester habe ihn mehrfach unsittlich berührt, anzügliche Witze gemacht und ihn zu seinen sexuellen Präferenzen befragt.

"Ich bin nicht homophob, aber der Priester hat seine Machtposition und seinen Einfluss missbraucht", sagte das mutmaßliche Opfer. Auch sein Resümee lautete: "Ich kann definitiv keinem jungen Mann mit einer Berufung empfehlen, nach Maynooth zu kommen."

ala

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